Arijan sucht am Samstag seinen Helden

Stammzellenspende ist einzige Überlebenschance – Öffentliche Registrierungsaktion im Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim

Erstellt: 12. März 2019
Arijan sucht am Samstag seinen Helden Bettina, Ilirjan, Nahide und Arijan Bojku (von links) sind trotz des herben Schicksalschlages gut gelaunt. Der krebskranke Arijan ist auf der Suche nach einem Stammzellenspender. Foto: Pangerl

Der siebenjährige Arijan Bojku aus Sachsenheim hat Blutkrebs. Eine Stammzellspende ist seine einzige Überlebenschance. Bislang ist die weltweite Suche nach einem „genetischen Zwilling“ erfolglos. Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kann helfen und sich am Samstag im Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim als potenzieller Stammzellspender bei der DKMS registrieren lassen.

Sachsenheim (ifs). Arijan Bojku strahlt, er hat gerade ein Spielzeugauto geschenkt bekommen. Sein vierjähriger Bruder Ilirjan packt es für ihn aus und überreicht es ihm. Daraufhin zappelt der siebenjährige Arijan fröhlich, küsst ihn auf die Wange und bedankt sich. Später kommt noch der älteste Sohn der Familie dazu, der neunjährige Gent. Sein Blick ist melancholisch. „Ich mag einfach alles an meinem Bruder Arijan“, sagt er. Auch die Tante des siebenjährigen, krebskranken Jungen schwärmt von ihm: „Arijan ist immer glücklich und hat gute Laune. Ich sehe ihn so gut wie nie weinen“, sagt Bettina Bojku. Kaum zu glauben, denn Ende September 2018 bekam der Siebenjährige die Diagnose Blutkrebs. Er ist an akuter lymphatischer Leukämie (kurz ALL) erkrankt. Der Junge braucht dringend einen Stammzellenspender. Aus diesem Grund wird am Samstag eine Registrierungsaktion unter dem Motto „Arijan sucht Helden“ im Foyer des Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasiums stattfinden.

Typische Krebssymptome hatte der Kleine laut seiner Mutter Nahide Bojku keine. Der Krebs wurde eher durch Zufall entdeckt. „Im Sommer erkrankte er an Scharlach.“ Durch eine Blutentnahme kam die lebensbedrohliche Krankheit zum Vorschein. Das war eine Woche nach seiner Einschulung. Die Schule musste er abbrechen. In seinem bisherigen kurzen Leben hat der Junge, der das Down-Syndrom aufweist, schon mehrere Krankenhausbesuche hinter sich. Neben einem Herzfehler, Lungenproblemen und Epilepsie leidet er zusätzlich immer wieder unter Sauerstoffmangel. Er kämpft nicht nur mit Chemotherapien. Über einen Katheter, bekannt als „Port“, der unterhalb Arijans Schlüsselbein eingepflanzt ist, findet seine Antikörpertherapie statt. Der Katheter ermöglicht es, dass Antikörper, die die Krebszellen zerstören, in seinen Körper geraten. Der „Port“ besteht aus einem Kunststoffschlauch, der in der Vene des Patienten liegt. Für die Therapie trägt der Junge einen Rucksack, in dem sich ein Chemobeutel mit dem Antikörperwirkstoff namens Blinatumomab befindet. Ein Monitor, der ebenfalls im Rucksack ist, zeigt an, wie viel Flüssigkeit vom Chemobeutel in Arijans Venen fließt. Sobald das Gerät piepst, heißt es, dass ein neuer Beutel her muss. Den tauschen die Ärzte zweimal pro Woche aus.

Das Immunsystem von Arijan ist recht schwach, daher muss jeder, der mit ihm in Kontakt kommt, Desinfektionsmittel verwenden. Der vierjährige Ilirjan ist geübt darin, die Hände der Besucher mit dem Mittel zu besprühen. Die ganze Familie hat gelernt, mit den Gesundheitsproblemen von Arijan umzugehen. „Irgendwann nimmt man das Piepsen der Geräte nicht mehr wahr“, sagt Nahide Bojku. Dadurch, dass die Mutter der drei Kinder jeden Tag mit ihrem kranken Kind nach Stuttgart zum Olgahospital fährt und dort manchmal sogar den ganzen Tag verbringen muss, fehlt sie ihren zwei anderen Söhnen sehr.

Die verpassten Momente versucht sie mit Videoanrufen nachzuholen. Während der Ältere traurig und ruhig reagiert, kann es auch schon mal vorkommen, „dass der Jüngste plötzlich losbrüllt.“ Die Familienpflegerin Bärbel Röckle unterstützt die Familie, und der Vater der Kinder ist auch für sie da. „Ohne meine Familie könnte ich das nicht alleine durchstehen“, verrät die Mutter, holt ihr Handy und zeigt ein Video, auf dem Arijan im Krankenhaus zu sehen ist. Fröhlich hört er Musik und malt ein Herz. Der größte Wunsch seiner Mutter: „Wir möchten ohne Angst weiterleben und hoffen, irgendwann einen schönen Familienurlaub gemeinsam verbringen zu können.“

Bettina Bojku ergänzt: „Er ist ein richtiger Kämpfer und ist stärker als wir alle. Gehen möchte er ganz bestimmt nicht.“ Für die Registrierungsaktion schaffte sie es in Zusammenarbeit mit der DKMS bereits 70 Helfer zu finden. Jetzt muss nur noch ein geeigneter Stammzellenspender das Leben des Jungen retten.

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