Eine Liebeserklärung an Fahrrad und Oberschenkel

Simon Scholz, Florian Wenz, Tobias Sigl und Tim Brandstetter sind mit dem Mountainbike von Garmisch-Partenkirchen an den Gardasee unterwegs

Erstellt: 10. Juli 2015
Eine Liebeserklärung an Fahrrad und Oberschenkel In sieben Etappen durch die Alpen – Herausforderung für vier Mountainbiker aus dem Raum Vaihingen. Foto: p

Vier Mountainbiker aus dem Raum Vaihingen überquerten in sieben Etappen die Alpen. Ihr Weg führte sie von Garmisch-Partenkirchen durch Österreich, die Schweiz bis nach Italien an den Gardasee. Eine Herausforderung und unvergessliches Abenteuer zugleich, an das sich die vier Freunde noch lange erinnern werden.

Vaihingen (red). Als aus der vagen Idee, mit dem Mountainbike die Alpen zu überqueren, ein konkreter Plan wurde, gab es für die vier Radler Simon Scholz (Kleinglattbach), Florian Wenz, Tobias Sigl (beide Sersheim) und Tim Brandstetter (Horr–heim) nur noch dieses eine Ziel. Nach einem halben Jahr intensiver Vorbereitung, unzähligen Trainingskilometern durch den Stromberg und genauen Routenplanungen sollten die Mountainbiker für die große Tour gewappnet sein. Zudem konnten die vier Radler einen eigenen Trikotsponsor für sich gewinnen. Malermeister Armin Köhler aus Horrheim war von dem Vorhaben der vier Jungs so angetan, dass er kurzerhand eine einheitliche Teamkleidung finanzierte.

Es galt 510 Kilometer mit 15 000 Höhenmetern in sieben Tagen zu bewältigen. Bei strahlender Morgensonne, mit grenzenloser Vorfreude und den Alpen im Blick, ging es von Garmisch-Partenkirchen aus auf die erste Etappe. Diese führte vorbei am Eibsee, über den Fernpass nach Österreich bis nach Landeck. „Leider mussten bereits auf dieser Etappe zwei Stürze und eine hartnäckige Rippenprellung in Kauf genommen werden“, schreiben die vier Radler. „Beim genüsslichen Abendessen waren jedoch die Schmerzen vergessen und die Vorfreude auf die nächste Etappe umso größer.“

Von Landeck aus ging es am nächsten Tag auf die vermeintliche „Königsetappe“. 86 Kilometer und 2440 Höhenmetern standen auf dem Programm.

Tiefe Schneefelder zehren an den Kraftreserven

Mit leichter aber zunehmender Steigung durchquerte man das Verwall-Tal, wurde jedoch bereits im Skiort St. Anton durch eine kleine Reparatur – geschuldet von einem Sturz des Vortrags – zu einer kurzen Pause gezwungen. Diese sollte sich jedoch als wichtig herausstellen, da der Aufstieg zur Heilbronner Hütte auf 2300 Metern immer wieder durch Tragepassagen an sonnengefluteten Steinhängen unterbrochen werden musste. Tiefe Schneefelder zehrten zudem an den ersten Kraftreserven, sorgten aber auch gleichzeitig für eine zwischenzeitliche Abkühlung in der hochstehenden Mittagssonne.

Nach genüsslicher Stärkung mit Apfelstrudel und Cola, ging es begleitet von einem scheinbar unendlichem Bergpanorama zur Rechten auf einer kurvenreiche Schotter-Abfahrt über das Zeinisjoch und die Stauseen bei Galtür.

Kurz vor Ischgl galt es jedoch in der Abendsonne einen Schlussanstieg von rund 500 Höhenmetern zur Bergankunft in der Bodenalpe zu meistern.

Die dritte Etappe mit Ziel Münstertal in der Schweiz begann im morgendlichen Schatten der Berge und einem mühsamen Kletteraufstieg und weiteren Schneefeldern von der Heidelberger Hütte aus hoch zum Fimberpass auf über 2600 Metern.

Nach obligatorischem Foto mit Pass-Schild im Hintergrund lag eine sehr anspruchsvolle und steinige Trail-Abfahrt hinunter ins Fimbertal vor der Brust, die einiges an Konzentration und fahrerischem Können forderte, dem stellenweise nicht alle Fahrer gewachsen waren.

Durch das Fimbertal hindurch passierte man die Schweizer Grenze, ehe nach kurzer Stärkung im beschaulichen Scoul Kurs auf den Pass da Costainas genommen wurde. Die vorbeiziehenden malerischen Wiesen- und Steinhänge während der Anstiege ließen auch das erste – und einzige – Gewitter im Fahrtwind abperlen.

Mit einer Abfahrt erreichte man am Abend dann nach 66 Kilometern und 2180 Höhenmetern die geplante Unterkunft im idyllischen Münstertal.

Als sich am Morgen der vierten Etappe die ersten schweren Beine und Muskelkater bemerkbar machte, sollte man noch nicht ahnen, welch unbeschreibliche fantastische Etappe der Tag bereithielt.

Eingerahmt von imposanten und kantigen Schweizer Bergen führte eine zähe Schotterauffahrt zum Döss Radond (Höhe 2230 Meter). Pass und Türöffner ins Val Mora.

Ein Single-Trail führt entlang eines wildromantischen Flusslaufes durch sonderbar anmutende Bergkiefern (sogenannte Krüppelkiefern) und schwungvolle Schotterrampen durch eine Bilderbuchlandschaft, die ihresgleichen sucht. Eine Liebeserklärung an Fahrrad und Oberschenkel.

Eine ehemalige Militärstraße führte vorbei am Stausee Lago di Cancano auf den 2300 Meter hohen Passo Verva. In der sengenden Mittagssonne, seinen giftigen Rampen und einer unruhigen Steinpiste erinnerte die Auffahrt jedoch eher an eine Tortur in einer einsamen Mondlandschaft und ließ so einige Flüche über die Lippen den Strampelnden kommen.

Für Fahrfehler gibt es keine Spielräume

Nach kurzer Erholung am Pass, einer schnellen Schotterabfahrt, einem erneuten nicht endenwollendem Anstieg und Schiebepassagen nach Cigozzo, lag zum Tagesabschluss eine sportliche und schmale Trail-Abfahrt vor der Brust, bei der für Fahrfehler keine großen Spielräume vorgesehen waren.

Belohnt wurde diese letzte Abfahrt nach 81 Kilometern und 1950 Höhenmetern mit offenherziger italienischer Gastfreundschaft in Grosio und einem verdienten Abendessen.

Nach mittlerweile mehr als über 300 Kilometern und kräfteraubenden 8600 Höhenmetern in den Beinen wartete gleich zum Auftakt der fünften Etappe ein Mythos italienischer Radsport-Geschichte auf. Der Passo del Mortirolo. Dieser Pass begeistert Radfahrer seit jeher, lässt sie verzweifeln und schmiedet Helden.

Beflügelt von Ehrfurcht und Kampfgeist wurde der 1852 Meter hohe Mythos bezwungen ehe sich am Gipfel Stolz unter die Gruppe mischte.

Mit schnellen Schotter- und Trailabfahrten ließ man den Mortirolo hinter sich und stärkte sich im Tal für den nächsten großen Anstieg zum Etappenziel in Pezzo. Doch nach 50 Kilometern und intensiven 2050 Höhenmetern musste mit großer Enttäuschung festgestellt werden, dass beide angepeilten Übernachtungsmöglichkeiten geschlossen hatten. So blieb nur der Weg zurück ins Tal nach Ponte di Legno. Nach aufwühlender Suche fand sich schließlich jedoch noch eine Bleibe für die Nacht. Und mit dem Gefühl, am nächsten Tag durch zusätzliche 300 Höhenmeter auf dem Weg nach Madonna di Campiglio die tatsächliche Königsetappe zu fahren, fiel jeder in einen tiefen und erholsamen Schlaf.

Mit knackigen 1300 Höhenmeter vom Bett weg, begann die vorletzte Etappe. Hinauf zum höchsten Punkt der Alpenüberquerung, der Forzellina di Montozzo (2613 Meter) musste man sich unter sengender Sonne durch schweren Schotter kämpfen. Nach einer rettenden Stärkung kurz vor dem Gipfel folgte eine lange Trail-Abfahrt hinunter zum Stausee Pian Palù. Dabei stellten sich den Bikern nicht nur spitze Steine und steile Hänge in den Weg, sondern auch eine ganze Herde Kühe. Auf den schmalen Wegen galt es daher erst einmal als Kuhtreiber tätig zu werden. Im Tal folgten einige angenehme Kilometer auf Radwegen so breit wie Straßen, bevor es nochmals stramme 800 Höhenmeter hinaufging.

Wenn der Sattel zum Feind wird

Das Ziel im Blick war die Laune am letzten Morgen blendend, auch wenn die Beine schmerzten und der Sattel zum Feind geworden ist. Eine kurze Abfahrt zum Einrollen und schon ging es wieder bergauf. Dieses Mal war der Bärenpass das Ziel, von dessen Gipfel man einen atemberaubenden Blick auf die Gletscher der Adamello-Gruppe hat. Bei der folgenden Abfahrt wurde schon deutlich, dass auch das Material langsam am Ende war; Bremsen, Federgabeln und Reifen haben schon bessere Zeiten gesehen.

Dort war die Hitze des Südens schon deutlich zu spüren, bevor es zum Passo Ballino, dem letzten Pass der Tour, hinauf ging. Über den Lago di Tenno ging es mit traumhaftem Blick auf den Gardasee steil hinab nach Riva (die Bremsen stanken inzwischen stark verbrannt) und nach fünf flachen Kilometern nach Torbole war die TransAlp 2015 geschafft! Es gab kein Halten mehr und die vier Helden stürzten sich in voller Montur in den See. Ein grandioser Abschluss der Tour, auf den selbstverständlich ausgiebig angestoßen wurde.

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