Einst die Integrationsfigur des neu gebildeten Enzkreises

Alt-Landrat Dr. Heinz Reichert stirbt am Samstag im Alter von 88 Jahren. Bastian Rosenau würdigt die Verdienste seines Vorgängers.

Erstellt: 16. März 2021
Einst die Integrationsfigur des neu gebildeten Enzkreises Dr. Heinz Reichert ist tot. Foto: LE

Enzkreis/Vaihingen (LE). Im Alter von 88 Jahren ist Dr. Heinz Reichert, der erste Landrat des Enzkreises, am vergangenen Samstag in Pforzheim verstorben. „Wir müssen Abschied nehmen von einem Mann, dessen Lebenswerk uns mit Hochachtung und tiefer Dankbarkeit erfüllt“, würdigte der amtierende Kreischef Bastian Rosenau den Verstorbenen. Nicht nur der Enzkreis, auch zahlreiche andere Institutionen hätten ihm und seinem politischen Gespür, seinem großen sozialen Einsatz, seinem kulturellen Wirken und seiner kreativen Energie viel zu verdanken. „Der Enzkreis verliert mit Dr. Reichert eine in vielerlei Hinsicht hoch geschätzte Persönlichkeit und einen Freund der Menschen, der alle, die ihn kannten, mit seiner Kompetenz und Geradlinigkeit, aber auch seiner Zugewandtheit und seinem feinen Humor beeindruckte“, so Rosenau weiter. „Doch wichtiger als alle zählbaren Ergebnisse seiner Arbeit war ihm das Miteinander – Menschlichkeit hatte für ihn oberste Priorität.“

1972 zunächst als Amtsverweser, ab 1973 dann als erster Landrat des in den unruhigen Zeiten der Kreisreform neu geschaffenen Enzkreises schuf Dr. Reichert die Basis einer bis zum heutigen Tag erfolgreichen Entwicklung des Kreises. „Er war über zwei Jahrzehnte die Integrationsfigur eines Landkreises, der unter seinem Dach schwäbische und badische Orte zu einer Einheit verschmelzen musste“, beschreibt Rosenau dessen Rolle. Oder wie es Reichert selbst einmal ausdrückte: „Man hat mir einen Anzug hingelegt, der vielleicht ein paar Nummern zu groß ist. Aber ich werde mich mühen, hineinzuwachsen“ – und das ist ihm laut Rosenau in seiner Amtszeit zweifellos gelungen: „Auf der von ihm gelegten soliden Basis konnten meine beiden Vorgänger, Werner Burckhart und Karl Röckinger, und ich gut aufbauen.“

Als „Mann der ersten Stunde“ habe Heinz Reichert vor allem bei der Formung des Enzkreises kreispolitische Aufbauarbeit erster Güte geleistet, dabei immer das Verbindende gesucht und die Selbstverwaltung der Kreisgemeinden geachtet und gefördert; nicht selten sprach er – gleichermaßen ehrfurchts- wie vertrauensvoll – von „seinen Bürgermeistern“. Sie und die Mitglieder des Kreistags waren ihm wichtige Partner.

„Mit Weitblick, politischem Gespür und dem Mut zu Gestaltung und Veränderung hat Dr. Reichert in den mehr als zwei Jahrzehnten seiner Amtszeit das Leben in der Region durch zahlreiche richtungsweisende Entscheidungen geprägt“, so Rosenau weiter. „Größtes Anliegen war ihm die Schaffung eines stabilen sozialen Netzes für Menschen mit Behinderungen, für Alte, Schwache und Familien. Für deren Belange engagierte er sich im Kreis, auf Bundes- und Landesebene, aber auch im Ehrenamt – und zwar so erfolgreich, dass der Enzkreis bereits sehr früh in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle übernahm.“ Als Beispiele nennt Rosenau das Modellprojekt „Orte für Familien“, die Einrichtung zahlreicher sozialer Beratungsstellen, die gemeindenahe Altenhilfe, auch die Biotopvernetzung, eine umweltgerechte Abfallwirtschaft und der Aufbau einer imposanten Sammlung zeitgenössischer Kunst – „Reichert war eben immer mehr Gestalter als Verwalter“.

Schon während seiner aktiven Zeit, aber auch noch nach seinem Abschied aus dem Landratsamt im Jahr 1995 hörte Dr. Reichert nicht auf, sich für Anliegen und Menschen einzusetzen, die Unterstützung nötig haben. In vielfältiger Weise war er daher in exponierten Ehrenämtern und Posten aktiv, insbesondere 34 Jahre lang im Vorstand der Lebenshilfe Pforzheim-Enzkreis (davon zehn Jahre als deren Vorsitzender), darüber hinaus bei der Sparkasse Pforzheim, beim Regionalverband Nordschwarzwald, beim Landkreistag Baden-Württemberg und dem Landeswohlfahrtsverband – um nur ein paar Beispiele zu nennen. In Würdigung seiner zahlreichen Verdienste wurde ihm 1995 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

„Dr. Reichert hat vielen Menschen eine Perspektive gegeben und dabei nie Aufhebens um seine eigene Person gemacht“, betont Rosenau. Dabei habe der gebürtige Heilbronner und Vater dreier Söhne eine durchaus eindrucksvolle Karriere hinter sich: Als promovierter Jurist führte ihn sein beruflicher Weg zunächst als Regierungsassessor an das Landratsamt Waiblingen, bevor er 1966 zum Ersten Landesbeamten beim damaligen Landkreis Vaihingen aufstieg. Aus dieser Position heraus wurde er im September 1972 zum Amtsverweser des Enzkreises und 1973 schließlich zum ersten Kreischef gewählt. In den Jahren 1981 und 1989 wurde er in diesem Amt bestätigt.

„Die Vielfalt ist am Enzkreis das Schönste“, hat Dr. Reichert einmal mit dem für ihn typischen verschmitzten Lächeln gesagt. Eines ist sicher: „Sein“ Kreis wird sich seiner vielfältigen Verdienste noch lange dankbar erinnern.

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