Abschied vom Maler des Lichts

Wolfgang Lämmle stirbt im Alter von 77 Jahren in seiner Wahlheimat Australien

Von Ralph Küppers Erstellt: 2. März 2019
Abschied vom Maler des Lichts Lämmle reiste immer wieder zu Vernissagen an.

Hochdorf. Wolfgang Lämmle hatte seinerzeit in Hochdorf die Kunstgalerie Kastenscheuer geschaffen . Sein eigenes Werk trug ihm den Titel Maler des Lichts ein. Die größte Aufmerksamkeit wurde ihm 1988 zuteil, als er Werke bekannter Künstler gefälscht hat. Jetzt ist er in seiner Wahlheimat Australien im Alter von 77 Jahren gestorben. Am 11. Juni 1941 in Bad Cannstatt geboren verbrachte er einen Teil seiner Kindheit in Iptingen und erlernte dann den Beruf des Buchdruckers. Mit dieser Lehre folgte er vor allem dem Wunsch seines Vaters, stellte aber auch schon früh sein künstlerisches Talent unter Beweis. Der Verkauf einiger Werke führte schließlich dazu, dass er seinen Brotberuf aufgab und ganz auf die Malerei setzte.

Bei Vernissagen wie in der Lomersheimer Galerie im Garten oder der Hochdorfer Kastenscheuer erzählte Wolfgang Lämmle immer wieder selbst über seinen Werdegang. Mehr als 20 Jahre habe er gebraucht, um zu erkennen, dass er so ganz unbegabt nicht war. Im Jahr 1976 gründete er schließlich die Schlossgalerie Kastenscheuer. In Eigenarbeit, unterstützt von Familienangehörigen und Freunden, baute er in Hochdorf einen Kornspeicher zur Galerie um. Mehr als 3000 Arbeitsstunden waren nötig, ehe eine der größten Privatgalerien in Baden-Württemberg vollendet war. Neben Lämmle stellten dort zahlreiche weitere namhafte Künstler aus. Der gebürtige Stuttgarter hatte einerseits eine starke Bindung an die Region, zog aber auch in die weite Welt hinaus. Ausstellungen in München, Paris und schließlich 1988 der Umzug nach Frankreich sind Stationen seiner Arbeit. Lämmle gründete eine Malschule im Périgord. Damals profitierte er auch von einer eher zweifelhaften Berühmtheit. Nachdem aufgeflogen war, dass er Werke bekannter schwäbischer Maler kopiert und diese Imitate als Originale verkauft hatte, wurde er verurteilt. In der Folge kam Lämmle in mehreren Fernsehsendungen zu Wort, seine Fälschungen wurden zum Teil erfolgreich versteigert. Er ging bei späteren Vernissagen selbst darauf ein und zeigte sich offen verwundert, dass auch Experten sich hatten hinters Licht führen lassen. Seine Familie sagt in ihrem Nachruf: „Er musste immer unter Beweis stellen wie gut er war. Viele, die einen Lämmle gekauft haben, wussten das. Die anderen wollte er mit Gewalt dazu zwingen. Durch Fälschen. Wer ihn kannte, der weiß, dass er es nicht wegen des Geldes gemacht hat. Er wollte nur allen zeigen wie gut er ist.“

Im Jahr 2006 wanderte Lämmle nach Australien aus. Doch auch von dort aus kam er immer wieder in die alte Heimat, um Ausstellungen seines Werks persönlich zu begleiten oder wenigstens zu eröffnen. In der Kastenscheuer gab es 2012 eine Sommerausstellung und ab 2013 eine ständige Ausstellung. Im Juni 2016 reiste der Künstler nochmals aus Australien an, um in Hochdorf gleichzeitig 40 Jahre Kastenscheuer und seinen 75. Geburtstag zu feiern. Die VKZ berichtete damals: „Die Schönheit eines Augenblicks festzuhalten, das ist erkennbar Lämmles Bedürfnis.“ Älteren wie aktuellen Werken war es damals gemeinsam, einen Moment detailgetreu abzubilden und vor dem Auge des Betrachters lebendig werden zu lassen. Er zeigte lichtdurchflutete Landschaften, Akte und Alltagssituationen.

In der Nacht auf Mittwoch ist Lämmle einem kurzen und schweren Krebsleiden erlegen. Seine Hinterbliebenen schreiben: „Er wollte 300 Jahre alt werden – das hat er leider nicht geschafft.“

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