Feuer und Flamme für Blackie und Brownie

Eine tierische Geschichte von zwei ausgebüxten Schafsböcken in Hochdorf

Von Uwe Bögel Erstellt: 5. Dezember 2019
Feuer und Flamme für  Blackie und Brownie Saphira mit einer extra Futterration für die beiden Schafe, die jetzt beim Haus Johanni leben. Foto: Bögel/Mayer

Bis jetzt hatten sie ihre Weide am Pfaffenwald. Nach einem kulturgeschichtlichen Ausflug vor das Hochdorfer Keltenmuseum leben die zwei Schafe nun beim Haus Johanni in der Hemminger Straße in Hochdorf.

Hochdorf. Alfred Mayer hält schon immer ein paar Schafe auf seinem Gartengrundstück am Pfaffenwald in Hochdorf. In der Nacht von Samstag auf Sonntag gingen aber die beiden Tiere, die seither hier ihr Zuhause hatten, auf Tour. Sie sind ausgebüxt. „Allerdings war der Zaun von außen nach innen umgedrückt“, sagt Martin Mayer, der Sohn.

Auf jeden Fall zog das Schafsduo durchs nächtliche Hochdorf. Gegen 3 Uhr entdeckten Passanten die Tiere vor dem Keltenmuseum. Wahrscheinlich wollten sie dem Fürstengrab einen Besuch abstatten oder sich einfach mal weiterbilden.

Doch dieses Vorhaben war nicht von langer Dauer. Die Passanten alarmierten die Polizei, diese dann die Tierrettung Unterland. Die Tierretter fingen die Schafe mit einem Kescher ein und brachten sie ins Haus Johanni, eine sozialtherapeutische Jugendhilfeeinrichtung mit heilpädagogischer Orientierung. Hier sind sowieso schon einige Tiere wie Esel und Ziegen – und deshalb lag es nahe, dass die Schafe von dort abgehauen sein könnten.

Schnell war aber klar, dass die Tiere Alfred Mayer gehören. Dieser richtete am Montag den Stall und das Gehege im Pfaffenwald wieder her und wollte die Tiere mit dem Anhänger abholen.

Mittlerweile hatten aber die Jugendlichen im Haus Johanni die beiden Schafe ins Herz geschlossen. Mit Briefen an Alfred Mayer und großen Plakaten wollten sie den Abtransport verhindern. „Brownie und Blackie wollen leben“, heißt es so auf einem Banner. Oder: „Wir wollen den zwei wundervollen Schafen ein langes Leben geben.“ „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Brownie und Blackie in unsere Herzen schließen dürften.“

Da konnte Alfred Mayer fast nicht anders reagieren. Er hat die Schafe dem Haus Johanni geschenkt. Und es stimmt – bei Mayer hätten die Tiere die Winterzeit nicht überlebt. Der Gang zum Schlachter wäre angestanden.

Im Haus Johanni leben die zwei Schafböcke in einem eigenen Gehege mit Stall – in trauter Nachbarschaft zu drei Ziegen, zwei Eseln, Hunden und Katzen. In der sozialtherapeutischen Jugendhilfeeinrichtung wird auch tiergestützte Pädagogik angeboten – „und da passen die Schafe super rein“, sagt Andrea Planker, Erzieherin und tiergestützte Pädagogin.

Planker hatte in der Nacht, als die Schafe ausgebüxt sind, auch Dienst. „Da wir ein Gehege frei hatten, konnten wir sie aufnehmen. Und die Jugendlichen waren gleich Feuer und Flamme.“

Derzeit sind elf junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren im Haus Johanni. Und einer der Jugendlichen will jetzt das Schafe scheren lernen. Die Wolle soll verarbeitet werden und das erste Produkt – ein Schal oder eine Mütze – bekommt dann Alfred Mayer als Dankeschön.

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