Nikodemus Holler hat Glück im Unglück

Erstellt: 9. März 2013
Nikodemus Holler hat Glück im Unglück Mit 55 Kilogramm Körpergewicht bei 1,74 Meter Größe gilt Nikodemus Holler (rechts) als Bergfahrspezialist. Der Eberdinger hat aber auch Stärken im Sprint. Foto: Bürkle

Eberdingen (nac). Glück im Unglück hatte Nikodemus Holler. Im Herbst erfuhr der Straßenradfahrer, dass sein Team sich nach nur einer Saison mit Continental-Lizenz zurückzieht. Der Eberdinger stand auf der Straße. Doch dann wendete sich das Blatt. Er wurde vom Thüringer Energie Team unter Vertrag genommen, einem der renommiertesten Teams für Nachwuchsfahrer.

„Das war eine scheiß Situation“, erklärt Nikodemus Holler. Im Oktober erfuhr der Straßenradfahrer aus Eberdingen in Brasilien, dass die erste Saison mit Continental-Lizenz für seinen Rennstall Team Specialized Concept Store auch die letzte sein wird. Besonders bitter war, ist auf der Team-Homepage zu lesen, dass die Gründe für dieses überraschende Aus nicht auf der sportlichen Seite lagen, sondern auf der organisatorischen. Das war im Oktober. Holler befand sich mit der Mannschaft gerade in Südamerika bei der Rundfahrt Tour do Brasil. Mitten während der Rundfahrt eröffnete der Sportliche Leiter Dany Hirs den Fahrern die schlechten Neuigkeiten, die ihm Teamchef Hartmut Täumler am Telefon mitgeteilt hatte. „Fahrer wie ich, die ein enges Verhältnis zu Teamchef Hartmut Täumler hatten, waren geschockt. Eigentlich war klar, dass es irgendwie weitergeht. Auch die Fahrer für die neue Saison standen bereits fest“, erinnert sich Holler. Doch dann das plötzliche Aus. Und der 21-Jährige war weit weg von zu Hause, von der Familie, von seiner Verlobten Vanessa Simon und von seinen Freunden. „Ich hatte niemanden dabei, der mich aufbauen konnte. Und ich musste die Rundfahrt zu Ende fahren. Dabei hatte ich in dieser Situation doch viel Wichtigeres zu tun“, berichtet Holler.

Zudem hätte der Zeitpunkt des Rückzuges des Teams Specialized Concept Store ungünstiger nicht sein können. Holler: „Ende Oktober sind die Plätze in den Teams bereits vergeben. Alle Verträge sind unterschrieben.“ Dennoch musste es auch für den Eberdinger irgendwie weitergehen. Denn seinen Traum, Radprofi zu werden, wollte er nicht schon begraben, bevor er überhaupt richtig angefangen hatte. „Ich musste mich selbst auf die Suche machen, da ich keinen Manager hatte“, sagt Holler. „Ich habe mich also nach Teams umgeschaut, von denen ich annehme, dass ich mich bei ihnen weiterentwickeln kann.“ Und dann hieß es: Bewerbungen schreiben und sich bei Rennställen vorstellen. „Viele haben aber gesagt: ,Schade, dass du dich so spät meldest.‘, erinnert sich der 21-Jährige.

Eine Zusage gab es aber doch – aus der Schweiz. „Wenig später bekam ich aber doch eine Absage“, berichtet Holler. Warum? Das weiß der Eberdinger bis heute noch nicht genau. „Es waren fadenscheinige Begründungen“, erklärt der 21-Jährige. Und damit geriet der praktizierende Christ in die zweite Glaubenskrise innerhalb von wenigen Wochen. Holler: „Mein Glaube wurde auf eine harte Probe gestellt.“

Aber es gab noch eine Option B. „Ich hatte relativ früh über meinen Teamchef beim Rennstall Specialized Concept Store, Hartmut Täumler, erfahren, dass das Thüringer Energie Team an mit interessiert ist“, berichtet Holler. Es gab aber ein Problem. „Die Verantwortlichen des Thüringer Energie Teams erwarten von ihren Fahrern eigentlich, dass sie in Erfurt wohnen. Ich habe aber hier meine Arbeitsstelle. Ich betreue seit meinem Zivildienst einen Rollstuhlfahrer. Außerdem lebt meine ganze Familie hier“, erklärt der Eberdinger. Doch letztlich wurde er sich auch mit den Erfurtern einig. Holler: „Ich habe eine Regelung getroffen, die mir erlaubt, dass ich weiterhin in Eberdingen wohnen bleiben kann und nur zeitweise in Erfurt vor Ort sein muss.“

Letztlich ist die Verpflichtung Hollers durch das Thüringer Energie Team sogar ein Glücksfall für den 21-Jährigen. „Ich werde wie im letzten Jahr als Continental-Fahrer fahren“, erklärt der Eberdinger. „Und was die Nachwuchsförderung angeht, hat das Thüringer Energie Team in Deutschland eine Ausnahmestellung.“ In dem Erfurter Rennstall wurden unter anderem auch Tony Martin, 2012 Olympiazweiter im Einzelzeitfahren sowie Weltmeister im Einzelzeitfahren und im Mannschaftszeitfahren, und John Degenkolb, 2010 Vize-Weltmeister im Straßenrennen der U 23, ausgebildet.

Die Eingewöhnung hat auch schon geklappt. „Ich fühle mich hier superwohl. Es gibt sehr profesionelle Strukturen. Man kann sich ganz auf den Sport konzentrieren“, sagt Holler. Das lag vielleicht aber auch an den vielen Trainingslagern. Der Eberdinger war im Jahr 2013 bisher so gut wie nie zu Hause. Auch jetzt ist er schon wieder unterwegs. Seit Donnerstag befindet er sich im spanischen Altea in der Nähe von Alicante für zwölf Tage im Trainingslager. „In den letzten Trainingslagern haben wir vor allem an den Grundlagen gearbeitet. Nun beginnt die Wettkampfvorbereitung. Die Einheiten – 200 bis 250 Kilometer – werden intensiver“, berichtet der 21-Jährige. Denn am 24. März steht der Saisonauftakt an. Beim Schwarzbräu-Straßenpreis in Augsburg geht es für Holler über 135 Kilometer zum ersten Mal um Platzierungen.

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