Das Wunder von Nussdorf

Ein Konzert, das es gar nicht geben sollte, begeistert in der Kirche

Von Sabine Rücker Erstellt: 11. Dezember 2018
Das Wunder von Nussdorf Besser und ihre Gastmusiker verabschieden sich.

Was für ein Sonntagabend! Beim Benefizkonzert mit Besser-Acoustique in der Nussdorfer Kirche zum Heiligen Kreuz gab es nur Gewinner: das Publikum bei genialer Musik und witziger Unterhaltung sowie Geld für den Nothilfefonds. Außerdem weiß der Besucher jetzt endlich, wer der schönste Mann Zaiserweihers ist und wieso das Gitarrensolo an diesem Abend so gut lief.

Nussdorf. Mesnerin Marianne Rapp hat „ihre“ Kirche am Sonntagabend im Griff. Türen auf, Türen zu – vor Beginn des Benefizkonzertes sind ihre Dienste gefragt. Denn drinnen probt die Band und draußen stehen die ersten Gäste deutlich vor 19 Uhr im Regen vor der noch verschlossenen Kirche zum Heiligen Kreuz. Er sei vom VfB weggeholt worden, klagt einer der Frühankommenden unterm Regenschirm hervor. 19 Uhr – jetzt öffnet sich die Tür.

32 Kirchenbänke sind schnell gefüllt, mit rund 300 Zuhörern ist die Kirche ausverkauft. Schon schlägt die erste Stunde für Stefan Mast, ehemaliges Bandmitglied, an diesem Abend als Gast dabei mit Keyboard, Gesang und vor allem einfühlsamen, witzigen Worten, die dem Publikum hörbar Freude bereitet. „Liebe Leute“, meint Mast vor dem stimmungsvoll angestrahlten Chorraum. Man solle doch bitte etwas zusammenrücken, jetzt da die zwei Busse mit den 200 Leuten angekommen seien.

Redaktionsleiter Uwe Bögel meldet zwischenzeitlich, dass Bürgermeister Peter Schäfer mit eigener Eintrittskarte eingetroffen ist. Viele Nussdorfer sind da, erkennt Pfarrer Hartmut Nitsche, aber auch viele Vaihinger sitzen in den Reihen. „Wir sind auch konfessionell gut durchwachsen“, sagt der Nussdorfer Pfarrer.

Michael Marek, Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen, begrüßt das Publikum, denn das Benefizkonzert im Rahmen der VKZ-Weihnachtsaktion kommt dem Nothilfefonds der Bezirksstelle zugute. Der Adventszeit liege auch das Hoffen auf Wunder inne, meint Marek Als Redaktionsleiter Bögel mit der Idee eines Benefizkonzerts ums Eck kam, schien die Realisierung in der kurzen Zeit eher unwahrscheinlich. „Ich denke: Wie cool ist denn das“, sagt Marek in Anbetracht des Konzertbeginns und der vollen Kirchenbänke. Bei diesem Abend gebe es viele Gewinner, vor allem auch die Menschen auf der Schattenseite des Lebens, denen das Geld des Nothilfefonds zugutekommt.

So etwas wie ein Wunder scheint durchaus daran teilzuhaben, dass Besser-Acoustique die Instrumente nochmal aufgebaut hat, denn das Motto der Band habe gelautet: „In diesem Jahr machen wir im Dezember nix“, verrät Mast. „Ihr habt uns gefragt, wir hatten’s nicht vor – umso schöner, dass wir alle hier sind und eine volle Kirche haben, vielen Dank dafür.“ Pralle zwei Stunden spielen die Musiker knapp 20 Titel, virtuos und begeisternd an den Instrumenten und im Gesang, erfrischend in der Moderation.

„Wir dachten, dass das Lied von einem Superhelden handelt“, moderiert Mast „Behind blue eyes“ an. „Dabei geht’s da um traurige Augen.“ In der ersten Liedzeile ist nicht die Rede von Batman, sondern vom bad man, dem bösen Mann. Beim Titel „Neustart“ von Joris, der zur Überraschung von Mast eben nicht Doris heißt, „darf richtig aufgestanden werden … also wenn ihr das jetzt nicht macht …“ Das lässt sich natürlich keiner zweimal sagen.

„Gefährliche Stuttgarter Vororte wie Hochdorf und Eberdingen“ hätten „In the ghetto“ ins Repertoire verholfen. Mit „Purple rain“ kommt ein Lied „fast nur für den begnadeten Gitarristen“ Jochen Herth, der für seine Künste Standing Ovations erntet. Mast beeindruckt: „Wie der Jochen die Dinger da raushaut“, Töne wie gemeißelt. „Heut isch’s au gut glaufa“, erwidert Herth, über dem ein leuchtender Stern schwebt.

Bei „I help you hate me“ winken die Zuhörer mit der Handy-Taschenlampe. Respekt, meint Mast, denn die Gefahr eines Muskelkaters sei hier groß. Markus Rößle ist nicht nur „der schönste Mann von Zaisersweiher“, erfährt das Publikum. Seine Stimme verliere auch mit fortschreitendem Alter nicht an Höhe, was er beim Titel „Carrie“ beeindruckend unter Beweis stellt. Als bei Robbie Williams nach dem Taschenlampenschwenken beim Applaus Trampeln zu hören ist, schlussfolgert der launige Moderator, dass „die Fiaß langsam kalt werdet“. Kurzumfrage unter den Musikern: Ist es dort noch kälter? Schlagzeuger Steffen Kazda: „I schwitz wie’d Sau.“

Beim nächsten Titel stellen sich laut Mast die Haare auf den Armen „oder wo ihr sie sonst noch habt“ nach oben, denn hier kann sich der Zuhörer selbst beschenken. Die Geschichte von „Don’t let the sun go down on me“ in der Version von George Michael mit Überraschungsgast Elton John wird erzählt und nachempfunden.

„Was soll jetzt eigentlich noch besser werden?“, fragt sich der geneigte Zuhörer

„Wenn Elton Steffen John überraschend auf die Bühne kommt, werdet Ihr aufspringen“, instruiert Mast. Und so ist es: Steffen Fröhlich, zuvor hinausgelockt mit einem belegten Weckle, schreitet herein und wird gefeiert. Die Zuhörer hält nichts mehr auf den Bänken. Es ist kurz nach 21 Uhr, Gastmusiker Stefan Großmann stößt zu Mast, Fröhlich, Rößle, Kazda, Willy Schmitz am Bass und Ralf Schwarzien am Keyboard dazu. „Was soll jetzt eigentlich noch besser werden?“, fragt sich der geneigte Zuhörer und erhält die Antwort bei „Knocking on heavens door“: ein sensationelles Simultan-Solo der E-Gitarristen Herth/Großmann. Nach „Hymn“ bedankt sich Pfarrer Nitsche bei den „begnadeten Musikern, ich bin ganz erfüllt von der Musik“.

Der Geistliche weiß auch, was der Grund für das gut gelaufene Gitarrensolo sein könnte: Der Gitarrist stand unterm Weihnachtsstern. Nitsche dankt auch Michael Marek und seinem Team, „es verdient Respekt, was er macht“.

Letzter Titel: „Last Christmas“. Letzte Worte: „Schee war’s, gute Idee“, meint Heike Ebhart aus Kleinglattbach. „Ich bin begeistert“, sagt Margarete Linkenheil. Die 78-Jährige sei sonst eher der Kirchenmusik zugetan. Und Michael Marek entfährt ein: „So geil, echt.“

Danke Besser!

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