Der Kran gelangt an seine Grenzen

In der Nacht zum Freitag wurde die Eisenbahnbrücke in der Heilbronner Straße in Vaihingen entfernt

Von Michael Banholzer Erstellt: 6. Juni 2020
Der Kran gelangt an seine Grenzen Im Schein des Mondes wurde die Stahlkonstruktion ausgehoben. Fotos: Banholzer

Vaihingen. Ganz so widerstandslos wollte sich die Brücke denn doch nicht in ihr Schicksal ergeben. In der Nacht zum Freitag entfernten Arbeiter der Firma Leonhard Weiss die genietete Stahlkonstruktion der im Jahr 1904 errichteten Eisenbahnbrücke in der Heilbronner Straße in Vaihingen. Eine Gruppe neugieriger Bürger war gekommen, um das Ausheben per Kran mit eigenen Augen mitzuverfolgen – trotz zeitweise strömendem Regen. Nicht nur bei den Zuschauern war allerdings Geduld gefragt. Denn obgleich kurz nach 22 Uhr der Kran positioniert und die Zugketten angebracht waren, tat sich zunächst einmal nichts.

Laut den baurechtlichen Unterlagen sollte das zu entfernende Brückenteil elf Tonnen wiegen, erklärte der zuständige Ingenieur René Hillebrand am Rande der Arbeiten. Doch auch bei einer Zugkraft von 16 Tonnen habe sich noch nichts bewegt. Also musste eine mobile Arbeitsbühne zum Einsatz gebracht werden, die Hillebrand und seinen Kollegen einen Blick auf die Unterseite der Konstruktion erlaubte. Es zeigte sich, dass das Problem auf der südöstlichen Seite zu suchen war. Wegen der Wärmeausdehnung seien bei solchen Brücken die Überbauten an einer Seite mit einem Festlager am Unterbau befestigt, am anderen Ende mit einem flexiblen Gleitlager, erklärte Hillebrand. In diesem Fall waren die acht Bolzen des Festlagers das Problem. „Die sind fester als gedacht“, so der Leiter der Baustelle. Also kam der Trennschleifer zum Einsatz.

Doch auch nachdem dieser Widerstand gebrochen war, konnte René Hillebrand noch nicht aufatmen. Denn das zwischen elf und zwölf Meter lange stählerne Bauteil erwies sich als deutlich schwerer als angegeben: Mindestens 15 Tonnen brachte es auf die Waage. „Der Kran kommt da an seine Grenzen“, so der Ingenieur. Zwar könne der Arm bei kürzester Auslegung bis zu 80 Tonnen wuchten. Voll ausgefahren seien es aber nur noch rund 16 Tonnen. Im Schein des inzwischen durch die Wolken gebrochenen Mondes wurde der Stahlkoloss schließlich gegen 2 Uhr langsam aus seinem Lager gehoben und auf einem Tieflader wieder abgelegt. Dieser setzte sich um 4 Uhr – bei Eintreffen des benötigten Begleitfahrzeugs – in Richtung Plochingen in Bewegung. Da das Bauteil mit Teer auf dem Belag und Bleimenningen belastet ist, muss es dort entsprechend geltender Vorschriften für den Umgang mit Schadstoffen entsorgt werden.

Der Austausch wurde im Zuge der Errichtung des neuen Radwegs auf der ehemaligen WEG-Tasse erforderlich. Es komme durchaus vor, dass solche alten Eisenbahnbrücken einfach zum Radweg umgenutzt würden, sagte Stadtsprecher Mario Steig-leder auf Nachfrage der VKZ. „Die Brücke über die Heilbronner Straße hat nun aber am Überbau solche Schäden aufgewiesen, dass ihre Standhaftigkeit beeinträchtigt war. Zudem waren durch diverse Schäden Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit nicht mehr gegeben.“ Laut René Hillebrand müssten ohnehin auch Auf- und Widerlager der Brücke saniert werden, was die Firma Leonhard Weiss vor dem Neuaufbau mit einer Granitbrücke erledigen wird. Ein Termin für deren Einbau gibt es noch nicht, so Mario Steigleder. Geplant ist die Maßnahme aber für Spätsommer/Herbst.

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