Behandlung in Corona-Zeiten gesichert

Dr. Udo Lenke berichtet aus seiner eigenen Vaihinger Praxis vom Umgang mit der Pandemie

Von Sabine Rücker Erstellt: 26. März 2020
Behandlung in Corona-Zeiten gesichert Der Praxisbetrieb bei Dr. Udo Lenke in Vaihingen geht weiter, wenn auch um 50 Prozent reduziert. Foto: Rücker

In Corona-Zeiten haben es die Zahnärzte und ihre Mitarbeiter gar nicht leicht: Sie arbeiten sozusagen in der Gefahrenzone, da sich das Sars-Cov-2-Virus im Rachenraum vermehrt. Ein Gespräch mit dem Vaihinger Zahnarzt Dr. Udo Lenke, Ehrenpräsident der Landeszahnärztekammer.

Vaihingen. Selbst wer große Angst vorm Zahnarzt hat, den dürfte die Vorstellung vor unbehandelten Zahnschmerzen noch mehr in Panik versetzen. Doch die Versorgung ist laut Dr. Udo Lenke auch in Corona-Zeiten gesichert. „Wir haben einen Sicherstellungsauftrag als Zahnärzte. Wir müssen auf alle Fälle mindestens eine Notfallbehandlung sicherstellen“, sagt der Zahnmediziner mit Praxis in Vaihingen.

In den Zahnarztpraxen wird sozusagen in der Höhle des Löwen gearbeitet, denn man geht inzwischen davon aus, dass sich der Corona-Erreger Sars-Cov-2 schon im Rachen Infizierter vermehrt. An erster Stelle stehe die Sicherheit der Patienten und Mitarbeiter, alles Weitere ordne sich diesem Gesichtspunkt unter, sagt Lenke, der auch Ehrenpräsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg ist.

Der vom Robert-Koch-Institut vorgegebene Sicherheitsabstand von 1,5 bis zwei Meter „ist bei der Zahnbehandlung nicht möglich“, stellt er nüchtern fest. „Das bringt uns in einen Konflikt.“

In seiner Praxis verlege man in Absprache mit den Patienten die verschiebbaren Behandlungen auf einen späteren Zeitpunkt. Bei den Patienten sei das Echo hierzu geteilt, die einen würden sich darauf einlassen, die anderen möchten schon begonnene Behandlungen kurzfristig zum Abschluss bringen.

Reduktion der Sprechstunde und in erster Linie Notfallbehandlung in der Vaihinger Praxis

Es obliege dem jeweiligen Praxisinhaber im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben, den Umfang der Behandlungen und die Praxiszeiten festzulegen, sagt der Zahnarzt. Die Zahnmedizinischen Fachangestellten haben laut Lenke nicht die Wahl, sich aus Sorge vor einer Ansteckung gegen die Vorgaben des Chefs zu stellen. „Sie haben einen Beruf ergriffen, bei dem Infektionsrisiko Alltag ist, und haben gelernt, sich sachgerecht zu schützen“, sagt der Vaihinger Zahnarzt.

Auf der Facebook-Seite der VKZ hatte sich kürzlich eine Zahnarzthelferin mit einem Text gemeldet, der von vielen Kolleginnen an die Regierung und Zahnärztekammer gesendet worden sei. Von Mangel an Schutzkleidung ist darin die Rede, vom „Multiplikator Zahnarztpraxis“ auch. Dass der zahnärztliche Betrieb unverändert aufrechterhalten wird, sei unverantwortlich. Eine behördlich angeordnete Schließung der Zahnarztpraxen wird gefordert. Gleichzeitig müsse ein zahnärztlicher Notdienst installiert werden.

Auch manche Zahnärzte vermissen eine klare Anweisung von oben, wie beispielsweise „Die Welt“ berichtet und finden es unverantwortlich und unverständlich, dass der regelhafte Betrieb in Zahnarztpraxen aufrechterhalten werden soll.

„Ich kann einer behördlichen Schließung zustimmen, wenn auch ohne Begeisterung. Die Versorgung von Notfällen muss aber gewährleistet bleiben“, sagt der Vaihinger Zahnarzt hierzu. Als besonders problematisch werden Aerosole angesehen, sozusagen feinste Sprühnebel, die vor allem bei hochfrequenten Bohrungen mit der Turbine entstehen.

In der Vaihinger Zahnarztpraxis von Udo Lenke finden zurzeit in erster Linie Notfallbehandlungen statt, die Sprechzeiten sind zunächst um 50 Prozent reduziert und falls gewünscht, würde auch die jährliche Kontrolle erfolgen. Durch die Reduktion der Sprechstunde soll die Anzahl der Kontakte als Schutz für das Personal verringert werden, sagt der Praxis-Chef.

Doch davon könne eine Praxis nicht leben, man sei ein kleines Unternehmen und unterliege den wirtschaftlichen und unternehmerischen Gesetzen. „Der Ausfall durch die Corona-Krise stellt eine hohe Belastung für die Praxen dar, manche können das nicht schultern. Ich wünsche mir eine finanzielle Unterstützung der Zahnarztpraxen, wie sie für andere Kleinunternehmen auch angeboten wird“, sagt Lenke. Auf VKZ-Nachfrage beim Wirtschaftsministerium in Stuttgart zu dieser Thematik heißt es, dass auch Zahnarztpraxen Corona-Soforthilfe beantragen können, sofern der Zahnarzt einen Liquiditätsengpass bestätigen könne. „Eine drohende Schließung der Praxis wäre beispielsweise ein solches Argument“, lässt Pressesprecher Marius Ritter vom Ministerium wissen.

Lenke hofft, dass die Ankündigung Lieferung weiterer Schutzausrüstung bald erfüllt wird

Angst vor einer Ansteckung hat Zahnmediziner Udo Lenke „gar nicht, weil ich alle Schutzmaßnahmen sorgfältig beachte“. Schon an der Tür zur Praxis werden die Patienten darauf aufmerksam gemacht, dass zum Beispiel bei Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall oder bei Anzeichen einer Coronavirus-Infektion zunächst telefonisch Kontakt mit der Praxis aufgenommen werden soll.

Auch bei der Anamnese, der Erhebung der Krankengeschichte nach Angaben des Patienten, werde das Risiko für eine mögliche Infektion abgeklopft. „Die Patienten sind sehr aufgeschlossen, sie wollen sich schützen“, sagt Lenke. Die Instrumente werden sterilisiert, die Flächen desinfiziert, das seien Grundsätze, an denen sich nichts geändert habe. Bei Verdacht auf oder einem bestätigten Fall von Covid-19 werden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Die Patienten erhielten beispielsweise gleich eine Schutzmaske und würden in einem separaten Raum warten. Schutzkleidung fürs Personal sei vorrätig da, „allerdings nicht in größeren Mengen“, sagt Lenke. Er hoffe darauf, dass, wenn die Pandemie weiter zunimmt, das Sozialministerium seine Ankündigung weiterer Lieferung von Schutzausrüstung bald erfüllt. Bislang habe er weder einen Corona- noch einen solchen Verdachtsfall behandelt, so Lenke.

Falls bei jemandem derzeit die jährliche Kontrolle anstehe, so empfiehlt Zahnmediziner Lenke, diese schon wahrzunehmen, um festzustellen, ob eine Behandlung notwendig ist. Falls ja, könne besprochen werden, ob diese dringend ist oder verschoben werden kann. Werde zum Beispiel ein größerer Kariesherd nicht zeitnah behandelt, könne das dem Zahn schwer schaden. „Das würde ich gerne verhindern“, sagt der Zahnarzt.

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