„Das Übertragungsrisiko ist hier geringer als bei anderen Alltagssituationen“

Auch in Zeiten der Corona-Pandemie finden lebenswichtige Blutspendeaktionen statt – Heute von 14.30 bis 19.30 Uhr in der Halle im See in Kleinglattbach

Von Michael Banholzer Erstellt: 27. März 2020
„Das Übertragungsrisiko ist hier geringer als bei anderen Alltagssituationen“ Blutspendeaktionen müssen auch in Zeiten von Corona regelmäßig stattfinden. Foto: Archiv

Kleinglattbach. Corona lässt Deutschland und die halbe Welt still stehen. Das gilt aber nicht für Blutspendeaktionen. Heute Nachmittag können die Vaihinger beispielsweise in der Halle im See in Kleinglattbach einen halben Liter ihres Blutes spenden. Auf erfahrene Spender kommt dabei aber eine neue Erfahrung zu, wie Eberhard Weck vom Blutspendedienst Baden-Württemberg/Hessen erklärt. Denn anders als sonst üblich, werden die Spender schon vor der Halle in Empfang genommen – durch einen Mitarbeiter in Vollschutzkleidung. Dieser klärt bereits vor dem Betreten ab, ob die Gefahr einer Corona-Infektion vorliegen könnte. So werden Spender danach befragt, ob sie mit möglicherweise Erkrankten Kontakt hatten oder ob sie sich zuletzt in Risikogebieten aufgehalten haben. Jeder, der sich nicht ganz fit fühle und beispielsweise Erkältungssymptome zeige, werde gebeten, wieder zu gehen, so Weck. Das gleiche Schicksal kann Spender auch ereilen, wenn ihre Körpertemperatur erhöht ist. Die wird am Eingang nämlich ebenfalls gemessen. Bei 37,5 Grad Celsius ist die Grenze. Wer alle Kontrollen besteht, darf sich unter Anleitung die Hände desinfizieren und dann eintreten.

Auch im Inneren wird das Prozedere verändert, erklärt Rudolf Feix, der beim Blutspendedienst für die Landkreise Ludwigsburg und Heilbronn zuständig ist. Die Stationen werden weitläufiger ausgestaltet. Überall wird auf die nötigen Abstände geachtet. Selbst die Liegen, auf denen die Spender während der Entnahme Platz nehmen, rücken etwas auseinander. Eine von vielen Spendern geschätzte Besonderheit fällt der Pandemie ebenfalls zum Opfer: das gemeinsame Vesper im Anschluss. Wo man sonst noch gemütlich beisammen saß und sich – je nach Küche des jeweiligen bewirtenden DRK-Ortsvereins – mit Salaten, Maultaschen oder Kuchen stärkte, bekommt man dieses Mal nur ein Paket zum Mitnehmen. Das lasse sich leider nicht anders machen, so Feix.

Dass Blutspenden überhaupt noch stattfinden, hat vor allem mit der kurzen Haltbarkeit der Blutprodukte zu tun, erklärt Eberhard Weck. Halten sich die roten Blutkörperchen, die Erythrozyten außerhalb der Körpers noch bis zu 42 Tage, sind es bei den Thrombozyten nur maximal vier Tage. Die für die Blutgerinnung zuständigen Blutplättchen seien vor allem in der Krebstherapie essenziell wichtig. Und da sich Blut nicht künstlich herstellen lässt, ist regelmäßiger Nachschub erforderlich und wichtiger als eine einzelne große Spendenwelle, der dann anhaltende Ebbe folgt. Im Bereich des Blutspendedienstes Baden-Württemberg/Hessen liege der Bedarf an einem gewöhnlichen Werktag bei 2500 bis 2600 Konserven zu je einem halben Liter. Da viele Krankenhäuser wegen der Pandemie nicht notwendige Operationen verschieben, reduziere es sich auf etwa 2000. Das sei in etwa auch die Menge, die man derzeit bei den Spendeaktionen erhalte, so Weck. „Im Moment funktioniert es ganz gut.“ Die Frage sei aber, wie es in den nächsten Wochen aussehen werde.

Um dann einen kontinuierlichen Blutfluss gewährleisten zu können, richtet der Blutspendedienst wochenweise Blutspendezentren in großen Hallen ein. Im Kreis Ludwigsburg wird dies vom 6. bis 9. April in der Erich-Lillich-Halle in Ludwigsburg-Eglosheim der Fall sein. Dort kann man nach vorheriger Online-Anmeldung zu einem festen Termin spenden. Das verhindert auch die sonst oft auftretenden Warteschlangen, die ein besonderes Infektionsreisiko darstellen würden. Alle anderen, bereits angekündigten Blutspendeaktionen sollen ebenfalls stattfinden, so Weck. Lediglich solche, die in zu beengten Lokalitäten stattfinden, werden in Zukunft ausgesetzt. Es soll schließlich niemand Angst haben, zur Spende zu gehen. Weck ist überzeugt: „Das Übertragungsrisiko ist hier geringer als bei anderen Alltagssituationen.“

Weiterlesen

Oster-Inspirationen und Erinnerungen

Drucken Ein Osterfest steht vor der Tür, wie es noch keiner erlebt hat. Großeltern sollen sich von den Enkeln fernhalten, Gottesdienste fallen aus, die Corona-Pandemie sorgt für Kontakt- und Versammlungsverbote. Zur Unterhaltung und als Gruß an die Leser... »