Tier-Engel machen Ausreißer dingfest

Junger Tiernothilfe-Verein konnte am Samstag einen kleinen Hund einfangen und so für einen guten Ausgang eines Abenteuers sorgen. Rund eine Stunde lang hatte der kleine Mischlingsrüde ein Paar mit läufiger Hündin verfolgt, in Aurich war Schluss mit der Tour.

Von Sabine Rücker Erstellt: 14. Januar 2021

Aurich. Die gute Nachricht vorneweg: Der kleine Rüde ist wieder wohlbehalten zu Hause. Das ist rührigen Menschen zu verdanken, die sich des Ausreißers annahmen.

Aber von Anfang an: Am vergangenen Samstagvormittag hatte der kleine Vierbeiner sich an die Fersen einer läufigen Hündin geheftet. Seit gut einer Stunde verfolge er sie schon vom Sonnenberg in Nussdorf fast bis zur Schwarzwaldstraße in Aurich, erzählte das Paar der VKZ-Redakteurin, die zufällig bei ihrer Aurich-Runde auf die Spaziergänger traf. Aber sie hätten die Tier-Engel Ludwigsburg schon benachrichtigt, und auch die Polizei. Tier-Engel? Noch nie gehört, dachte die Redakteurin. Der noch junge Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Landkreis Ludwigsburg mit rein ehrenamtlicher Arbeit unter anderem Fundtiere und Besitzer wieder zu vereinen.

Wenige Minuten später tauchte also der erste der zwei „Engel“ auf. Markus aus Eberdingen, kurz darauf Kate aus Sachsenheim. Den genauen Standort hatten die Anrufer laut den Tier-Engeln per Whatsapp Standort-Funktion melden können.

Erst durch Registrierung beispielsweise bei Tasso kann die Chip-Nummer eines Tieres dem Halter zugeordnet werden

Der kleine liebeskranke Rüde war offensichtlich nicht sonderlich begeistert von dem Vorhaben, ihn von seiner auserwählten Herzensdame zu entfernen. Aber letztendlich konnte er doch eingefangen werden: „Als der kleine Kerl wieder bei der Hündin war, griff der Mann der Melderin beherzt zu – der kleine Terriermix tickte kurzfristig aus, noch in der Luft übernahm Kate das wilde Kerlchen und fixierte ihn am Kopf im Nacken – zeitgleich fixierte Teammitglied Markus das restliche Körperchen – Gegenwehr zwecklos“, heißt es im ausführlichen Einsatzbericht auf der Facebook-Seite der Tier-Engel. „Da Kate vorn war, bekam sie ziemlich direkt die Unzufriedenheit des kleinen Mischlings ab … Ein kurzer Wechsel nach Absprache und Markus hatte den Kopf, während Kate die Leine über den Kopf streifte. Erfolgserlebnis garantiert – Doppelsicherung angelegt – alles erfolgreich! In diesem Moment schien sich bei dem kleinen Wildfang ein Schalter umzulegen … alle Anspannung äußerte sich in heftigem Zittern, ängstlichen Blicken – ein Häufchen Elend … Das Chipauslesen war erfolgreich – Hurra ein Chip!“, berichten die Tierschützer dort weiter. „Allerdings blieb der Anruf bei Tasso und Findefix erfolglos – der Chip war nicht registriert. Und wieder einmal Kopfschütteln bei uns. Wozu lässt man das Tier chippen, wenn es dann nicht registriert wird?“

„Damit haben wir oft zu kämpfen“, sagt Marion Fleischmann, Vorsitzende und Gründerin des Vereins. Entweder seien die Tiere nicht tätowiert oder gechipt, oder sie sind es, seien aber nicht registriert. „Die Leute wissen das oft nicht“, sagt Fleischmann. Deshalb lautet ihre Bitte, dass die Besitzer ihr Tier beispielsweise mit der Nummer des Chips, die im Impfausweis stehe, auch registrieren lassen. Das gehe kostenlos bei Haustierregistern wie Tasso oder bei Findefix. Bei der Registrierung wird die Chip-Nummer beziehungsweise die Tätowierung dem Namen und den Kontaktdaten des Halters zugeordnet, damit dieser im Fall der Fälle schnell kontaktiert werden kann.

„Wir konnten die Nummer auslesen“, sagt Fleischmann zum Ausreißer in Aurich. „Unsere Teammitglieder sind alle mit einer Notfallbox mit Chiplesegerät ausgestattet und rufen vor Ort bei Tasso an.“ Das Tierregister sei in der Regel mit Findefix verknüpft und an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr erreichbar. Doch der liebeshungrige Rüde sei eben leider nicht registriert gewesen.

Daraufhin wurde er ins Tierheim Vaihingen gebracht und die Polizei darüber informiert. Eine Suchmeldung sei auf der Facebook-Seite der Tier-Engel online gestellt worden. Auch beim Tierheim Vaihingen wurde in den sozialen Medien ein „Fahndungsfoto“ veröffentlicht und wenig später hieß es dort im Update: „Besitzer bekannt, Hund wird abgeholt.“

Im vergangenen Jahr haben die Tier-Engel rund 475 ganz unterschiedliche Einsätze absolviert, berichtet die Vorsitzende. Gegründet wurde der Verein im November 2019 von einer 19-köpfigen Gruppe mit Erfahrung aus der ehrenamtlichen Tätigkeit mit Tieren.

„Die Gruppe kannte sich schon und es hat gut harmoniert. Aufgrund von negativen Erfahrungen, die wir gemacht haben, wollten wir uns nicht jemandem anschließen, sondern eigenständig sein“, berichtet Fleischmann. Es sei ihnen eine Herzensangelegenheit, Tieren und Menschen mit Tieren zu helfen. 34 aktive Helfer seien es zurzeit und über weitere ehrenamtliche Helfer sowie über Mitglieder würden sie sich freuen, so Fleischmann. Ebenso über Sponsoren, denn der Verein finanziere sich ausschließlich über Spenden. „Wir achten darauf, dass neue Teammitglieder die ersten Einsätze nie alleine fahren“, sagt sie. Zudem gebe es zwei Hundetrainer und eine Tiermedizinische Fachangestellte und in „Normalzeiten“ auch Fortbildungen. Denn auch die rechtliche Seite sei wichtig. Neulich habe eine Anruferin von einem verletzten Reh berichtet und überlegt, ob sie das Tier zum Tierarzt bringen soll. „Nein, Finger weg!“, sei ihr Rat gewesen. Denn Wildtiere würden unters Jagdrecht fallen und ein solches Vorgehen würde als Wilderei zählen und sei strafbar. Hier müsse die Polizei benachrichtigt werden, welche den Jagdpächter informiere.

Marion Fleischmann, die Werbetechnikerin und Physiotherapeutin gelernt hat, jetzt aber selbstständig auf Messen geht, habe aufgrund der Corona-Maßnahmen mehr Freizeit, als ihr lieb ist – das komme jetzt dem Verein zugute. Schon von klein auf habe sie Haustiere gehabt, sagt die 45-Jährige, die in Freiberg lebt.

Nach ihrem schönsten Erlebnis in der Tiernothilfe gefragt, fällt ihr zuerst das schlimmste ein – eine trächtige Katze, die bei einem Verkehrsunfall aufgebrochen wurde und deren Babys alle tot daneben lagen. Zu den schönsten zähle ein Vorfall, der sich ebenfalls am Samstag ereignete. Mit einer Spezialfalle konnte sie im Beisein der Besitzerin in Eglosheim eine Katze einfangen, die schon seit sechs Wochen vermisst gewesen war.

Der Verein „Tier-Engel unterwegs“ hat sich im Landkreis Ludwigsburg Folgendes zur Aufgabe gemacht:
Einfangen von Streunern und deren Kastration; Zusammenarbeit mit den Tierheimen Ludwigsburg und Vaihingen; Sicherung und Erstversorgung von kranken/verletzten Tieren; bei Fundtieren Chip auslesen/Tätowierung, um den Besitzer zu finden; Unterstützung von Futterstellen; Aufklärung für Tierhalter und die, die es werden wollen; Unterstützung und Aufklärung bei Wildunfällen; Bauernkooperation – Sicherung von Tieren vor Mäharbeiten; Auslesen von Chip/Tätowierung bei Totfunden und wenn möglich Besitzerfindung in Zusammenarbeit mit Tasso und Findefix.
Das Notfalltelefon ist erreichbar unter 01 78 / 931 34 65, weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Vereins unter www.tier-engel-unterwegs.de.

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