Als Bierkapitän auf dem Kreuzfahrtschiff

Der Vaihinger Marcel Tünhof alias DJ Marci sorgt für die musikalische Begleitung von Urlaubsreisenden

Von Michael Banholzer Erstellt: 30. Oktober 2019
Als Bierkapitän auf dem Kreuzfahrtschiff Als DJ Marci sorgt Marcel Tünhof für Stimmung unter den Kreuzfahrtgästen. Hier auf der Aida Blu im Hafen von Venedig. Foto: p

Begonnen hat es mit kleinen Vereinsfeierlichkeiten beim VfB Vaihingen, später veranstaltete Marcel Tünhof Karaoke-Partys in Kneipen und legte bei Hochzeiten die Musik auf. Aus dem Hobby hat der Vaihinger inzwischen seinen Hauptberuf gemacht. Als DJ Marci sorgt er seit vergangenem Jahr auf den großen Kreuzfahrtschiffen der Aida-Gruppe für Stimmung – und bereist dabei nebenbei die ganze Welt.

Vaihingen. „Die Hütte abreißen“ – so bezeichnet es Marcel Tünhof, wenn er auf Partys richtig für Stimmung sorgt. Wie das geht, hat er in jungen Jahren am selben Ort gelernt, wie viele andere Heranwachsende auch: im Urlaub auf Mallorca. Sommer, Sonne und Sangria eben. Den obligatorischen Ballermann-Sound hat Marcel Tünhof dabei ebenfalls aufgesogen und lieben gelernt. Inzwischen verdient er sich sogar seinen Lebensunterhalt damit.

Musik liegt dem 36-Jährigen im Blut: Schon Vater und Großvater waren Schlagzeuger – und auch Marcel Tünhof schwang eine Zeitlang die Drumsticks im Vaihinger Musikverein. „Ich habe immer auch gerne gesungen“, sagt er im Gespräch mit der VKZ. Beim VfB Vaihingen hat er daher vor vielen Jahren nicht nur Fußball gespielt, sondern auch den Diskjockey, wenn gerade einer benötigt wurde. Etwa auf Vereinsfesten. Das habe einfach eine Riesenlaune gemacht, berichtet Tünhof. So sehr, dass er sich eine eigene Karaoke-Anlage zulegte und verschiedenen Kneipen im Umkreis anbot, solche Partys zu veranstalten. 2013 begann der gelernte Versicherungskaufmann mit diesem kleinen Nebenerwerb.

Im Freundeskreis blieb Marcel Tünhofs Unterhaltungstalent ebenfalls nicht unbemerkt. So kam er zu seiner ersten Hochzeit – also als DJ. Auch das machte Spaß und erwies sich darüber hinaus als noch einträglicher als die Kneipen-Gigs. In einer Zeit, in der ihn der Hauptberuf immer weniger befriedigte, erwuchs daher der Gedanke, voll auf das Party-Business umzusatteln. Tünhof bewarb sich deutschlandweit bei einschlägigen Locations. Ein Jahr lang fuhr er zweimal im Monat ins Sauerland, um dort jeweils von Freitag bis Sonntag „die Hütte abzureißen“. Sein Spezialgebiet sind dabei Schlager und Ballermann-Hits. Zum „Bierkapitän“ von Sänger Markus Becker habe er beispielsweise einen eigenen Tanz entwickelt – und die Gesangskarriere ist übrigens auch schon in Planung.

Im Internet stieß er schließlich 2018 auf ein Jobangebot des Kreuzfahrtunternehmens Aida. Dem Vorstellungsgespräch in Hamburg folgte der Zuschlag für eine sechswöchige Tour in den hohen Norden. Marcel Tünhof ließ sich von seinem Arbeitgeber beurlauben und tauschte für diese Zeit Schreibtisch gegen Mischpult: Allerdings entsprach eine Disco auf dem Pooldeck bei minus 19 Grad Celsius nicht so ganz seinen Vorstellungen. Der Traum schien schon fast gestorben, als er ein neues Angebot erhielt: einen Dreimonatsvertrag für eine Kreuzfahrt nach Mauritius, zu den Seychellen und Madagaskar. „Jetzt kommen wir in die richtige Richtung“, dachte er sich.

Seither ist Marcel Tünhof nur noch vergleichsweise selten in Vaihingen. Neun bis zehn Monate im Jahr ist er auf See, lernt immer neue Destinationen kennen: Mal lauten die Ziele Abu Dhabi und Dubai, mal Mittelmeer und Mallorca. Und in zwei Wochen gehe es nach Jamaika, Mexiko und in die Dominikanische Republik. „Tolle Routen“, sagt er begeistert. Pro Fahrt erhalte er einen neuen Vertrag, dazwischen sei er zwei bis drei Wochen daheim. Und auch dort ist er nicht untätig, sondern legt beispielsweise bei der Mallorca-Party des VfB Vaihingen am Samstag (2. November) im Löwensaal der Stadthalle auf. Am vergangenen Wochenende heizte er derweil zusammen mit anderen Entertainern wie Ikke Hüftgold, Lorenz Büffel oder Almklausi bei einem Event im Bamberg ein.

Welche Musik auf dem Schiff zu spielen ist, sei teilweise von der Reederei vorgeben, so Tünhof, der sich den Künstlernamen DJ Marci zugelegt hat. Schließlich gibt es an Bord der großen Schiffe immer mehrere Clubs – sei es die Disco, das Pooldeck oder ein Brauhaus, wo für passende Mucke gesorgt werden muss. Er habe aber auch die Chance, eigene Akzente zu setzen. „Ich kann Dinge testen und daran wachsen.“ Die Arbeitszeiten seien unterschiedlich – je nachdem, wo er aufzulegen habe. In der Regel gehe es aber 21.30 Uhr los und könne bis in die Morgenstunden dauern. Zwischendurch muss aber auch mittags oder zum Frühschoppen eingeheizt werden. Und als Angestellter der Reederei kann er auch zu anderen Diensten herangezogen werden, wenn Personal benötigt wird. Etwa als Helfer, wenn mehrere Tausend Gäste auf einmal einchecken wollen.

Das mache ihm nichts aus, so Tünhof. „Wir sind wie eine große Familie – aus 50 Nationen.“ Für die Crew gebe es eigene Außendecks und Aufenthaltsräume. Langweilig werde es daher nie. Kost und Logis seien gratis. Es sei allerdings nicht für jeden leicht, 24 Stunden am Tag und das sieben Tage die Woche zur Verfügung stehen zu müssen. Viele junge Leute, die einen solchen Job nach der Schule ausprobieren, werfen deshalb bald wieder das Handtuch.

Nicht aber Marcel Tünhof. „Man lernt unheimlich viel“, sagt er. Es seien tolle Erfahrungen, die ihn im Leben weiter brächten.Wenn das Schiff in einem Hafen anlegt, müssten immer 20 Prozent der Besatzung an Bord bleiben – aus Sicherheitsgründen. Jedes Crew-Mitglied muss dafür vor einer Reise ein englischsprachiges Sicherheitstraining absolvieren und bestehen. Schließlich muss jeder Mitarbeiter im Notfall wissen, wie das Schiff, das einer kleinen Stadt mit 6500 Bewohnern gleicht, zu evakuieren ist. Oft genug habe er aber dennoch die Möglichkeit, sich vor Ort umzuschauen. Dafür können sich Mitarbeiter vergünstigt einer Touristen-Gruppe anschließen, auf eigene Faust losziehen oder als Hilfsscout die Ausflügler begleiten. Letzteres bedeute, dass man kleinere Hilfsarbeiten übernehme: etwa die Leute durchzählen und aufpassen, dass niemand verloren geht.

Am meisten berührt habe ihn bislang Madagaskar. So viel Gastfreundlichkeit trotz bitterer Armut habe ihn beeindruckt. In dem Inselstaat, einem der ärmsten Länder der Welt, rückt denn auch für Marcel Tünhof das „Hütteneinreißen“ in den Hintergrund. Über Aida seien Spenden für die Eröffnung einer Schule gesammelt worden. „Das war ein einschneidendes Erlebnis.“

Für die Mallorca-Party des VfB Vaihingen mit DJ Marci am Samstag (2. November) ab 20 Uhr im Löwensaal gibt es Karten für sechs Euro im VfB-Vereinsheim, in der Drehscheibe am Vaihinger Bahnhof sowie als Restposten an der Abendkasse.

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