Die Erzieher arbeiten nun von zu Hause aus

Konzepte erstellen, statt Türmchen bauen: Die Stadt Vaihingen gibt den pädagogischen Kita-Mitarbeitern Aufgaben für daheim

Von Claudia Maria Rostek Erstellt: 25. März 2020
Die Erzieher arbeiten nun von zu Hause aus Aufbewahrungsboxen bleiben momentan ungenutzt – wie so vieles anderes in den verwaisten Kindergärten. Foto: Archiv

Es dürfte eine ungewohnte Situation für die Mehrzahl der Erzieher der Vaihinger Kindertagsstätten sein: Seit Ende vergangener Woche arbeiten sie von zu Hause aus. Was noch vor einem Monat undenkbar schien, ist in Zeiten von Corona und Kitaschließungen Realität.

Vaihingen/Hochdorf. Im Vaihinger Stadtgebiet gehen derzeit zwölf Kinder in die Notfallbetreuung. Der Großteil der Erzieher wird in den Krippen und Kindergärten somit nicht benötigt. Noch Anfang vergangener Woche wurde die kinderfreie Zeit genutzt, um die Einrichtungen ordentlich aufzuräumen. Doch diese Arbeit war irgendwann erledigt. Am Donnerstag trafen sich die Kitaleiter mit Vertretern der Stadt Vaihingen im Rathaus und besprachen dort die Lage. Damit die Personen ausreichend Abstand halten konnten, wurde dafür der große Sitzungssaal ausgewählt, so Pressesprecherin Martina Fischer.

Bei dem Termin einigte man sich darauf, dass die Erzieher fortan zu Hause arbeiten. „Die machen nun viel Konzeptionelles“, teilt die Pressesprecherin mit. Dabei werden sie sich auch mit der Frage beschäftigen, wie sie mit den Kindern umgehen, wenn diese nach so langer Zeit wieder in die Kitas kommen. Schließlich ist die jetzige Schließung noch länger als die im Sommer, wenn die Kindergärten drei Wochen Ferien haben. „Man muss da von einer Art Wiedereingewöhnung sprechen“, erklärt Fischer.

Zudem beschäftigen sich die Erzieher mit der Frage, wie sie mit den Kindern über die jetzige Situation sprechen, sollten diese dazu Fragen stellen. „Es geht darum, wie kann ich antworten, ohne den Kindern Angst zu machen“, erläutert die Stadtsprecherin.

Die Leitungskräfte sind weiter nahezu täglich vor Ort. Sie hören die Anrufbeantworter ab und nehmen Material mit nach Hause, das sie benötigen. Zudem müssen sie von 9 bis 12 Uhr für die Stadtverwaltung erreichbar sein.

Für die Notfallbetreuung, die momentan in sechs Kindergärten (sowohl städtische als auch konfessionelle Einrichtungen) angeboten wird, musste laut Stadtinformationen kein Kind seine vertraute Umgebung wechseln. Es wurde also keine zentrale Gruppe gebildet; die Kleinen besuchen weiter die Kita, in die sie auch sonst gehen. Im Stadtgebiet findet die Notfallbetreuung an sechs von insgesamt 25 Einrichtungen statt.

Doch bei der Kommune ist klar: Die Lage kann sich jederzeit ändern. Momentan dürfen nur die Eltern für ihre Kinder das Betreuungsangebot in Anspruch nehmen, bei denen beide Elternteile in einem systemkritischen Beruf arbeiten sowie Alleinerziehende in dieser Berufssparte. Sollte diese Vorgabe aber aufgeweicht werden, kann die Zahl der Notfallbetreuungsplätze schnell steigen – und somit auch die Zahl der benötigten Erzieher. Die Einrichtungen, in denen kein Betrieb stattfindet, werden nun gründlich gesäubert. Oder wie es vonseiten der Stadt heißt: „Sie werden einer desinfizierenden Reinigung unterzogen.“

Auch in anderen Gemeinden nutzen die Erzieher die kinderlose Zeit, um sich Dingen zu widmen, für die die Zeit sonst knapp ist. „Am Anfang habe ich gedacht, wie füllen wir nur diese Wochen. Jetzt wird meine To-do-Liste immer länger. Sobald ich etwas streiche, kommt etwas Neues dazu“, sagt Susanne Schray, Leiterin des Hochdorfer Kindergartens Schillerstraße. Zusammen mit einer Kollegin – von der sie gebührend Abstand hält – hat sie die Räume rundherum auf Vordermann gebracht. Es wurde geputzt, aufgeräumt und sortiert. „Der Materialschrank sieht aus wie geleckt. Wir wissen jetzt von jedem Fitzel, wo wir ihn haben.“

„Es ist Qualitätszeit fürs Team“

Zudem wurde die Planung in Angriff genommen. „Wir haben uns um die Termine fürs ganze Jahr gekümmert, zum Beispiel, wann welche Feste stattfinden und wann der Abschied von den Großen sein wird“, erzählt Schray. Auch die Bedarfsplanung fürs nächste Kindergartenjahr nahmen sie in Angriff. Zudem stand eine Lektüre an – und das ausgiebig. „Ich konnte einfach mal zwei Stunden im Büro sitzen und die Abhandlung zum Thema Leitungszeit in Kitas intensiv lesen.“

Mit den Eltern hält Schray über die Elternbeiräte Kontakt. Als Beschäftigungsanregung hat sie über Whatsapp einen Link geschickt, um Väter, Mütter und Kinder zum Tanzen zu animieren. Zudem versandte sie ein Selfie von sich und ihrer Kollegin bei der Arbeit. Der Leiterin fehlen die Jungs und Mädchen. „Kindergarten ohne Kinder ist einfach blöd“, sagt sie. Doch die Tage ohne die Kleinen haben auch etwas Gutes: „Es ist Qualitätszeit fürs Team“, sagt sie. Schließlich haben sie und ihre Kollegin nun für Konzeptionelles Zeit, können pädagogische Fragen erörtern und einfach „ganz viele sinnvolle Dinge vorbereiten“. Und sollte die Arbeit dann doch noch ausgehen, können sie für Ende des Jahres schon mal Adventskalender basteln. Im Kindergarten gibt es eben immer was tun.

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