Baden-Württemberg

Lucha weiter für Masken in Bus und Bahn

Der Bundesverkehrsminister Wissing bringt ein Ende der Maskenpflicht im Nahverkehr ins Spiel. Der Landessozialminister hält das für falsch. Lob kommt von den Verkehrsunternehmen.

  • Wie lange müssen in Bussen und Bahnen noch Masken getragen werden?Foto: imago images/Horst Ru/l

    Wie lange müssen in Bussen und Bahnen noch Masken getragen werden?Foto: imago images/Horst Ru/l

Das baden-württembergische Sozialministerium hält nichts von einem vorzeitigen Ende der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. Minister Manfred Lucha (Grüne) stehe dem entsprechenden Vorstoß des Bundesverkehrsministers Volker Wissing (FDP) „aus infektiologischer Hinsicht zum jetzigen Zeitpunkt sehr skeptisch gegenüber“, sagte ein Ministeriumssprecher. Wis­sing hatte erklärt, er sehe angesichts sinkender Coronazahlen und einer bereits verkündeten EU-weiten Lockerung der Maskenpflicht in Flugzeugen auch bei Bussen und Bahnen einen Anpassungsbedarf.

Für den Flug- und Fernverkehr ist der Bund zuständig. Das Maskengebot im Nahverkehr liegt im Verantwortungsbereich der Länder. Allerdings werde man auch weiterhin versuchen, die Vorgaben aufeinander abzustimmen, sagte der Sprecher des Sozialministeriums. Man werde sich im Kreise der Gesundheitsminister zu dem Thema noch austauschen, kündigte er an. Die Maske sei aber eine sehr einfache Möglichkeit, sich effektiv vor Infektionen mit dem Coronavirus zu schützen.

VVS begrüßt Wissings Vorstoß

Von den Verkehrsunternehmen wurde Wissings Vorstoß begrüßt. Nachdem die Maskenpflicht in nahezu allen Bereichen gefallen sei, halte er es für vertretbar, auch im öffentlichen Verkehr (ÖPNV) darauf zu verzichten, sagte der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Stuttgart (VVS), Horst Stammler. Auch in zahlreichen Nachbarländern sei die Maskenpflicht im ÖPNV schon gefallen. „Unsere Schweizer und dänischen Kollegen haben uns von keinen negativen Reaktionen berichtet“, sagte Stammler.

Der Geschäftsführer des Verbandes baden-württembergischer Omnibusunternehmer (WBO), Witgar Weber, verwies darauf, dass in Reisebussen in Baden-Württemberg seit Anfang April kein Mund-Nasen-Schutz mehr vorgeschrieben sei. „Dort entscheidet der Fahrgast, wie er sich wohler fühlt.“ Es sei deshalb konsequent, solche Überlegungen nun auch für den ÖPNV anzustellen. „Die Fahrgäste beschließen selber, ob sie mit oder ohne Maske Bus fahren. Wenn das dazu führt, dass sich die Fahrgastzahlen wieder erhöhen, umso besser.“

„Die Maske wird ja nicht verboten“

Allerdings ist unklar, ob die Maskenvorschrift tatsächlich viele Menschen abhält. Immer noch liegen die Fahrgastzahlen ein Viertel unter dem Vor-Corona-Stand. Daran dürfte nach Ansicht von Experten vor allem das Homeoffice schuld sein. Von einem „heiklen Thema“ sprach der Landesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Stefan Buhl. Die einen würden von der Maske abgeschreckt, anderen fühlten sich nur durch die Maskenpflicht sicher im Zug. Er persönlich tendiere dazu, jetzt zum Prinzip der Eigenverantwortung zurückzukehren. „Die Maske wird ja nicht verboten.“

Der Nürtinger Bundestagsabgeordnete und Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel kritisierte, dass Wissing seinen Vorstoß nicht mit den Gesundheitsfachleuten der Regierungsfraktionen abgesprochen habe. „Denn einerseits sinkt erfreulicherweise die Inzidenz und es gibt weniger schwere Erkrankungen. Andererseits werden die Busse und vor allem Züge wieder stärker genutzt.“ Gastel erinnerte in diesem Zusammenhang an das Neun-Euro-Ticket, das in den kommenden drei Monaten für sehr volle Züge sorgen könnte. „Es gilt also einen Weg zu finden, der dem Gesundheitsschutz ebenso gerecht wird wie der ungetrübten Freude am Reisen mit Bus und Bahn“, sagte Gastel.

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