„Die kleinen Wölfe“ könnten bald draußen spielen

Initiative plant Naturkindergarten auf Vaihinger Markung – Noch „Hausaufgaben“ zu machen – Start des Projekts für September 2015 anvisiert

Von Sabine Rücker Erstellt: 18. Dezember 2014
„Die kleinen Wölfe“ könnten bald draußen spielen Erzieherin Petra Reutter mit den Flyern zum Naturkindergarten. Foto: Rücker

Im Sommer hat Petra Reutter aus Aurich ihre Idee mit Aushängen publik gemacht. Inzwischen nimmt das Vorhaben der Erzieherin schon Gestalt an. Für den Naturkindergarten, den sie in Vaihingen plant, hat sich inzwischen eine Initiative gegründet und Gespräche mit der Stadt Vaihingen laufen.

Aurich. Schon als Kind sei sie „ganz arg viel draußen“ gewesen, erzählt Petra Reutter aus Aurich. Und auch ihre fünf Kinder hätten viel Zeit an der frischen Luft verbracht. „Ich habe die Natur als etwas Heilsames erlebt, die Kinder heute haben vielfach nicht mehr die Möglichkeit, das zu erfahren“, sagt die Erzieherin. Seit Herbst arbeitet sie im Waldkindergarten in Markgröningen und schon seit Sommer ist ihr klar: Sie muss das jetzt einfach in Vaihingen versuchen.

Also bringt sie in Vaihinger Geschäften Aushänge an, in denen sie die Idee kundtut, einen Naturkindergarten zu gründen. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet sich die Nachricht.

Inzwischen hat sich eine Initiative gegründet, der harte Kern umfasst neun Leute, der Zusammenschluss hat sich den Namen „Die kleinen Wölfe – Naturkindergarten Vaihingen“ gegeben und 28 Kinder ab null Jahren aus Vaihingen und Umgebung stehen in der Liste der Voranmeldungen.

„Das war gut für mich, dass ich weiß, dass viele Menschen das wollen“, freut sich die 50-Jährige. Auch auf dem Vaihinger Weihnachtsmarkt werden Unterschriften für den Naturkindergarten gesammelt. „Das gibt mir ein Gefühl, dass das gewünscht ist“, sagt Reutter.

Momentan absolviert die Erzieherin mit Zusatzausbildung Erlebnispädagogik noch eine einjährige Ausbildung Waldpädagogik. „Draußen haben die Kinder so viel Freiheiten und Möglichkeiten, die sie in einem Raum nicht haben“, ist Reutter überzeugt. Im Wald Hütten bauen, sich auf die Lauer legen, Räuber und Gendarm spielen – und zwar ohne, dass Erwachsene den Ton angeben, seien Beispiele dafür. „Das freie Spiel ist das wichtigste Element im Naturkindergarten“, sagt die Erzieherin. Der Initiative schwebt für ihr Vorhaben ein fester Platz auf einer Wiese vor, bei dem der Wald in erreichbarer Nähe sein muss und auf dem ein beheizbarer Bauwagen steht. „Den baut gerade mein Mann“, lässt Reutter wissen.

Nur für extreme Wetterlagen, zum Beispiel bei Sturm und bei großer Kälte, brauche man ein festes Gebäude, in das sich die Gruppe zurückziehen könnte. „Im Normalfall sind wir draußen“, sagt Reutter.

Die Initiatorin möchte auf dem Kindergartengelände einen Garten anlegen und ein kleiner Werkbereich ist angedacht. Geplant ist eine Gruppe mit 20 Kindern ab drei Jahren. „Vorschulkinder werden besonders auf die Schule vorbereitet“, sagt Reutter. Auch Rituale wie einen Morgen- und einen Abschlusskreis sowie das gemeinsame Essen soll es geben.

Die Kinder in Naturkindergärten seien ganz selten krank. Eine Rotznase wachse sich eher nicht zu einer dicken Erkältung aus. Wenn einer friert, dann die Erwachsenen. In den nächsten paar Wochen soll nun geklärt werden, ob für die Trägerschaft ein Verein gegründet wird oder sich ein anderer Träger findet. Denn: „Im Frühjahr möchten wir das Konzept gerne dem Gemeinderat vorlegen, der muss das absegnen“, so Reutter. Und weiter: „Wir gehen davon aus, dass wir spätestens im September anfangen.“

Neben Petra Reutter als Kindergartenleiterin soll eine weitere 100-Prozent-Stelle geschaffen werden und ein Mitarbeiter im Freiwilligen Sozialen Jahr, gerne männlich, wäre willkommen. „Als Ausgleich zu den vielen Erzieherinnen“, sagt Reutter.

„Ich habe den Eindruck, den Kindern einen Rucksack mit echten Erlebnissen mitzugeben ist genau das, was die Zeit braucht“ findet Reutter. Ihre eigenen fünf Kinder hätten ganz lange keinen Computer gehabt, seien viel im Wald gewesen, und seien heute trotzdem topfit am PC.

„Seit einigen Tagen laufen die Drähte zwischen uns schon heiß“, bestätigt Birgit Scheurer, Leiterin der Abteilung Bildung, Erziehung und Sport bei der Stadtverwaltung Vaihingen. Sie stehe mit Petra Reutter nun im regen Kontakt, da die Initiative mit ihrem Angebot in die Kindergartenbedarfsplanung der Stadt aufgenommen werden möchte. „Eigentlich ist das Feld in Vaihingen bestellt“, sagt Scheurer. Es gebe genügend Anbieter von Kindergartenplätzen. „Aber wir haben noch keinen Waldkindergarten“, urteilt die Abteilungsleiterin. Aus ihrer jetzigen Erfahrung wäre der Bedarf an diesem Angebot da, sagt Scheurer. Initiatorin Reutter sei schwer motiviert, „die will das machen und das Angebot hier auf die Beine stellen“, sagt Scheurer. Allerdings seien noch einige „Hausaufgaben“ zu machen. Zum Beispiel sei die Struktur zu klären, das pädagogische Konzept vorzulegen und eine Kindertagesstättenordnung festzulegen. Die Stadt habe als möglichen Standort ein städtisches Grundstück in einem Vaihinger Stadtteil vorgeschlagen, dort müsse die Initiative diverse Fragen abklären, da ein Teil davon im Landschaftsschutzgebiet liege.

Wenn alles „superoptimal“ laufe, könnte der Gemeinderat im Frühjahr über die Aufnahme in den Bedarfsplan entscheiden, sagt Scheurer. Der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg müsste eine Betriebserlaubnis erteilen, dann könnten dem Träger 63 Prozent der Betriebskosten vom Land erstattet werden. Die weitere Finanzierung müsse noch geklärt werden. „Es wäre schön, wenn’s was werden würde“, so Scheurer zum Projekt.

Informationen zur Initiative „Die kleinen Wölfe – Naturkindergarten Vaihingen“ bei Petra Reutter, Telefon 01 57 / 33 70 99 06 oder per E-Mail: naturkindergarten.vaihingen@web.de. Eine Website ist im Aufbau.

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