Baden-Württemberg

Einziges Luchs-Weibchen im Land ist tot

Es ist ein herber Rückschlag für das Auswilderungsprojekt im Südwesten, zumal auch männliche Tiere immer wieder überfahren werden oder verschwinden.

  • Da war sie noch quicklebendig: die Luchsin Finja bei ihrer Auswilderung im Dezember 2023 im Nordschwarzwald.Foto: dpa/Uli Deck

    Da war sie noch quicklebendig: die Luchsin Finja bei ihrer Auswilderung im Dezember 2023 im Nordschwarzwald.Foto: dpa/Uli Deck

Finja hat es nicht geschafft: Nur sieben Monate nach ihrer Auswilderung im Nordschwarzwald bei Gernsbach ist das knapp dreijährige Luchs-Weibchen umgekommen, wie das Forstministerium am Mittwoch mitgeteilt hat. Dieses Mal war es nicht der Straßenverkehr, der schon öfters die kleine Luchs-Population im Südwesten dezimiert hat, sondern eine Krankheit.

Da das Tier mit einem Sender ausgestattet war, bemerkten die Fachleute schnell, dass Finja nicht mehr weiterzog – bei einer Kontrolle fanden sie es an einem Beuteriß in einem „sehr schlechten Zustand“ vor, wie das Ministerium schreibt. Tierärzte aus dem Zoo in Karlsruhe versuchten zu helfen, doch die Behandlungen hätten nicht angeschlagen. „Zur Vermeidung weiteren Leidens musste das Tier leider eingeschläfert werden“, sagte Minister Peter Hauk (CDU).

Das ist ein bitterer Rückschlag für das Auswilderungsprogramm des Landes, denn Finja war bisher das einzige Weibchen im Südwesten. Im Gegensatz zu den Wölfen wandern bei den Luchsen die Weibchen nicht weit, sodass die hier lebenden Männchen, Kuder genannt, wahrscheinlich nie eine Partnerin finden würden. Hauk initiierte deshalb mit starkem persönlichem Einsatz dieses Programm – bis 2027 sollen bis zu zehn Tiere, vorwiegend Weibchen, im Land ausgesetzt werden. Mindestens 1,8 Millionen Euro will das Land dafür einsetzen. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg (FVA), der WWF und der Landesjagdverband kooperieren bei dem Projekt.

Peter Hauk betonte, dass Finja sich gut im Schwarzwald eingelebt hatte und regelmäßig Rehe und manchmal Hasen und Füchse erbeutet habe. Sie habe zuvor auch alle genetischen, medizinischen und verhaltensökologischen Untersuchungen erfüllt. . Nun soll die genaue Todesursache geklärt werden. Das werde aber mehrere Wochen dauern.

Zu allem Unglück ist auch das männliche Tier Lias, das sich seit 2018 im Donautal aufgehalten hatte, seit einem vollen Jahr verschwunden. „Das Halsband sendete plötzlich nicht mehr, und es gibt auch keine Rehriße mehr oder Bilder von Fotofallen“, sagt der Ranger Armin Hafner, der Lias eng betreut hatte. Im Januar war zudem ein junger Luchs auf der A 8 bei Remchingen (Enzkreis) überfahren worden, der Finja ein Partner hätte werden können. Zu Nachwuchs kam es jedenfalls nicht. Vermutlich streifen deshalb nur noch zwei Kuder durch das Land: Toni im Nord- und Wilhelm im Südschwarzwald. Wilhelm ist das am längsten nachweisbare Tier; seit 2015 lebt es hier. Die meisten Luchse sind aus der Schweiz eingewandert.

Trotz des Verlustes will das Land an seinem Projekt festhalten. Offenbar gibt es bereits wieder ein Tier, das in absehbarer Zeit in die Freiheit entlassen werden soll. Laut einem Internetbericht sollen zwei einjährige Luchse, ein Männchen und ein Weibchen, die im belgischen Tierpark Han sur Lesse geboren sind, im Schwarzwald und im Thüringer Wald ausgesetzt werden. Die Tiere werden bis zu ihrer Auswilderung relativ abgeschieden gehalten, damit sie sich nicht an den Menschen gewöhnen. Durch den Tod Finjas ist diese Planung nun womöglich wieder offen.

Die Nabu-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes betonte jedenfalls, jetzt sei die Ursachenforschung wichtig, um Lehren für die Zukunft ziehen zu können. „Die traurige Botschaft zeigt einmal mehr, wie schwierig es ist, bedrohte oder ausgerottete Arten zurückzuholen“, so Ickes. Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband sagte, der Tod von Wildtieren gehöre in der Natur zum Alltag: „Dennoch ist der Verlust von Luchsin Finja von besonderer Bedeutung, da sie Hoffnungsträgerin für die Bestandsstützung der heimischen Luchse war.“ Der FDP-Landtagsabgeordnete Klaus Hoher sagte dagegen, dem Luchs fehlten bei uns die Futtergrundlage, die entsprechenden Flächen und die verkehrsfreien Zonen: „Der Südwesten ist kein geeigneter Ort für die Artenschutzromantik der Landesregierung.“

Datenschutz-Einstellungen