300 Feuersalamander über die Straße getragen

Beate Milerski schildert ihre nächtlichen Entdeckungen auf der Kreisstraße zwischen Eberdingen und Weissach – Sperrung wird häufig missachtet

Erstellt: 5. Juni 2019
300 Feuersalamander über die Straße getragen Die Feuersalamander mögen es gar nicht, auf den Rücken gedreht zu werden. Foto: Milerski

Im Strudelbachtal gibt es ein landesweit bedeutsames Vorkommen an Feuersalamandern. Allein zwischen Riet und Eberdingen soll es geschätzt 2000 bis 4000 dieser Tiere geben. Beate Milerski aus Hochdorf schildert für die VKZ ihre nächtlichen Entdeckungen auf der Kreisstraße 1688 zwischen Eberdingen und Weissach.

Eberdingen (red). Im Frühjahr bin ich mit anderen Freiwilligen ehrenamtlich vor allem in Regennächten auf der Straße zwischen Eberdingen und Weissach im Strudelbachtal unterwegs. Sie ist von Anfang März bis Ende Mai während der Amphibienwanderung, vor allem wegen der Feuersalamander, nachts gesperrt. Die Eindrücke einer Landschaft sind nachts ganz andere als am Tag. Die meisten Entdeckungen macht man über die Ohren, denn in dunklen Regennächten reicht der Schein der Stirnlampen nur einige Meter weit. In der Dämmerung singen noch die Vögel, während in der Dunkelheit die Käuze rufen und im späteren Frühjahr die Grillen zirpen. Der Strudelbach rauscht vor sich hin, bei den Starkregenfällen kürzlich rauschte er auch deutlich heftiger. Rehe bellen, Waldmäuse rascheln im Laub und ab und zu faucht auch etwas. Dachs und Marder haben wir auch schon zu Gesicht bekommen oder Fledermäuse. Pflanzen lassen die Böschungen ergrünen. Maiglöckchen und Salomonsiegel blühen und jetzt Ende Mai schiebt sich der Blütenstand des Aronstabs empor.

Unser Hauptaugenmerk liegt allerdings auf den Amphibien. Das Jahr beginnt im Februar/März je nach Witterung mit den Grasfröschen und kurz darauf den Erdkröten, wobei beide Arten auch später noch zu sehen sind, nur nicht mehr in diesen Massen. Im Teich bei der Ölmühle stapeln sich dann die Frösche und der Laich ist so dicht gepackt, dass die Frösche kaum mehr schwimmen können, sondern eher darüber hüpfen. Am Ufer aufgereiht sitzen die Männchen und warten auf die ankommenden Weibchen und stürzen sich auf diese. Auch die Kröten wandern zum Teich, doch wir haben dieses Jahr fast nur Männchen gesehen, kaum weibliche Kröten, das ist bedenklich. Wenn man übrigens männliche Erdkröten hochnimmt, geben sie oft ein spezielles Quaken von sich. Das machen sie, wenn sich andere paarungswütige Männchen an ihnen festklammern, um ihnen zu sagen: „Ich bin kein Weibchen“.

Auch unterwegs sind dann Berg- und Teichmolche, allerdings in viel kleineren Zahlen. Sie sind auch für uns Fußgänger auf der Straße kaum zu erkennen, weil sie viel kleiner als die anderen Tiere sind und zudem grau wie der Asphalt. Nur der Bauch ist leuchtend rot, aber den sieht man von oben leider nicht. Die meisten Molche finden wir leider als überfahrene Tiere. Auch die Molche sind überwiegend auf der Weissacher Seite der Straße unterwegs, denn dort ist der Hang durch hohe Trockenmauern abgestützt, der den Amphibien und auch den Waldmäusen Unterschlupf bietet. Auch ein Meisennest wurde in der Mauer schon entdeckt.

Als letztes auf dem Weg vom Wald an den Bach sind dann die streng geschützten Feuersalamander, die wärmere Temperaturen benötigen. Dieses Jahr fing die Hauptwanderzeit mit den Regenfällen Ende April richtig an, davor war es zu trocken und teilweise auch zu kalt und wir sahen nur einzelne Tiere. Die Salamanderrouten verteilen sich über die gesamte Länge der Straße mit zwei Schwerpunkten, je einem auf Eberdinger und auf Weissacher Seite. Es sind überwiegend die schwangeren Weibchen, die man gut an ihrem Bauchumfang erkennt. Und natürlich auch an der Tatsache, dass sie in Richtung Bach unterwegs sind. Durch die spätere Wanderzeit sind sie durch Zeitumstellung und die später einsetzende Dunkelheit (erst ab 21.30 Uhr und später) zum Glück zu Zeiten unterwegs, wenn der Berufsverkehr schon durch ist, denn leider wird die Straßensperrung sehr häufig missachtet und das merkt man deutlich am Anteil der toten Tiere, der im März bei etwa 50 Prozent liegt. Bei den Molchen sehen wir sogar fast doppelt so viele tote wie lebende Tiere. Im März, wenn ab 18 Uhr gesperrt ist und es da auch schon dunkel ist, hat man trotz Sperrung noch alle zwei Minuten ein Auto, da schafft es kaum ein Lurch über die Straße. Wir wären sehr froh, wenn wenigstens bei Regenwetter und feuchter Straße das Durchfahrtsverbot eingehalten würde.

Salamanderweibchen tragen rund 20 bis 25 lebensfähige Larven im Bauch, die im Wasser geboren werden. Wir versuchen zwar, wenn in einem gerade überfahrenen Weibchen noch lebende Larven sind, diese zu bergen, doch das ist fast hoffnungslos. Zunächst muss man das Tier sofort finden, die Larven müssen schnell aus der toten Mutter raus und ins Wasser. Dann bekommt man sie nicht mit den Fingern gefasst, sondern versucht, sie auf Blätter zu schieben, und schließlich ist der Strudelbach von der Straße aus für uns fast unzugänglich, da eine steile, baumbewachsene Böschung dazwischen liegt.

Die Salamander, und auch die anderen Tiere, wandern nach der Fortpflanzung allerdings auch wieder zurück in den Wald, so haben wir Wanderer in beide Richtungen.

Da wir also sowieso schon unterwegs sind, um die Lurche in Sicherheit zu bringen, machen wir auch gleich ein Monitoring. Wir zählen die Tiere nach Arten getrennt, und wenn möglich auch nach Geschlecht. Mit Stift und Papier im oft strömenden Regen nicht ganz einfach, das Geschriebene auf dem durchfeuchteten, zusammenklebenden und eventuell eingerissenen Papier hinterher wieder zu entziffern. Eine Fotodokumentation hilft, wobei der Fotoapparat zum Schutz vor zuviel Nässe in eine Mülltüte gewickelt ist. Man bräuchte einen Sekretär und Regenschirmhalter oder eine dritte Hand. Oder alle 50 Meter einen Unterstand mit Dach. Das wäre vielleicht ein Vorschlag für die Streckensanierung nächstes Jahr. Die Zahlen werden dann an die entsprechenden Ämter weitergemeldet, vor allem die unter Naturschutz stehenden Arten wie Weinbergschnecken und Lederlaufkäfer, aber auch Marder und andere interessante Beobachtungen melden wir dann gleich mit.

Öfter gesehen hatte ich einen großen Lederlaufkäfer, der wie auch viele Spinnen, deren Augen man überall leuchten sieht, auf der Straße auf Jagd geht. Als ich einmal einen an den Straßenrand setzte, konnte ich nachher meinen Handschuh waschen, dieser stank penetrant nach der Flüssigkeit, mit der sich der Käfer verteidigt.

Aus eigenem Interesse habe ich dieses Jahr angefangen, möglichst alle von mir gesehenen Feuersalamander zu fotografieren und zu vergleichen, ob wir die selben Tiere mehrmals sehen. Die Muster sind so individuell, dass das gut geht. Bisher habe ich kaum Dubletten, die Rückwanderzeit hat auch noch nicht richtig eingesetzt, aber nächstes Jahr wird das sicher interessanter. Ich habe jetzt zumindest schon deutlich über 150 verschiedene Individuen auf Fotos, fast alles „Eberdinger“. Zusammen mit den „Weissachern“ haben wir dieses Jahr schon über 300 lebende Salamander über die Straße getragen, die Statistik ist noch nicht ganz fertig. Dazu kommen noch die toten Tiere und die anderen Lurche.

So lohnen sich die nächtlichen Spaziergänge bei Regenwetter wenigstens, denn es kann schon anstrengend werden, weil wir ja tagsüber ganz normal arbeiten gehen. Aber wenn wir „Sammler“ uns mal treffen, wir sprechen uns meistens nicht vorher ab sondern gehen je nach Wetterbedingungen, wird es auch ganz lustig des nächtens bei Regen auf einsamen Landstraßen. Und die süßen Salamander mit ihren Patschehändchen oder die Kröten mit ihren schönen goldenen Augen und die Molche, deren Lebendfund ähnlich einem Lottotreffer ist, sind es uns wert.

Ärgern tun wir uns allerdings, wenn die Ritzen der Trockenmauern zur „Sanierung“ zugespachtelt werden, und auch über die geplante Ortsumgehung von Heimerdingen, die ein weiteres Stück des Waldes durchschneiden wird. Der Wald ist ja nicht nur Lebensraum der Salamander, die auch nicht nur im Bereich der K 1688, sondern ebenso auf den anderen durchführenden Straßen gefunden werden, sondern auch ein Teilstück der europaweiten Wildwechselwege. Die steilen Straßenböschungen entlang unserer Sammelstrecke haben mehrere richtige Rutschbahnen, wo die größeren Tier den Hang herunterkommen, um die Straße zu queren. Und beim Straßenbau werden Wildquerungen leider so gut wie nie eingeplant. Zudem scheinen durch Bautätigkeiten in Weissach unterirdische Wasserführungen, die auch den Strudelbach füllen, abgeschnitten worden zu sein. Was das bewirkt, wird man noch sehen. Es ist ärgerlich, dass die Natur bei Bautätigkeiten immer und überall das Nachsehen hat und so wenig wertgeschätzt wird. Ihre Bedeutung wird total unterschätzt.

Für dieses Jahr ist für uns die Saison zu Ende, bei den Salamandern geht es weiter mit der Paarungszeit, jetzt müssen sie aber alleine zurechtkommen.

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