Noch fehlt Cedrik-Marcel Stebe der Killerinstinkt

Erstellt: 27. Januar 2012
Noch fehlt Cedrik-Marcel Stebe der Killerinstinkt Mit seiner beidhändig geschlagenen Rückhand übt Cedrik-Marcel Stebe mächtig Druck auf seine Gegner aus. Foto: Küppers

Talheim (nac). Ein lockerer Aufgalopp in der ersten Runde bei einem ATP-Challenger-Turnier sieht anders aus. Doch Cedrik-Marcel Stebe meisterte seine Aufgabe bei den Heilbronn Open gegen Simon Greul souverän. Allerdings hätte das Ergebnis deutlicher ausfallen können als 6:4 und 6:4. Doch Stebe ließ in manchen Phasen den Killerinstinkt vermissen.

Wenn Cedrik-Marcel Stebe Tennis spielt, dann macht der Enzweihinger das mit einer äußerlichen Ruhe und Gelassenheit, die seines Gleichen sucht. Stöhner und Ächzer bei jedem Schlag, wie es in Stebes Auftaktmatch sein Kontrahent Simon Greul aus Stuttgart praktizierte, sind ihm fremd. Auch Emotionen behält er auf dem Platz lieber für sich. Nur einmal hat man ihm seine Anspannung angemerkt. Als Stebe sich im neunten Spiel des zweiten Satzes nach zwei Breakbällen und einem Spielball für Greul mit einem passierball diagonal erneut einen Breakball erspielte, ballte der 21-Jährige die Faust und feuerte sich selbst mit den Worten an: „Come on.“ („Auf geht’s.“). Mit dem nächsten Ballwechsel gelang Stebe das Break zum 5:4.

Ganz anders sah es da bei Christian Rauscher aus. Stebes Fitnesstrainer, der mit Alexander Waske, dem Mitbegründer und Headcoach der Schüttler-Waske-Tennis-University in Offenbach, bei der Stebe trainiert, in einer Box am Spielfeldrand saß, fieberte mit dem Enzweihinger mit. Immer wieder feuerte er Stebe an: „Gut gemacht.“ Oder Rauscher spendete anerkennend Applaus. Stebe, der immer wieder Blickkontakt mit seinen Trainern suchte, freute sich über die Unterstützung: „Es ist wichtig, Halt zu suchen und zu wissen, dass jemand draußen sitzt, der einen aufmuntert und pusht.“

Und Aufmunterung hatte Stebe immer wieder nötig. Denn nach Phasen, in denen es aussah, als ob der 21 Jahr alte Enzweihinger Greul vom Platz fegen würde, kam es zu Einbrüchen bei Stebe. „Es ist immer schwer in der ersten Runde. Da kennt man die Bedingungen auf dem Centercourt noch nicht“, erklärte die Nummer 83 der Welt. „Ich habe teilweise gutes Tennis gespielt. Doch dann habe ich auch immer wieder nachgelassen. Und Greul hat gekämpft bis zum Umfallen.“ So kämpfte sich der Stuttgarter im ersten Satz ins Spiel zurück, nachdem Stebe ihm zweimal den Aufschlag zum 4:1 abgenommen hatte. Doch bereits im nächsten Spiel konterte Greul. Mit dem spektakulärsten Ballwechsel des Matches holte sich der 30-Jährige den ersten Breakball. Nachdem Stebe den Ball beim Aufschlagreturn mit der Schlägerkante getroffen hatte, hatte Greul auf 2:4 verkürzt. Sein folgendes Aufschlagsspiel holte sich der Stuttgarter mit einem Ass.
Stebe schien davon zunächst unbeeindruckt. Doch plötzlich brachte er seinen ersten Aufschlag nicht mehr ins Feld. Damit musste der Enzweihinger nach 40:0 zweimal über Einstand gehen, ehe er sein Aufschlagsspiel zum 5:3 durchbrachte. Nach 47 Minuten war es dann aber soweit. Stebe verwandelte seinen zweiten Satzball zum 6:4.

Auch der zweite Durchgang begann nach Maß für den Enzweihinger. Stebe nahm Greul sein zweites Aufschlagsspiel des Satzes zum 2:1 ab und erhöhte danach bei eigenem Service, das er souverän zu null gewann, auf 3:1. Auch im darauffolgenden Spiel blieb der 21-Jährige in der Erfolgsspur. Zwei Breakbälle hatte sich Stebe erspielt. Doch dieses Mal musste er den Einstand hinnehmen. Auch ein dritter Breakball brachte nicht das Spiel. Stattdessen nutzte Greul seinen zweiten Spielball zum 2:3. Das Momentum schien sich langsam zu Gunsten des Stuttgarters in diesem Durchgang zu drehen. Doch Greul unterliefen zu viele leichte Fehler. Mit wenigen Ausnahmen schlug er zum Beispiel alle Bälle, die ihm Stebe auf dem Präsentierteller hinspielte, ins Aus oder ins Netz. Dennoch gelang Greul dank eines Doppelfehlers von Stebe und eines perfekten Longlinereturns das Break zum 4:4-Ausgleich. Doch Stebe nahm seinem Kontrahenten direkt im Anschluss erneut den Service ab. Das nächste Aufschlagspiel Stebes war für den 21-Jährigen dann nur noch Formsache.
In der zweiten Runde ist der Enzweihinger bereits gestern Abend (das Spiel war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) auf Benjamin Becker getroffen. Und vor der ehemaligen Nummer 38 in der Welt – aktuell aber nur noch die Nummer 304 – hat Stebe Respekt. „Das ist kein leichter Gegner. Ich muss gegen ihn mein bestes Tennis spielen, um zu gewinnen“, erklärt der 21 Jahre alte Enzweihinger.

Der Enzweihinger hat ein Luxusproblem

Talheim/Enzweihingen (nac/all). Wenn sich Cedrik-Marcel Stebe bei den Heilbronn Open durch die Gänge des Tenniscenters in Talheim schiebt, dann kann der 21-jährige Enzweihinger das noch völlig entspannt tun. Die Autogrammjäger sind bei dem ATP-Challenger-Turnier zurückhaltend. Medienvertreter sind da ein ganz anderes Kaliber. „Ich wurde in den vergangenen Tagen sehr oft auf mein Match gegen Lleyton Hewitt bei den Australian Open angesprochen“, berichtet der Linkshänder. Trotz der Vier-Satz-Niederlage hat er beim Erstrundenmatch bei dem Grand-Slam-Turnier „down under“ für Aufsehen gesorgt. „Unser Cheftrainer Benjamin Ebrahimzadeh war mit ihm in Australien“, sagt Alexander Waske, Chef der Akademie in Offenbach, bei der Stebe seit rund einem Jahr trainiert. „Viele andere Trainer und Spieler sind auf Benjamin zugekommen und haben ihn auf Cedrik-Marcel angesprochen. Es gab Anfragen von Roger Federer und Rafael Nadal. Sie wollen mal mit ihm trainieren.“ Doch auch in diesem Jahr hat das bisher noch nicht hingehauen. Wie bereits 2008 bei den US Open. Damals hatte Stebe gerade das Junioren-Doppel gewonnen, als der damalige Weltranglisten-Zweite Roger Federer mit ihm eine Trainingseinheit absolvieren wollte. Damals musste Stebe absagen, weil er sonst seinen Rückflug verpasst hätte.
Dieses Mal war der Start bei den Heilbronn Open im Weg. Aber setzt Stebe seinen Weg so fort wie im vergangenen Jahr, dann ist er bald nicht mehr Sparringspartner der ganz Großen im Tenniszirkus, sondern fordert sie auf dem Weg zum Turniersieg.

Sein Weg 2011 – das war der Sprung von irgendeinem deutschen Tennisspieler zur Nummer vier im Land. Und der kometenhafte Aufstieg ist mit der Schüttler-Waske-University in Offenbach verbunden. Dort hat Stebe nun erstklassige Trainingspartner aus aller Herren Länder zur freien Auswahl, manchmal schauen auch absolute Cracks wie der Serbe Janko Tipsarevic vorbei. „Das, was uns andere Länder vorgemacht haben in der Eliteförderung, kann ja nicht grundfalsch sein“, sagt der bayrische Tennisboss Georg Schmidbauer, „die Gruppendynamik setzt eben neue Kräfte frei.“

Es entwickelt sich gerade im deutschen Tennis – auch ohne ein Diktat des Zantralverbandes – eine Laboranordnung, die aus erfolgreichen Nationen wie Frankreich oder Spanien bekannt ist: Eine Zentralisierung der besten Spieler, an einem oder ganz wenigen ausgewählten Standorten. Die Arbeit in Elite-Trainingsgruppen, in denen sich die Stars zu immer besseren Leistungen antreiben können. Und die Herausbildung eines Kadergeistes, der beflügelnd wirkt für gemeinsame Davis-Cup- oder Fed Cup-Einsätze. „Wir sind eine echte Mannschaft geworden“, sagt Philipp Petzschner, der sich lange überlegt hatte, ob er nicht wieder rund um seine Wahlheimat Pulheim Übungsmöglichkeiten suchen sollte. Nun ist er „mehr als froh“, in der Tennisschmiede der Münchner Tennis-Base, betrieben vom bayrischen Landesverband, geblieben zu sein, im Verbund nicht nur mit Philipp Kohlschreiber oder Florian Mayer, sondern auch mit nachrückenden Talenten wie Kevin Krawietz oder Matthias Bachinger. Denn auch dies gehört zu den Effekten der Kraftbündelung: Junge Spieler zieht es magnetisch dorthin, wo die Besten arbeiten.

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