Kultur

„Buchenwaldkind“ Stefan Jerzy Zweig ist tot

Seine Überlebensgeschichte diente als Vorlage für Bücher und Filme. Nicht alle waren historisch korrekt. Stefan Jerzy Zweig kämpfte darum, Herr seiner Biografie zu werden. Er starb kürzlich in Wien.

  • Stefan Jerzy Zweig (1941-2024) bei einer Filmpremiere im Jahr 2015 in BerlinFoto: imago/Tinkeres

    Stefan Jerzy Zweig (1941-2024) bei einer Filmpremiere im Jahr 2015 in BerlinFoto: imago/Tinkeres

Der durch den Erfolgsroman „Nackt unter Wölfen“ bekannte Holocaust-Überlebende Stefan Jerzy Zweig ist tot. Der Mann, der als Kleinkind im Konzentrationslager Buchenwald von anderen Mithäftlingen vor der Ermordung bewahrt wurde, starb bereits am 6. Februar im Alter von 83 Jahren in Wien, wie dpa erfuhr. Zuvor hatte das österreichische Magazin „Profil“ vom Tod des Mannes berichtet, dessen Geschichte als Grundlage für mehrere Bücher und Fernsehfilme diente. 

DDR-Bestseller „Nackt unter Wölfen“

Zweig wurde am 28. Januar 1941 in Krakau geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er im jüdischen Getto von Warschau und in Zwangsarbeitslagern. Als Zweig drei Jahre alt war, wurde die Familie getrennt. Seine Mutter und Schwester wurden in das KZ Auschwitz in den Tod geschickt. Der kleine Junge und sein Vater wurden nach Buchenwald verschleppt. Dort überlebte Zweig unter der Obhut von politischen Gefangenen.

Bruno Apitz, selbst ein Buchenwald-Überlebender, setzte dem Jungen und seinen Rettern mit dem Roman „Nackt unter Wölfen“ ein literarisches Denkmal. Das 1958 in der publizierte Buch wurde in der DDR zur Schullektüre und zum Bestseller. Auch wegen der mehrfachen Verfilmung des Romans wurde Zweig als „Buchenwaldkind“ bekannt.

Kindertransport in das KZ Auschwitz

Jahrzehnte später führte die Frage, wie Zweig vor einem Kindertransport in das KZ Auschwitz bewahrt wurde, zu Debatten. Er wurde nämlich im letzten Moment von der Transportliste gestrichen und ein Sinto-Junge namens Willy Blum wurde mit der für Zweig vorgesehenen Listennummer in den Tod geschickt.

Zweig wehrte sich in Prozessen gegen Darstellungen, wonach er sein Leben nur dem Sterben eines anderen verdanke. Historische Forschungen haben mittlerweile ergeben, dass sich Blum kurz vor dem Transport freiwillig gemeldet hatte, um seinen kleinen Bruder nach Auschwitz zu begleiten.

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