Aufstehen und mitklatschen in der Kirche

Mit einem besonderen Gottesdienst endet die VKZ-Weihnachtsaktion – Brenzband läutet in Vaihingen ihr musikalisches Jahr ein

Von Sabine Rücker und Uwe Bögel Erstellt: 9. Januar 2018
Aufstehen und mitklatschen in der Kirche Die Brenzband sorgt für Stimmung in der fast vollbesetzten Vaihinger Stadtkirche. Foto: Rücker

Die Vaihinger Stadtkirche war am Sonntag proppenvoll. „Wie zu Weihnachten“, freute sich Dekan Reiner Zeyher. Der Publikumsmagnet war dabei die Brenzband. Mit dem besonderen Gottesdienst endete auch die VKZ-Weihnachtsaktion zugunsten der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker.

Vaihingen. Im Gottesdienst könne der Evergreen „Marina“ eher nicht zu Gehör gebracht werden, machte Schuldekan i. R. Gerhard Ruhl am Sonntag in der Vaihinger Stadtkirche deutlich. Doch die rund 700 Besucher des besonderen Gottesdienstes kamen durchaus noch in den Genuss des Gassenhauers, denn die Brenzband, deren Bassist Ruhl ist, war zu Gast. Zum 14. Mal startete die Formation aus behinderten und nicht behinderten Musikern im Gotteshaus unterm Kaltenstein in ihr musikalisches Jahr, das in der Regel rund 25 Auftritte umfasst. Musikalisch wurde der Gottesdienst desweiteren vom Bläserkreis Vaihingen umrahmt, die Liturgie wurde von Dekan Reiner Zeyher und den behinderten Bandmitgliedern Salvatore Pugliese und Harald Schmid gestaltet.

In seiner Predigt sprach Gerhard Ruhl zunächst die Konfirmanden an, wie sie vielleicht auf dem Speicher noch Feldpostbriefe vom Großvater oder Urgroßvater finden und wie diese Botschaften vergangener Zeiten berühren können. So gebe es auch Texte der Bibel, „da spürt man, da ist etwas dran, das berührt mich sofort“, führte Ruhl weiter aus. Bei anderen biblischen Texten wiederum falle es schwerer, die Verbindung zum Jetzt und Heute zu ergründen. Hierbei gelte es immer, die Schriften in ihrem damaligen Kontext zu verstehen. Ein fundamentalistisch naiver Umgang mit der Bibel versperre den Weg zur biblischen Botschaft in der Gegenwart. „Das heißt, man hält Menschen vom Glauben ab. Das ist das Schlimme“, mahnte Ruhl und verdeutlichte dies an Beispielen. Ob man einer Gesellschaft das Prädikat menschlich/christlich zuordnen könne, werde man in einfachster Weise daran messen können, wie sie mit ihren armen, alten, kranken, behinderten, am Rande stehenden Menschen umgeht, betonte Ruhl in seiner Predigt. Und dazu gehöre in diesen Tagen auch die Frage im Umgang mit homophilen Menschen. Ruhl: „Ich bin davon überzeugt, dass wir gut daran tun, wenn wir Gott auch bei diesen Partnerschaften um seinen Segen bitten, wo ich davon ausgehe, dass verantwortlich mit Liebe und Sexualität umgegangen wird.“

Ein weiter Blick, Starke und Schwache, Reiche und Arme, Gesunde und Kranke, die zusammengehören, das mache das Besondere des Christentums aus. Freie und Schuldbeladene, Kluge und Einfältige, bei Gott gebe es da kein oben und unten. „Vielleicht macht dies auch das Besondere aus, was ich mit dieser Brenzband erlebe, sie scheuen die Berührung mit anderen nicht“, sagte Ruhl. Vielleicht sei so eine Begegnung auch wichtig, sich darüber klar zu werden, nicht immer großartig sein zu wollen.

Im Nachspiel griffen die Brenzbandmitglieder noch einmal zu ihren Instrumenten, trugen die Freude der Musik zu den Kirchenbänken, auf denen es bald keinen mehr hielt. Stehend klatschten die Gottesdienstbesucher im Rhythmus, den die Band vorgab, und nicht nur bei „Marina“ und „Muss i denn“ wurden Textpassagen gerne mitgesungen.

Das Opfer des Gottesdienstes war für die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker bestimmt, deren 50-jähriges Bestehen die Kirchengemeinde, die Bläser und die Brenzband zusammen mit der VKZ-Weihnachtsaktion, die mit diesem besonderen Gottesdienst endete, unterstützten. Gaby Higer, Vorsitzende der Lebenshilfe, hatte zuvor die Einrichtungen und Dienste der Selbsthilfeorganisation vorgestellt und deutlich gemacht, dass Spenden für viele Angebote der Lebenshilfe unabdingbar seien. Das Opfer von Sonntag beträgt 2017 Euro. Der Betrag kommt der Lebenshilfe zugute.

Damit klettert das Gesamtvolumen der VKZ-Weihnachtsaktion auf 21 802 Euro. Dieses von Lesern und Unternehmen gespendete Geld kommt voll der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker zugute. „Der Vorstand der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker bedankt sich ganz herzlich für diese Aktion und bedankt sich für die Spenden der Leser.“ Nach Angaben von Lebenshilfe-Geschäftsführerin Sandra Sailer haben viele Leute Geld gegeben, die sonst nicht auf der Spenderliste auftauchen oder Mitglieder der Lebenshilfe sind.

Mit dem Geld aus der Spendenaktion kann so beispielsweise der integrative Kindergarten „Blumenwiese“ in Vaihingen sein Spielhaus für den Außenbereich anschaffen, die Bewohner des Kleinglattbacher Wohnheims können bei Ausflügen unterstützt werden. Sailer: „Und die Offenen Hilfen im Vaihinger Spitalhof sind sowieso auf Unterstützung angewiesen und können jeden Euro gut gebrauchen.“

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