Vom Wunderland ins Möbelhaus

Theater unter der Dauseck startet mit der Probenarbeit für den neuen Theaterspaziergang – Spielort wird Schmid’s Domino in Sachsenheim sein

Von Vera Gergen Erstellt: 17. März 2015
Vom Wunderland ins Möbelhaus Familie Schmid (links) sichert dem TudD-Team für die Realisierung des Theaterspaziergangs in ihrem Möbelhaus ihre volle Unterstützung zu.

„Alice gespiegelt“ heißt die neueste Produktion des Theaters unter der Dauseck Oberriexingen, die am Sonntag im Rahmen einer Kennenlernprobe den Darstellern vorgestellt wurde. Nicht nur der Titel ist ungewöhnlich, auch der Spielort im Möbelhaus Schmid’s Domino in Sachsenheim ist nicht alltäglich und verspricht für den diesjährigen Theaterspaziergang erneut ein ganz besonderes Kulturerlebnis.

Sachsenheim/Oberriexingen. Wie Produktionsleiter Bernd Schlegel verriet, hänge aufgrund der exzeptionellen Erfolge der TudD-Inszenierungen die Messlatte für die Wahl der Themen und des Spielorts jedes Mal ein Stückchen höher. Diesmal habe man zudem den Anspruch gehabt, sich von den historisierenden Umgebungen der letzten Jahre abzuheben. Gleichzeitig hatte Kostüm- und Bühnenbildnerin Judith Philipp die Idee eines Märchens. Denn im Fantasiebereich sei die Ausstattung besonders sinnlich-lustvoll, wie sie bekannte. Schnell sei man sich bei der Besichtigung des Sachsenheimer Möbelhauses einig gewesen, dass das bekannte Kinderbuch „Alice im Wunderland“ und seine Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“ den spannenden Ausgangsstoff für das diesjährige Theaterprojekt bieten könne und man zugleich den idealen Spielort gefunden habe, ergänzte Regisseurin Christine Gnann und erklärte: „Hier spiegelt sich das perfekte Zuhause gleich in mehreren Variationen wider, wie eine Hyperrealität ästhetischer Lebensentwürfe sozusagen. Auch in unserer Fassung flüchtet Alice oder besser gesagt flüchten sechs Alices verschiedener Altersstufen und aus unterschiedlichen Ausgangssituationen von der Realität in eine Phantasiewelt und fragen sich dabei, wie sie ihre eigene Wirklichkeit verändern können.“

Autorin Barbara Schüßler habe beim Schreiben der Bühnentexte sowohl Protagonisten aus der Vorlage von Lewis Carroll übernommen als auch eigene Charaktere geschaffen. So seien rund 30 Figuren entstanden, die teilweise multipliziert würden, um allen Darstellern eine Rolle zu ermöglichen. Dass dabei auch weniger attraktive Räume, wie beispielsweise das Lager, bespielt werden dürften, erhöhe den Reiz und bilde einen wichtigen Kontrast zur perfekt gestylten Ausstellungsfläche, so Gnann weiter.

Für die besondere Herausforderung, den Übergang ins Wunderland mit zahlreichen sprechenden Tieren darzustellen, bediene man sich diesmal eines neuen Genres, erläuterte Judith Philipp und kündigte an, dass man zum einen Dekorationen aus der Ausstellung zum Leben erwecke, weitere Figuren als dunkle Schattenbilder auftreten lasse und sich außerdem dem Puppenspiel bedienen werde. „Diese Poesie ist von reinem Schauspiel nicht zu toppen“, begeisterte sich diesbezüglich Schauspieltrainerin Elif Veyisoglu und betonte, dass die Mimen hierbei ihr eigenes Spiel der Puppe schenken müssten und so ihre Darstelltechnik wie in einem Spiegel gezeigt bekämen.

Und wie ging es den Hausherren bei der Idee, ihr Möbelhaus für mindestens fünf Wochen einer Theaterproduktion zur Verfügung zu stellen – bei fortlaufendem Betrieb wohlgemerkt? Für Martin und Isabel Schmid stand laut eigenem Bekunden bereits nach einer kurzen Familienkonferenz fest: „Das machen wir!“ Schließlich besuche man seit Jahren die außergewöhnlichen Inszenierungen des TudD. Und auch das eigene Geschäftsmotto laute „Das ist doch nicht normal.“ Insofern passe das absolut ins Konzept. Durch die Erfahrung mit eigenen ausgefallenen Events wisse man außerdem in etwa, was bei 120 Zuschauern pro Vorstellung zu erwarten sei, und man wolle gerne zum Gelingen des Theaterspaziergangs beitragen, so die Inhaber einhellig.

Ob dies für alle Akteure gilt, stellte sich in der nachfolgenden Probe in der Oberriexinger Festhalle heraus. Rund 50 Interessierte haben sich um eine Rolle in dem Stück beworben und werden sich – sofern ihnen die Schnupperstunde gefallen hat – als Ensemble in einem sehr intensiven Probenprozess die Inszenierung in den kommenden Monaten bis zur Premiere Anfang Juli erarbeiten. Neben vielen „alten Hasen“ sind dabei zehn bis 15 neue Kandidaten, wie beispielsweise die 15-jährige Gymnasiastin Clara Thomas aus Stuttgart – eine Entdeckung von Schauspieltrainerin Elif Veyisoglu, die mitteilte, dass „Alice im Wunderland“ in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag feiert.

Laut Bernd Schlegel wird die aktuelle Theaterproduktion übrigens durch mehrere Stiftungen gefördert, darunter die Berthold Leibinger Stiftung sowie die Baden-Württemberg Stiftung. Auch der Bund Deutscher Amateurtheater zeigte sich bereits von der generationenübergreifenden Projektidee überzeugt und hat das Theater unter der Dauseck mit der „amarena-Innovationsförderung 2015“ bedacht.

Die Termine im Überblick: 1. Juli: Öffentliche Hauptprobe (Karten exklusiv bei Schmid’s Domino). Aufführungen: 3., 4., 5., 10., 11., 12., 17., 18., 19., 24., 25., 26. und 31. Juli sowie 1. und 2. August. Kartenvorverkauf: www.theater-dauseck.de oder per Kartentelefon 0 71 41 / 9 39 09 36 und beim Möbelhaus Schmid’s Domino, Sachsenheim.

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