Ein großer Hauch von Weihnachtszauber

Zweieinhalbstündige Show der Dance Company in der Vaihinger Stadthalle sprüht vor ungeheurer Energie – Training im Fitnesstreff

Von Stefan Friedrich Erstellt: 2. Dezember 2019
Ein großer Hauch von Weihnachtszauber Die Dance Company wünscht eine schöne Weihnachtszeit. Fotos: Friedrich

Weihnachten ist gerettet. Quasi handstreichartig erledigte die Dance Company diese Aufgabe am Samstagnachmittag und lieferte in der restlos ausverkauften Vaihinger Stadthalle eine rund zweieinhalbstündige Show ab, die das Publikum ebenso begeisterte wie elektrisierte. Kein Wunder, dass die stehenden Ovationen da nicht mehr enden wollten.

Vaihingen. Man muss das einfach mal so deutlich sagen: in Sachen Tanz hat Vaihingen unglaublich viel zu bieten. In regelmäßigen Abständen ziehen junge wie auch jung gebliebene Tänzerinnen und Tänzer der Vaihinger Tanzschulen ihr Publikum mit Shows in den Bann, die einen immer wieder staunen lassen. Am Samstag war es das Team der „Dance Company“, das einen ganz besonderen Weihnachtszauber in die Stadthalle gebracht hat. Eine Tanzgeschichte für die ganze Familie hat sich Sabrina Kienzle dazu ausgedacht, die alle Elemente vereinte, die eine perfekte Show ausmachen sollten: eine kurzweilige Geschichte, tolle Tänzer, eine klug zusammengestellte Musikauswahl, sowie Choreographien, die den Nerv der vielen hundert Besucher trafen. Da leuchteten nicht nur die Kinderaugen; auch die erwachsenen Zuschauer waren oftmals hin und weg. Auch, weil hier wirklich jedes Rädchen in das andere griff. Nicht zuletzt dank der 50 fleißigen Helfer vor und hinter der Bühne – die Tänzer natürlich da nicht mitgerechnet – die vom Bühnenbild bis zu den Kostümen einen erstklassigen Job erledigt haben.

In 17 Szenen erzählte diese Show, wie die kleine Ofelia (Leni Hein) nicht nur Weihnachten, sondern mithilfe von Lilli (Julie Hüeber), Elfi (Gabi Goldmann) und Santa (Dino Macho) auch das Glück ihrer Schwester Kathi (Floriane Arnold) retten soll: deren Freund ist nämlich von Penelope (Amelie Kienzle) entführt worden. Keine Frage: man könnte jetzt jede einzelne dieser phantasievoll inszenierten Szenen detailliert beschreiben, wie etwa die „Pirates“ die Bühne eroberten, Weihnachtswichtel vorbeischauten oder Nussknacker auf der Bühne tanzten; wie Orfelia zu „Pink Panther“ detektivischen Spürsinn entwickelte oder die Schwestern zu Beginn des zweiten Teils zum Nordpol reisten und dort das Happy end auf allen Ebenen fanden. Doch würde das dieser Show wirklich gerecht? Definitiv nicht. Es bedarf schon eines tieferen Blicks hinter diese Weihnachtsgeschichte. Was diesen Nachmittag nämlich so berührend und fesselnd zugleich gemacht hat, war das, was sich hinter dem vermeintlich Selbstverständlichem, dem Plot, verbarg: eine ungeheure Energie, die den ganzen Saal quasi von Beginn an erfasst hat.

Die Show hatte noch gar nicht richtig begonnen, da klatschte das Publikum bereits lautstark im Rhythmus mit, so schnell war der Funke übergesprungen. Derlei erlebt man nicht allzu oft. Das hatte zunächst schon mit der grundsätzlichen Konzeption dieser Show zu tun, die viele Facetten in sich vereint hat: Romantisches, Slapstickelemente und natürlich auch die Magie der Weihnacht. Alles hatte da seinen Platz. Mal ausdrucksstark und in sich gekehrt, dann wieder die ausgelassene Lebensfreude pur. Da hörte man das Publikum immer wieder kreischen und die erwähnten Energien flossen eben selbst bis ganz nach oben in die letzte Reihe der Empore. Keine Frage: damit so etwas gelingt, bedarf es viel Fingerspitzengefühl für die richtige Dramaturgie; für den roten Faden einerseits, der in der Vielfalt und Buntheit der Tanzeinlagen erkennbar bleiben muss, respektive für die passende Mischung aus möglichst abwechslungsreichen Elementen: wann soll welche Bühne, wann der Saal bespielt werden. Redundanzen vermeiden und die Geschichte zielgerichtet entwickeln. All das ist Kienzle und ihrem Team an diesem Nachmittag mit dieser Weihnachtsshow glänzend gelungen.

Stark auch das immer wieder stimmungsvolle Spiel mit Licht und Nebeleffekten, das eine geradezu fesselnd-magische Atmosphäre schuf; dazu das gelungene Bühnenbild unter anderem mit der Weihnachtswerkstatt und dem Rentierschlitten, sowie die phantasievollen Kostüme vom illuminierten Engel bis zu der Szenerie in Santas Werkstatt: das alles war in dieser Kombination eine mehr als runde Sache; das war ein großer Hauch von Weihnachtszauber, den die Dance Company da in die Stadthalle gebracht hat. Wenn man so will, ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk an die zahlreichen Besucher, das am Ende mit einer kleinen Überraschung aufwartete: Dino Macho griff als Santa zum Saxophon und stimmte gemeinsam mit der jungen Sängerin Sila Insal „All I want for christmas“ an.

Der Dank von Dance-Company-Inhaberin Sabrina Kienzle richtete sich da am Ende sowohl an die vielen Tänzer, als auch an die Helfer hinter den Kulissen – und nicht zuletzt an die Darsteller. Julie Hüeber beispielsweise stieß erst vor eineinhalb Jahren zur Dance Company. „Sie hat sich nicht mal getraut, mit mir zu sprechen, war ganz zurückhaltend und schüchtern“, verriet Kienzle. Am Samstag stand sie auf der Bühne und hat dort ihre Rolle prima ausgefüllt. Und Leni Hein, die die Hauptrolle der Ofelia übernahm, hat schon beim RTL-Supertalent gezeigt, dass sie ihre Qualitäten auf der Bühne hat, in diesem Fall als pfiffiger junger Elf, dem keine Aufgabe zu schwer ist. Bemerkenswert ist die Leistung aller Beteiligten übrigens auch deshalb, weil sie momentan keine eigenen Räumlichkeiten haben und daher im Yoga Atelier, respektive im Fitnesstreff trainieren. „Es ist gar nicht so einfach, ohne eigenes Zuhause so zu wachsen“, bemerkte Kienzle diesbezüglich. Deshalb sei sie auch „sehr sehr stolz“ auf ihre Schützlinge. Und wer weiß, vielleicht hat ja auch der echte Weihnachtsmann an diesem Nachmittag ganz genau hingeschaut und hilft der Dance Company, zeitnah ein eigenes Zuhause zu finden. Verdient haben sie es nach so einem überzeugenden Auftritt allemal.

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