Beim Umzug der Fische herrscht Hochspannung

Am Wehr des Kreuzbaches zwischen Aurich und Enzweihingen wird ab heute eine neue Fischtreppe gebaut – Experten siedeln Bachbewohner vorher um

Von Michael Banholzer Erstellt: 18. August 2016
Beim Umzug der Fische herrscht Hochspannung Helmut Bruckelt (links) und Peter Schiele vom Fischereiverband im Kreis Ludwigsburg fingen die mit Strom betäubten Fische ein. Fotos: Banholzer

Als Ausgleich für bauliche Eingriffe in die Natur lässt die Stadt Vaihingen am Kreuzbach eine neue Fischtreppe errichten. Die Tiere sollen dadurch besser zu ihren Laichgründen wandern können. Gestern wurden die Fische am Wehr umgesiedelt, damit sie durch die Bauarbeiten nicht zu Schaden kommen.

Enzweihingen/Aurich. Bäuchlings im Wasser treibende Fische sind für Tierfreunde nie ein besonders angenehmer Anblick. Am Kreuzbach zwischen Aurich und Enzweihingen war gestern aber wenigstens keine Verschmutzung oder Vergiftung die Ursache für den Zustand der scheinbar leblosen Bachbewohner. Vielmehr waren diese von Peter Schiele und Helmut Bruckelt mit elektrischem Strom vorübergehend außer Gefecht gesetzt worden.

Das Elektrofischen sei nur in Ausnahmefällen erlaubt, erklärt Peter Schiele, der auch Vorsitzender des Fischereiverbands im Landkreis Ludwigsburg ist. Wenn die Flossentiere beispielsweise wegen anstehender Bauarbeiten umgesiedelt werden müssen, dürfen sie auf diese Weise eingefangen werden. Und genau das ist nun am Kreuzbach der Fall. Denn schon heute beginnen an dem Wehr, von dem aus früher ein Kanal die Sägmühle in Enzweihingen mit Wasserkraft versorgte, die Arbeiten für eine neue Fischtreppe. Dort besteht zwar bereits eine kleine Konstruktion, die Fischen das Überwinden des Höhenunterschieds ermöglichen soll. Doch da komme kaum ein Fisch hoch, ist sich Peter Schiele sicher. Rund 120 000 Euro investiere die Stadt Vaihingen, die sich die Fischtreppe als ökologischen Ausgleich für Bauarbeiten zum Hochwasserschutz in Riet aus dem Jahr 2013 anrechnen lassen kann, wie Marc Bührer vom Tiefbauamt erklärt. Ende September oder Anfang Oktober sollen die Arbeiten beendet sein.

Da den Fischen jedoch nichts Gutes getan wird, wenn man sie bei den Bauarbeiten gefährdet, müssen sie vorab umgesiedelt werden. Die meisten Fische seien zwar scheu und ergriffen von selbst die Flucht, wenn sie gestört werden, sagt Helmut Bruckelt, seines Zeichens Vorstandsmitglied im Fischereiverein Steinheim. Einige Arten wie beispielsweise die Groppe zögen es aber vor, sich zu verstecken – eine bei anrückenden Baggern unter Umständen lebensgefährliche Taktik. Das Abfischen mit Strom sei in solchen Fällen die beste Möglichkeit, um möglichst viele Fische vor diesem Schicksal zu bewahren.

Dafür legt Helmut Bruckelt beim Wehr ein Kabel mit einem offenen Kupferstück am Ende ins Wasser. Peter Schiele taucht nun in regelmäßigen Abständen den ebenfalls an das Stromaggregat angschlossenen Kescher ins Wasser. Zwischen dem Pluspol, dem Kescher, und dem Minuspol, dem Kupferkabel baut sich nun eine Spannung von 250 oder 500 Volt auf. Es handele sich dabei um Gleichspannung, da diese für Lebewesen weniger schädlich sei als Wechselspannung, betont Schiele. Im Umkreis von rund zwei Metern spüren Döbel, Bachforellen, Groppen oder Elritzen nun die Elektronen, die vom Plus- zum Minuspol fließen, und versuchen, vor diesen zu fliehen. Sie bewegen sich also auf den Kescher zu, während der Stromfluss bei ihnen gleichzeitig eine Muskellähmung verursacht. Peter Schiele muss die hilflosen Tiere einfach nur noch einsammeln. Helmut Bruckelt behält derweil den Stromkreis im Auge und kann diesen wenn nötig sofort unterbrechen, indem er den Schalter loslässt. Denn die Spannung und die dabei eingesetzte Stromstärke von mehreren Ampere können auch für Menschen durchaus unangenehm oder gar gefährlich werden.

An diesem Tag klappt aber alles. Die gefangenen Fische werden von Roland Zitzmann per Anhänger einige Hundert Meter bachaufwärts wieder ausgesetzt. Schon wenige Minuten nach der Strombetäubung sind sie wieder agil und schwimmen eilig davon. Der Horrheimer Zitzmann hat seit vier Jahren ein Stück des Kreuzbachs von der Stadt Vaihingen gepachtet. „Ich nutze es aber nicht als Angler, sondern lass’ der Natur ihren Lauf“, sagt er. Von der Wasserqualität des Kreuzbachs ist Roland Zitzmann überzeugt. Zahlreiche einjährige Fische seien der Beweis dafür, dass sich die Tiere wohl fühlten. Das sieht auch Peter Schiele so. In seinem Kescher zappelt gerade wieder eine kleine Groppe. Diese Fische stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Dass sie im Kreuzbach heimisch sind, zeige, dass dieser ein sehr gutes Gewässer ist. „Note eins oder zwei.“

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