Ein unbeliebter Pfarrer sorgt für Zoff in Ochsenbach

Die „Mörin“ des Vereins für Heimatgeschichte befasst sich mit einer Schmähschrift

Erstellt: 5. August 2019
Ein unbeliebter Pfarrer  sorgt für Zoff in Ochsenbach Die Ochsenbacher Pfarrtafel. Pfarrer Faber wird als Nummer 8 erwähnt.

Die aktuelle „Mörin“ des Vereins für Heimatgeschichte Sachsenheim befasst sich mit einer Schmähschrift, die in
Ochsenbach im Jahr 1623 eine Lawine auslöste.

Ochsenbach (ist). Wer denkt, dass Mobbing ein Gegenwartsphänomen ist, der irrt sich. Und wer davon ausgeht, dass nur heutzutage die Anonymität des Netzes Menschen die Möglichkeit gibt, ihre Aggressionen in vollen Zügen auszuleben, ist ebenfalls getäuscht. Schon Jahrhunderte zuvor wurden Menschen Opfer und Ausrichter von Psychoterror. Das beweist ein sogenanntes „Pasquill“, eine Spottschrift, auf die Paul Schmid in Ochsenbach gestoßen ist und die in der neuen „Mörin“ thematisiert wird. Das „Pasquill“ richtet sich gegen eine „Respektperson“, den Ochsenbacher Ortspfarrer im Jahr 1623 und spiegelt das damalige Dorfleben wider.

In der Nacht vom 5. auf 6. September 1623 erhielt Pfarrer Christoph Faber einen anonymen Zettel mit Beleidigungen. Der Vorgang wiederholte sich am 28. Oktober desselben Jahres. Dieses Mal hinterließ der Unbekannte aber keinen Zettel, sondern schrieb die Beleidigungen direkt mit Kreide auf des Pfarrers Haustür. Die Verbreitung sogenannter „Pasquillen“, das sind Schandschriften, die Unbekannte verfassten, war bereits im 16. Jahrhundert in Mode gekommen. Der Name „Pasquille“lässt sich von einem römischen Schuster namens Pasquino herleiten, der durch seinen Spötteleien das Publikum unterhielt.

Bis es jedoch soweit kam, dass der Pfarrer Empfänger dieser Beleidigungen wurde, passierten gewisse Dinge, die dazu führten, dass er an Beliebtheit verlor. Er lieh sich Gegenstände aus, die er nicht zurückgab und entlohnte seine Helfer nicht. Außerdem trank er gern und viel Wein und hielt unvorbereitet Predigten. Die Kirchengänger bezeichnete er als „Dummköpfe“, „taube Hunde“ oder „Narren“.

Aber nicht nur Kirchengänger hatten es mit dem Pfarrer schwer, auch das Personal der Kirche machte vieles mit. Der Ochsenbacher Dorfschmied Christoph (Stoffel) Zoller, der zugleich Kirchenpfleger war und mit dem Pfarrer eng zusammenarbeitete, wurde eines Tages so stark von ihm angegangen, dass er noch während der Predigt die Kirche verlassen musste.

Von da an galt er als Hauptfeind des Pfarrers. Aus diesem Grund ging Faber davon aus, dass Zoller etwas mit den Schmähschriften zu tun hatte. Weil der Kirchenpfleger aber an beiden Tatnächten Nachtwache hatte, verdächtigte Faber dessen Familie. Schultheiß-Amtsverwalter Mockh war nicht besonders motiviert, gegen die Familie von Zoller zu ermitteln. Das löste den Zorn des Pfarrer aus, er ließ nicht locker und alarmierte daraufhin den Vogt zu Güglingen. Dieser sollte nun ermitteln und den Schuldigen bestrafen.

Der Schultheiß ließ den Vorwurf der Untätigkeit nicht auf sich sitzen und der Rat versuchte Faber loszuwerden. Die Verwaltung verfasste eine Schrift mit 20 Punkten gegen den Pfarrer und legte sie dem Vogt in Güglingen vor. Die „Mörin“ führt jeden einzelnen Vorwurf auf.

Der Vogt gab dem Pfarrer die Möglichkeit, Stellung dazu zu nehmen. Daraufhin verfasste Faber seinerseits auch eine Klageschrift. Die richtete sich gegen Schultheiß und Gericht, den Dekan in Güglingen, den Boten des Dekans in Güglingen und den Schreiber des Güglinger Vogts. Nun war die Kirchenverwaltung für den Fall zuständig, hochrangige Kirchenräte des Herzoglichen Rats untersuchten den Fall und überprüften die Qualifikation des Pfarrers.

Letztendlich wurde der Pfarrer am 9. Oktober 1624 in den Schuldienst versetzt, da er nicht mehr im Amt als Pfarrer zu Ochsenbach belassen werden konnte. Nach zwei Jahren erhielt er jedoch die Pfarrei in Holzheim bei Göppingen. Die Söhne Zollers wurden verhört. Der zehnjährige Michel Zoller bestätigte, dass die Schrift die seines Bruders sei. Später nahm er diese Aussage zurück. Sein Vater musste acht Tage ins Gefängnis, dessen Frau drei. Der Bote des Dekans erhielt eine Gefängisstrafe, der Dekan wurde ermahnt.

Das 96. Heft der „Mörin“ ist im Stadtmuseum Sachsenheim und bei der Firma Bader zum Preis von vier Euro erhältlich.

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