Für Krankenhausbesuche gelten ab dieser Woche neue Regeln

Seit Dienstag dürfen Familie und Freunde mit Auflagen wieder zu Patienten in die RKH-Kliniken – Weitere Änderungen bei steigenden Infektionszahlen möglich

Von Claudia Rieger Erstellt: 22. Mai 2020

Ludwigsburg. Die Zeit des strikten Verbots ist vorbei: Die Regionale Kliniken-Holding (RKH), unter anderem Träger der Krankenhäuser im Landkreis Ludwigsburg und in Mühlacker, hat in dieser Woche den wegen der Corona-Pandemie verhängten Besucherstopp gelockert. Hintergrund ist die „Corona-Verordnung Besuchsregelungen“ des Landes Baden-Württemberg. Allerdings gibt es für die Visite von Familie und Freunden einige Auflagen und einen wichtigen Grundsatz, wie RKH-Sprecher Alexander Tsongas sagt: Der behandelnde Arzt entscheidet bei jedem Patienten nach dessen Zustand, ob und wie dieser besucht werden könne.

Die neue Regelung sieht vor, dass alle Patienten zwei Personen angeben können, die sie oder ihn besuchen dürfen. Pro Tag und Patient ist ein Besucher zugelassen. Doch auch das könnte die Möglichkeiten eines Krankenhauses vor allem unter dem Aspekt des Infektionsschutzes sprengen, zumindest wenn viele Besucher auf einmal kämen. Die Stationen hätten deshalb für sich Regelungen gefunden, die Gästeströme zu lenken, berichtet Tsongas. So würden den Besuchern Zeitfenster zugewiesen, um zu große Menschenansammlungen zu vermeiden.

Der zuständige Mediziner oder eine Krankenschwester melden sich dann bei den Angehörigen, klären über den Zustand des Patienten auf und informieren, in welchem Zeitraum dieser besucht werden kann. Wo der Besuch stattfindet, wird ebenso vom Klinikpersonal definiert.

Bei bettlägerigen Patienten in Mehrbettzimmern muss dem Klinikensprecher zufolge stärker mit den Zeiten jongliert werden. Gehfähige Patienten mit geringem Gesundheitsrisiko könnten ihre Angehörigen dagegen in den extra auf den Stationen eingerichteten Besucherzonen empfangen, wo mehr Platz für mehr Menschen ist.

In Einzelfällen dürfen Behandelte noch immer keinen Besuch von ihren Lieben bekommen, nämlich „wenn dadurch der Zustand des Patienten gefährdet ist“, so die RKH. Generell ausgeschlossen sind unter anderem Menschen, die in den zwei Wochen zuvor mit dem neuartigen Coronavirus infiziert waren oder gewissen Krankheitssymptome zeigen.

In gewissen Fällen dürfen zwei Besucher zum Patienten

Außerdem gilt: Partner dürfen nach wie vor bei der Geburt ihres Kindes dabei sein und Mutter mit Baby auf der Wöchnerinnenstation besuchen. Eltern dürfen ihre kranken Kinder begleiten. Patienten, die im Sterben liegen beziehungsweise auf der Palliativstation, dürfen von zwei – im Zweifelsfall auch drei – Menschen besucht werden. Zugelassen sind auch Begleitpersonen für ältere, gebrechliche, demente Patienten und für Menschen, die in die Notaufnahme eingeliefert werden.

Die neuen Regelungen sind in allen RKH-Häusern recht gut angelaufen, sagt Sprecher Tsongas. In Ludwigsburg habe man aufgrund der schieren Masse an Patienten einen Besucheransturm erwartet. Doch der sei ausgeblieben. Am Krankenhaus Bietigheim sei es an Tag eins zu einer rund 40 Meter lange Menschenschlange am Checkpoint gekommen. „Das hört sich dramatisch an, aber man muss bedenken, dass jeder ja zwei Meter Abstand halten soll“, so Tsongas. Dasselbe habe man in Mülacker am Dienstag erlebt, wo die Schlange aber schnell habe abgearbeitet werden können.

Neben den Krankenzimmern gibt es demnach zwei weitere Nadelöhre: den Checkpoint am Eingang einer Klinik, an dem sich alle, die das Gebäude betreten, anmelden müssen, ihre Temperatur gemessen und einen Besucherausweis ausgehändigt bekommen. Hier sollen ebensowenig Staus entstehen wie an den Aufzügen, der zweiten Engstelle. Denn diese dürfen, um den Mindestabstand zu wahren, je nur von einer Person benutzt werden. „In Bietigheim sind es nur vier oder fünf Stockwerke. Da kann man zur Not die Treppe nehmen. Aber am Klinikum in Ludwigsburg gibt es 14 Stockwerke, in denen sich Patienten befinden. Da kann die Wartezeit am Lift lang werden.“ Die überwiegende Mehrheit habe aber Verständnis für die besondere Situation.

„Wir sammeln jetzt Erfahrungen und setzen gegebenenfalls sehr schnell Änderungen um“, sagt der Sprecher. Die könne es im Übrigen auch im Falle steigender Infektionszahlen geben. Dann müssten die gelockerten Regelungen zum Schutz der Behandelten und des Personals unter Umständen schnell wieder rückgängig gemacht werden.

Aktuell ist das der Fall im Fürst-Stirum-Klinikum in Bruchsal, wo Anfang dieser Woche die Zahl der Covid-19-Erkrankungen bei Patienten wie Mitarbeitern wieder zunahm. Deshalb ist nach Angaben der Kliniken-Holding kurzfristig erneut ein Besucherstopp und ein Stopp bei der Aufnahme geplanter Patienten beschlossen worden.

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