Pandemie bremst die Frühchenhilfe

Im Kreis leistet der Verein Aufwind – Bunter Kreis Ludwigsburg wichtige kostenlose Unterstützung für Familien mit chronisch kranken Kindern und Jugendlichen. Durch die Corona-Krise brechen aber viele Spenden weg. Die Erweiterung des Angebots stockt deshalb.

Von Michael Banholzer Erstellt: 6. Dezember 2021
Pandemie bremst die Frühchenhilfe Die Unterstützung von Familien mit zu früh geborenen oder kranken Kindern konnte Aufwind bislang trotz Corona gewährleisten. Fotos: p

Ludwigsburg. Die Freude währte nur kurz: Im vergangenen Jahr hatte es der Verein Aufwind – Bunter Kreis Ludwigsburg ins Finale der Ferry-Porsche-Challenge und schließlich tatsächlich auf den ersten Platz geschafft (die VKZ berichtete). Doch nahezu gleichzeitig schlug in ganz Deutschland die Corona-Pandemie erstmals mit Wucht zu und brachte nicht nur das soziale Leben zum Erliegen, sondern auch viele Menschen und Firmen in wirtschaftliche Schieflage. Die Folge: keine Veranstaltungen, bei denen man Erlöse erzielen kann, und ein sinkendes Spendenaufkommen.

Es dürfte kaum einen Verein geben, der unter dieser Situation nicht zu leiden hat. Bei Aufwind wiegt dies allerdings umso schwerer, da es hier nicht um Hobbys oder Freizeitgestaltung geht, sondern um die Gesundheit von Kindern. Der Verein betreut pro Jahr zwischen 80 und 100 Familien im ganzen Landkreis Ludwigsburg, die mit zu früh geborenen oder chronisch kranken Kindern nach dem Klinikaufenthalt wieder in den Alltag zurückkehren. Die Ehrenamtlichen helfen den Eltern, alles zu organisieren und passende Therapeuten oder Pflegedienste zu finden. Die Kosten übernehmen zu einem Teil die Krankenkassen, den Rest leistet der Verein auf der Basis von Spenden.

In der andauernden Krisensituation hätten viele Hilfsorganisationen ihr Angebot deshalb inzwischen zurückfahren müssen, sagt Markus Stammberger, der seit drei Jahren zusammen mit seiner Frau Sandra als Schirmherr für Aufwind fungiert und sich vor allem der Spendenakquise widmet, im Gespräch mit der VKZ. Auch bei Aufwind sei das Spendenaufkommen um gut 50 Prozent eingebrochen. Nur dank des Preisgeldes von 100 000 Euro aus der Ferry-Porsche-Challenge seien dem Verein Aufwind ähnliche Sorgen bislang erspart geblieben.

Ursprünglich sollte das Geld allerdings nicht in den laufenden Betrieb fließen, sondern dem Ausbau der Angebote dienen, wie Amelie Hallmann erklärt. Die ausgebildete Kinderkrankenschwester ist als sogenannte Case Managerin die einzige hauptberufliche Kraft des Vereins, der unter dem Dach des Ludwigsburger Klinikums firmiert. Alle anderen Mitarbeitenden tun dies in Teilzeit oder Ehrenamt. Mit dem Preisgeld wollte der Verein eigentlich eine Elternschule aufbauen. Es sollte ein Ort sein, wo betroffene Eltern in Kontakt mit anderen Familien kommen können und sehen: „Wir sind nicht alleine.“ Angesichts der Situation im Krankenhaus sei daran aber im Moment gar nicht zu denken. Derzeit habe daher die ambulante Betreuung der Familien Vorrang.

„Wir überlegen uns jeden Tag genau, ob es richtig ist, Hausbesuche zu machen“, berichtet Hallmann. Viele Fragen, beispielsweise solche, die sich bei bürokratischen Dingen wie dem Stellen von Anträgen ergeben, ließen sich auch telefonisch oder online erledigen. Sie habe auch Videoanleitungen aufgenommen, die den Vorteil hätten, dass sich die Eltern diese wiederholt anschauen könnten. Manche Probleme müssten aber trotzdem vor Ort geklärt werden. Das sei auch insofern wichtig, als die Betreuerinnen oft ein wichtiger sozialer Kontakt für die Familien seien. Denn mit einem kranken Kind hätten viele nicht mehr die Möglichkeit, sich mit Freunden oder Bekannten zu treffen. Corona habe diese Menschen ganz besonders hart getroffen und verunsichert. Aufwind müsse daher flexibel sein und sich neue Lösungen überlegen, sieht Amelie Hallmann in der Krise sogar etwas Positives. Umso wichtiger sei es, dass die Finanzierung der Betreuung weiter gewährleistet sei. Im Durchschnitt koste die Unterstützung einer einzigen Familie über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten etwa 1000 Euro, erklärt Markus Stammberger. Rund 50 Prozent davon muss der Verein selbst aufbringen. Niemand müsse befürchten, dass die Unterstützung aus finanziellen Gründen abgebrochen werde. „Und niemand wird von Aufwind eine Rechnung erhalten.“ Die Betreuung werde weiterhin geleistet, solange sie nötig sei, verspricht der Schirmherr.

Hallmann und Stammberger hoffen, dass im nächsten Jahr wieder Veranstaltungen möglich sein werden. So steht beispielsweise der 75. Geburtstag der Kinderklinik an. Und auch die Tour Ginkgo, bei der im vergangenen Jahr im ganzen Landkreis Ludwigsburg Spenden für Aufwind gesammelt werden sollten, könnte im Sommer nachgeholt werden. Als Inhaber von Brillen Mosqua in Ludwigsburg verfügt der Schirmherr zwar über ein großes Netzwerk potenzieller Spender. Doch er wisse um die schwierige Situation vieler Firmen, sodass momentan beim Spendensammeln eher Zurückhaltung geboten sei. Helfen kann man aber auch auf andere Weise: Das Stadtmagazin „Hallo Ludwigsburg“ wollte auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt Wimmelbücher und -puzzle verkaufen und einen Teil des Erlöses Aufwind zukommen lassen. Nach der Absage des Weihnachtsmarktes wurde als Alternative der Verkauf unter anderem im Geschäft von Markus Stammberger organisiert. Wer helfen wolle, der könne sicher sein, dass das Geld einem guten Zweck zugute komme, betont Stammberger und verweist auf die „schlanken Strukturen“ des Vereins. Es handele sich um ein „tolles Team“ aus Fachkräften um Amelie Hallmann und um den neuen ersten Vorsitzenden des Vereins, Prof. Dr. Jochen Meyburg – selbst Chefarzt der Kinderklinik. „Der Job macht allen Spaß, weil man damit helfen kann“, sagt Hallmann.

Nun bleibt allen Verantwortlichen noch die Hoffnung, dass sich die Familien im nächsten Jahr endlich auch wieder zu ihrem gemeinsamen Fest treffen können. 2020 hatte es ausfallen müssen, dieses Mal fand es nur in digitaler Form statt. Das Fest im Klinikum sei vielen Eltern sehr wichtig: um Danke zu sagen und um zu zeigen, wie toll sich ihre Kinder entwickelt haben.

Die Wimmelbücher und Wimmelpuzzle des Stadtmagazins „Hallo Ludwigsburg“ sind ab heute in begrenzter Stückzahl bei Brillen Mosqua in Ludwigsburg und bei Proksch Floristik in Ingersheim erhältlich. Für Mitarbeitende und Patienten der RKH-Kliniken gibt es sie auch im Markt-Café in Ludwigsburg zu kaufen. Für jeden verkauften Artikel gehen fünf Euro an den Verein Aufwind. Weitere Informationen gibt es im Internet: aufwind-ludwigsburg.de.

Weiterlesen

Alltägliches in einem besonderen Licht

Drucken Mühlacker. Es hätte schlimmer kommen können, doch bei Heinrich del Core gilt: „Glück g’habt!“ Und so heißt denn auch sein Programm, mit dem er im Uhlandbau Mühlacker gastierte. Mit selbigem trat er auch im Congress-Centrum Pforzheim auf.... »