Panorama

Hohe Haftstrafen für „Boystown“-Betreiber

Mehr als eine Million Beiträge von schwerer sexueller Gewalt an Kindern fanden Ermittler auf der Darknet-Plattform „Boystown“. Nun sind die Betreiber verurteilt worden.

  • Einer der Angeklagten im „Boystown“-Prozess wird in den Gerichtssaal geführt.Foto: dpa/Boris Roessler

    Einer der Angeklagten im „Boystown“-Prozess wird in den Gerichtssaal geführt.Foto: dpa/Boris Roessler

Das Landgericht Frankfurt am Main hat die Betreiber der illegalen Darknetplattform „Boystown“ zu langen Haftstrafen verurteilt. Die vier Männer erhielten Strafen zwischen sieben Jahren und zwölf Jahren, wie ein Gerichtssprecher am Dienstag sagte. Gegen zwei von ihnen wurde eine anschließende Sicherungsverwahrung verhängt.

Die Angeklagten wurden wegen bandenmäßiger Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Inhalte, des Herstellens von Kinderpornografie sowie zum Teil schweren sexuellen Missbrauchs verurteilt. Zwei von ihnen galten als Köpfe der Plattform.

„Boystown“ war nach Ansicht des Gerichts international ausgerichtet, hatte Chatbereiche in verschiedenen Sprachen und diente dem weltweiten Austausch von Abbildungen, die überwiegend den sexuellen Missbrauch von Jungen dokumentierten. Es habe mehr als 400.000 Mitglieder gegeben, die bis zur Abschaltung der Plattform im April 2021 mehr als eine Million Forenbeiträge erstellt hätten.

42-Jähriger arbeitete mit Ermittlern zusammen

Ein 60-Jähriger, der in Paraguay festgenommen worden war, muss acht Jahre ins Gefängnis. Gegen einen 66-Jährigen aus Hamburg verhängten die Richter eine Strafe von sieben Jahren. Der 42-Jährige und der 49-Jährige wurden zudem wegen schwerer sexueller Gewalt gegen Kinder verurteilt.

Die Richter sprachen von „erheblicher krimineller Energie“ der Angeklagten. Über Jahre hinweg und international seien auf der Plattform Dateien ausgetauscht worden. Sexueller Missbrauch habe immer psychische und physische Folgen für die Opfer, die in ihrem Ausmaß nicht vorhersehbar seien, sagte der Vorsitzende Richter Christian Annen.

Die Richter würdigten in ihrer Urteilsbegründung zugleich, dass der 42-Jährige mit den Ermittlern umfassend zusammengearbeitet habe. Er habe von sich aus mitgeteilt, dass der Server sich verschlüsseln würde, wenn nicht ein Passwort eingegeben werde.

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