Fünf Feuerwehrleute erkranken nach Ischgl-Besuch

Bei traditioneller Dreitagesfahrt noch kein Risikogebiet – Auf dem Weg der Genesung – Gemeinsame Erklärung von Bürgermeister und Kommandant

Erstellt: 24. März 2020
Fünf Feuerwehrleute erkranken nach Ischgl-Besuch Trotz der Freistellung von zwölf Feuerwehrangehörigen bleibt die Oberriexinger Wehr einsatzfähig. Foto: Bögel

Fünf Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Oberriexingen sind am Coronavirus erkrankt. Das sagen Bürgermeister Frank Wittendorfer und Feuerwehrkommandant Tobias Grieble in einer gemeinsamen Erklärung. Alle Erkrankten seien aber auf dem Weg der Besserung, keiner musste ins Krankenhaus. Wittendorfer will den Krankheitsverlauf aber nicht verharmlosen: „Da sind gestandene Feuerwehrleute teilweise richtig flach gelegen.“

Oberriexingen (ub). „Wir wenden uns heute bewusst als Bürgermeister und als Feuerwehrkommandant an die Öffentlichkeit, um Fakten zu schaffen, um die betroffenen Familien der Erkrankten zu schützen, um Sorgen entgegenzutreten und um sehr wilden Gerüchten vorzubeugen, die seit einigen Tagen im Ort umhergehen“, heißt es in der am späten Sonntagabend veröffentlichten Mitteilung aus dem Oberriexinger Rathaus. Fünf Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sind am neuartigen Coronavirus erkrankt (ein sechster Fall wurde nicht positiv getestet). Insgesamt gibt es acht bestätigte Corona-Fälle in Oberriexingen – Stand gestern Nachmittag.

Damit wird auch klar, wieso Bürgermeister Wittendorfer bereits am Montag, 16. März, die Schule und den Kindergarten schließen ließ. „Wir mussten radikal handeln, nachdem die entsprechenden Rückschlüsse gezogen worden sind“, sagt Wittendorfer im VKZ-Gespräch.

Eine Reisegruppe bestehend aus zwölf Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr und einer weiteren Person aus einem anderen Landkreis war vom 7. bis 9. März auch dieses Jahr wieder zur traditionellen gemeinsamen Skiausfahrt in Ischgl in Tirol (Österreich). Seit vielen Jahren gehört die Dreitagesfahrt zum festen Terminplan der Feuerwehr.

Die Gemeinde Ischgl beziehungsweise die österreichischen Behörden hatten zu diesem Zeitpunkt noch keinen bestätigten Covid-19-Fall offiziell bekannt gegeben, ebenso war das österreichische Bundesland Tirol vom Robert-Koch-Institut noch nicht zum Risikogebiet für deutsche Reisende erklärt worden. Im Vorfeld hatte man sich auf Seiten der Oberriexinger Reisegruppe sehr wohl erkundigt, ob Ischgl in Tirol ein Coronavirus-Risikogebiet sei und ob es dort gemeldete Infektionsfälle gäbe, was zum Zeitpunkt der Hinreise nicht der Fall war – weshalb man seitens der Oberriexinger Reisegruppe nicht leichtsinnig oder verantwortungslos dorthin gefahren ist.

„Ansonsten wäre man natürlich nicht nach Ischgl gereist und hätte den Ausflug selbstverständlich kurzfristig abgesagt“, heißt es in der Erklärung von Wittendorfer und Grieble.

In den letzten Tagen wurde durch die Medien bekannt, dass die dortigen österreichischen Behörden wohl offensichtlich viel zu lange mit der Schließung des gesamten Ski- und Gastronomiebetriebes zugewartet hatten, so dass sich etliche Menschen aus ganz Europa in Ischgl mit dem Coronavirus unwissentlich infizierten und mit in die Heimat brachten – insgesamt wurde das eine letzte Wochenende von der Gemeinde Ischgl und den dortigen Betrieben „wohl noch mitgenommen, um eine geordnete Abreise der Gäste zu ermöglichen und keine Panik zu schüren“. Gleichzeitig wurde aber aus Sicht von Oberriexingen im Nachhinein gesehen, von den Verantwortlichen in Ischgl ebenso billigend in Kauf genommen, dass Tages- oder Kurzzeittouristen genau über dieses Wochenende noch nach Ischgl reisten und sich der höheren Infektionsgefahr aussetzten. Inzwischen sind über die Medien viele weitere Fälle von Reisegruppen bekannt, bei denen sich Reisende mit dem Coronavirus infizierten. Am 10. März wurden die ersten Gastronomiebetriebe in Ischgl geschlossen und später die komplette Quarantäne des Paznauntals verhängt, was wiederum auch für die dortige gesamte österreichische Wintertourismusbranche mit den vielen Arbeitsplätzen einen riesigen wirtschaftlichen, finanziellen und emotionalen Schaden verursacht – vom Imageschaden ganz zu schweigen.

„Das alles geschah leider viel zu spät für einige unserer Oberriexinger Reiseteilnehmer“, so Wittendorfer und Grieble.

Die Ski-Ausfahrt der Oberriexinger Reisegruppe hatte wie in jedem Jahr kameradschaftlichen Charakter und die Reisegruppe durfte zunächst drei schöne Tage in Tirol erleben. Am Tag der Heimreise wurden dann in den Medien die ersten Fälle von Covid-19 für Ischgl gemeldet. Eine bestimmte Bar und der Zusammenhang mit sechs infizierten dortigen Gästen wurden in den Medien genannt. Da die Oberriexinger Reisegruppe diese Bar in Ischgl nicht besucht hatte, war man zwar informiert, aber noch nicht zu besorgt.

Oberriexinger waren nicht in der berüchtigten Bar

Zurück in Oberriexingen ging es allen Reiseteilnehmern soweit noch gut. Dieser Zustand änderte sich dann für einen Teil der Reisegruppe binnen der darauffolgenden Tage rasant, da bei insgesamt sechs von 13 Reiseteilnehmern grippeähnliche Symptome unterschiedlichster Art nach und nach auftraten.

Durch eine frühzeitige Testung eines erkrankten Reiseteilnehmers hatte man bereits am Freitag, 13. März, die beunruhigende Gewissheit, dass sich zumindest dieser eine Reiseteilnehmer mit dem Coronavirus infiziert hatte – woraufhin ein Rückschluss auf den Reiseort und die weiteren erkrankten Reiseteilnehmer sofort möglich wurde. Noch an diesem Tag wurde Ischgl und sogar ganz Tirol abends offiziell zum Risikogebiet erklärt, die Ereignisse überschlugen sich bekanntlich.

Es wurde ebenso vom Gesundheitsamt die sofortige häusliche Quarantäne beziehungsweise persönliche Absonderung/Distanzierung auferlegt und weitere Kontaktpersonen ermittelt und informiert. Alle Mitreisenden wurden umgehend im Laufe des Freitagnachmittags bis zum Abend informiert (je nach persönlicher Erreichbarkeit) und entsprechend den Vorgaben des Gesundheitsamtes gebeten, zu Hause zu bleiben, sich mit ihren Familienangehörigen von Dritten soweit möglich zu isolieren und die bekannten Abstände und Hygieneregeln – alles in Eigenverantwortung – einzuhalten.

Darüber hinaus wurden die gesamten zwölf Oberriexinger Reiseteilnehmer für die vom Gesundheitsamt auferlegten Fristen sofort vom Feuerwehrdienst freigestellt, um die Einsatzfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr nicht durch weitere Infektionen zu gefährden. Insgesamt hat die Oberriexinger Feuerwehr 45 Aktive. Mit der Feuerwehr Sersheim gibt es eine Nachbarschaftshilfe.

Mittlerweile kann man aufgrund der Krankheitsverläufe davon ausgehen, dass sich rund die Hälfte der Oberriexinger Reisegruppe aufgrund der klaren Krankheitsverläufe mit Covid-19 infiziert hat und bis heute zu Hause in der Quarantäne an der Genesung arbeitet, heißt es in der Verlautbarung. Dies bedeutet, dass es unter allen bislang bestätigten Covid-19-Fällen in Oberriexingen nun auch neue, weitere Covid-19-Erkrankungen gibt, die nicht mit der Ischgl-Reisegruppe in Verbindung stehen.

Wittendorfer und Grieble: „Es geht den erkrankten Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr nach über einer Woche mit entsprechenden Symptomen zum Glück wieder deutlich besser, alle kurieren zu Hause ihre Erkrankungen aus oder sind schon wieder symptomfrei.“ Der Rest der Reisegruppe sei glücklicherweise weiterhin ohne Symptome und somit in den nächsten Tagen, nach Ablauf der 14 Tage, wieder frei von sämtlichen Auflagen des Gesundheitsamtes.

Zum Abschluss der Presseinformation heißt es: „Wir bitten um Ihr Verständnis, von weiteren Spekulationen im Ort nun abzusehen und das Coronavirus sehr, sehr ernst zu nehmen!“

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