Unlinger Reiter macht in Hochdorf Station

Im Keltenmuseum der Gemeinde Eberdingen sind bis zum Sommer ganz besondere Originalfundstücke aus der Zeit vor rund 2600 Jahren zu sehen

Von Bernhard Romanowski Erstellt: 28. Februar 2019
Unlinger Reiter macht in Hochdorf Station Dr. Leif Hansen (v.l.), Nicole Ebinger-Rist, Dr. Simone Stork, Dr. Roberto Tarpini und Dr. Marcus Meyer kurz vor der Eröffnung der Schau. Fotos: Landesamt für Denkmalschutz (4), Romanowski (1)

In Hochdorf werden nun bis zum Sommer der beeindruckende Originalfund des Unlinger Reiters und weitere Objekte aus dem Gräberfeld bei Unlingen in einer Sonderausstellung gezeigt. Die Bedeutung des Reitens und Fahrens bei den frühen Kelten des 8. bis 5. Jahrhunderts vor Christus steht im Fokus dieser Ausstellung.

Hochdorf. Bei aller gebotenen Sachlichkeit und dem nüchtern-wissenschaftlichen Habitus vor der Eröffnung der Sonderausstellung „Kelten – Pferde – Wagenlenker“: Da war so eine gewisse Beschwingtheit bei Dr. Simone Stork spürbar am Dienstagnachmittag. Die Leiterin konnte ihre Freude kaum verhehlen, dass mit der neuen Sonderschau auch die älteste Reiterfigur Deutschlands ihren Weg in das Hochdorfer Keltenmuseum gefunden hatte.

Vorab, in einer Pressekonferenz, hatte Stork gemeinsam mit Nicole Ebinger-Rist und Dr. Marcus Meyer sowie mit Dr. Leif Hansen und Dr. Roberto Tarpini von der Esslinger Dienststelle des baden-württembergischen Landesamts für Denkmalschutz (LAD) bereits einige Erläuterungen zu Inhalt und Bedeutung der Originalfunde gegeben, die bis zum 28. Juli in der Hochdorfer Einrichtung zu sehen sind. „Hochdorf spielt in der ersten Liga der Wagengräber und deshalb passt der Unlinger Reiter bestens hierher“, stellte Stork zu Beginn klar. Dr. Hansen lieferte dann eine kurze Einordnung der Funde in ihren historischen und wissenschaftlichen Kontext.

Die Entdeckung und Ausgrabung gut erhaltener frühkeltischer Gräber mit teils außergewöhnlichen Funden im Sommer 2016 bei Unlingen im Landkreis Biberach sorgten für großes Aufsehen in der Fachwelt. Das Gräberfeld von Unlingen am Fuße des Berges Bussen – die Rede ist von drei Grabhügeln mit fünf Bestattungen – liegt im unmittelbaren Umfeld der Heuneburg, einem der bedeutendsten archäologischen Fundplätze Mitteleuropas, der wahrscheinlich mit der bei Herodot erwähnten Stadt Pyrene identifiziert werden kann.

Besonders hervorzuheben ist der sogenannte „Unlinger Reiter“, eine Bronzeplastik aus dem 8./7. Jahrhundert vor Christus, die aus einer Grabkammer mit einem vierrädrigen Wagen stammt. „Die Statuette weist deutliche Bezüge in den Mittelmeerraum auf“, erläuterte Hansen am Dienstag. Allerdings seien auch lokale Bezüge an ihr gegeben, sodass er und seine Kollegen eher nicht davon ausgehen, dass die Figur ein Import aus südlicheren Gefilden ist. Hansen: „Wir stehen vor einem Rätsel, was die genaue Bedeutung des Reiters angeht.“ Die Doppelköpfigkeit durch die zwei Pferdehäupter verweise demnach eher auf eine Tiergottheit, wie sie seinerzeit im Vorderen Orient dargestellt wurde.

Eine andere, wenn auch laut Hansen sehr spekulative Deutungsidee besagt, dass die Reiterstatuette dem Sonnenzyklus zugeordnet und mit der damaligen Vorstellung verbunden sei, dass die Sonne von Pferden gezogen ihre Bahnen ziehe.

Im Umfeld der Heuneburg sind in den vergangenen Jahren weitere herausragende Funde und Entdeckungen gemacht worden, die den großen Stellenwert von Pferd und Wagen bei den Kelten unterstreichen: So fand sich beispielsweise in einer unberaubten Grabkammer einer Fürstin, die in Sichtweite der Heuneburg in der Bettelbühl-Nekropole bestattet wurde, Pferdeschmuck und ein bislang vollkommen einzigartiger Pferdestirnpanzer aus Bronze. Aus dem Umfeld der Heuneburg liegen zudem aus weiteren reichen Gräbern mehrere vierrädrige Wagen und Pferdegeschirr vor.

Man habe 2016 im Vorfeld geahnt, dass etwas gefunden würde bei den Grabungen elf Kilometer von der Heuneburg entfernt, so Hansen. Doch was dann zum Vorschein kam, habe „alle überrascht“, wie es Nicole Ebinger-Rist im Gespräch mit der VKZ schilderte. Die Hauptkonservatorin des LAD in Esslingen berichtete von röntgencomputertomografischen Untersuchungen, ohne die es den Archäologen nie gelungen wäre, die Funde vernünftig auszuwerten. Denn die Bedingungen am Grabungsfeld waren widrig, der Boden war matschig, die Reiterstatue als solche zuerst gar nicht erkennbar.

Heutzutage entwickelt sich die Grabungstechnik eben immer mehr dahin, die Funde per Blockbergung zu sichern. Die Blockbergung wird praktiziert, wenn eine fachgerechte Freilegung der Funde oder Fundzusammenhänge vor Ort im Feld nicht möglich ist.

Sie werden mit dem umgebenden Erdreich freigelegt und betreffend der Lage und Verortung dokumentiert. Sie können dann transportiert werden. Eine detaillierte Dokumentation erfolgt nachher im Labor einer Restaurierungswerkstatt.

Bei der Schau in Hochdorf, zu der auch drei ergänzende Vorträge angeboten werden (siehe Kasten), handelt es sich um eine Sonderausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in Kooperation mit dem Keltenmuseum Hochdorf und mit Unterstützung der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern.

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