Wirte auf Distanz zu ihren Gästen

Restaurants dürfen ab Montag wieder öffnen, aber es müssen viele Vorschriften zu Hygiene und Abständen beachtet werden. Wer essen gehen will, muss auf jeden Fall vorher reservieren und eine Mund-Nasen-Bedeckung mitbringen.

Von Ralph Küppers Erstellt: 16. Mai 2020
Wirte auf Distanz zu ihren Gästen Platz für wenig Gäste: Während auf den Tischen schon die Einmal-Sets bereitliegen, trägt im Werschemer Lamm der Wirt Thomas Hess weitere Tische aus dem Gastraum. Foto: Küppers

Vaihingen. Wenn ab Montag Restaurants einschließlich ihrer Außenbewirtschaftung wieder öffnen dürfen, sind längst nicht alle Wirte aus der Region gleich mit am Start. Und wer sich entschlossen hat, während der Covid-19-Pandemie wieder Gäste zu bewirten, muss eine ganze Reihe an Auflagen beachten. Auch die Kunden müssen sich umstellen. Spontan vorbeikommen und einen freien Tisch belegen soll nicht funktionieren. „Wir dürfen Gäste nur nach einer Reservierung einlassen“, sagt Sabine Bramm, Inhaberin des Corleo in der Vaihinger Fußgängerzone.

Kunden muss nach Voranmeldung ein fester Platz zugewiesen werden

Die Reservierung ist aber nicht die einzige Änderung, die auf all diejenigen wartet, die essen gehen wollen. „Wer das Haus betritt, muss dabei eine Maske tragen“, berichtet Bramm aus den umfangreichen Vorschriften, die von Montag an für jeden Restaurantbesuch gelten. Gäste werden dann vom Personal an die vorher zugewiesenen Plätze gebracht. Dort dürfen sie den Mund-Nasen-Schutz abnehmen. „Für den Gang zur Toilette muss die Maske aber wieder aufgesetzt werden“, sagt Bramm. „Da gibt es Kreuzungspunkte, an denen der sonst geltende Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann.“

Dieser Abstand zieht sich künftig durch den gesamten Alltag im Gastgewerbe. Die einzelnen Tische müssen mindestens 1,50 Meter voneinander aufgestellt sein. Am Tisch dürfen nur maximal vier Gäste aus maximal zwei Haushalten sitzen – dazu kommen allenfalls noch die eigenen Kinder, nicht aber Freunde oder Bekannte mit einer anderen Wohnadresse. Da wären wieder 1,50 Meter Abstand fällig.

In Wiernsheim hat der Wirt vom Werschemer Lamm darum gleich mal einige Tische aus der Gaststube getragen. „Sonst wird es viel zu eng“, sagt Thomas Hess mit Blick auf die ohnehin überschaubaren Platzverhältnisse in dem Restaurant. Er ist in erster Linie für die Küche verantwortlich, seine Frau Dagmar für den Service. „Ich weiß noch gar nicht, wie das werden soll, ab Montag mit Maske zu bedienen“, sagt sie. „Man soll sich mit den Gästen auch möglichst nicht unterhalten.“ Darum ist sich das Wirtsehepaar auch gar nicht sicher, ob angesichts der erheblichen Einschränkungen allzu viele bisherige Gäste Lust haben, essen zu gehen. „Wir probieren es aus“, sagt Thomas Hess. Nach ein paar Wochen solle entschieden werden, ob das Angebot dauerhaft erhalten bleibt. „Wichtig ist für uns vor allem, dass die Gäste mitspielen“, sagen beide unisono. „Wir wollen uns nicht ständig darüber ärgern müssen, wenn wir nur auf die geltenden Vorschriften hinweisen.“

Lamm und Corleo haben mehrere Gemeinsamkeiten. Nicht nur dass sie von Anfang an zu denen gehören, die wieder öffnen. Beide haben sowohl einen Innen- als auch einen Außenbereich. Und beide setzen darauf, mit einer etwas ausgedünnten Karte einzusteigen, die nicht nur auf den Tischen ausliegen wird. „Es gibt die Möglichkeit, dass man über eine Internetseite die Speisekarte erfasst und dann einen QR-Code ausgibt“, berichtet Dagmar Hess. „Den werden wir ausdrucken und auf die Tische verteilen.“ Jedem Gast ist es dann überlassen, den Code mit seinem Smartphone einzuscannen und sich die aktuellen Angebote anzuschauen. Das gleiche Verfahren soll auch im Corleo praktiziert werden. „Zusätzlich haben wir aber auch laminierte Speisekarten, weil nicht jeder Gast ein Smartphone dabeihaben wird“, kündigt Bramm an. Allerdings nicht ein ganzes Buch aus vielen Seiten, sondern überschaubar – und damit auch leicht zu desinfizieren, bevor es der nächste Gast in die Hände bekommt. Familie Hess geht in diesem Punkt ganz pragmatisch vor: „Wir haben eine Seite für Speisen und eine für Getränke.“ Was nicht drauf passt, gibt’s vielleicht in der nächsten Woche wieder, ansonsten in der übernächsten.

Desinfektion und Tischdecken aus Papier gegen Übertragung

Die Hygiene ist ein Kapitel für sich, das den Wirten schon viel Kopfzerbrechen bereitet hat. Im Corleo müssen Bramm und ihr Personal dafür sorgen, dass auch zwischen den Sitzplätzen im Außenbereich und den Spaziergängern in der direkt angrenzenden Fußgängerzone die Abstände eingehalten werden. „Tischdecken haben wir nicht“, sagt Bramm mit Blick auf mögliche Übertragungswege des Coronavirus. „Wir schließen aus, was auszuschließen ist.“ Auch im Werschemer Lamm genießt die Hygiene einen hohen Stellenwert. „Papiertischdecken und in große Servietten eingewickeltes Besteck“, zählt Dagmar Hess auf, was auf den Tischen liegt und von Gast zu Gast gewechselt wird, um die mögliche Ansteckungsgefahr zu minimieren. Und einen kleinen Zusatztisch lässt das Wirtsehepaar im Raum stehen, wenn er auch wegen zu geringer Abstände nicht besetzt werden darf. „Wenn wir aber einen der Nachbartische nach Gebrauch desinfizieren, braucht das Mittel auch eine bestimmte Einwirkzeit“, sagt Dagmar Hess. „In der Zeit lässt sich dann der freie Tisch rumschieben, der gleich wieder genutzt werden kann.“

Grundsätzlich finden es die Wirte aus Lamm und Corleo äußerst lästig, sich mit den vielen Auflagen plagen zu müssen, wollen sie aber streng befolgen. „Es kann auch schnell wieder verboten werden“, sagt Thomas Hess. Und Bramm ergänzt: „Ich habe vollstes Verständnis für unsere Politiker, die zur Vorsicht mahnen. Es kann ja alles auch wieder nach hinten losgehen.“

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