„Es ist schön, wieder hier zu sein“

Erstellt: 9. August 2012
„Es ist schön, wieder hier zu sein“ Florian Naroska ist nach vier Jahren in Berlin wieder in seine schwäbische Heimat zurückgekehrt. Foto: Archiv/Bofinger

Vaihingen (rap). Umzug nach Stuttgart statt Einzug ins Olympische Dorf. Frühstück im Elternhaus in Vaihingen statt mit Britta Steffen und Paul Biedermann in London. Der Vaihinger Florian Naroska verpasste mit der Wasserball-Nationalmannschaft die Qualifikation für die Olympischen Spiele in London. Jetzt liegt seine Konzentration auf dem Saisonziel Klassenerhalt mit dem SV Cannstatt.

„Schön, wieder hier zu sein“, dachte Florian Naroska, als er auf der Fahrt nach Vaihingen auf Höhe der Enzweihinger Steige das Schloss Kaltenstein erblickte. Nicht weit vom Schloss verbrachte der mittlerweile 30-Jährige seine Kindheit. Nach vier Jahren in Berlin bei den Wasserfreunden Spandau kehrt Naroska wieder in die schwäbische Heimat zurück. In der neuen Saison geht er für den SV Cannstatt in der 1. Bundesliga ins Wasser, für den er schon von 2004 bis 2006 spielte. „Das Schwäbische habe ich schon ein bisschen vermisst“, erzählt Naroska. „In Berlin musste ich Hochdeutsch reden. Dort sind die Schwaben nicht so beliebt.“ Mit dem deutschen Rekordmeister Spandau holte der Nationalspieler zwar in jedem Jahr den Titel. Die erhofften Erfolge im Europapokal blieben jedoch aus. Bei seinem neuen Verein stehen nun andere Herausforderungen für Naroska bevor. Nach dem Aufstieg der Cannstatter in die Bundesliga soll er nicht nur dazu beitragen, den Klassenerhalt zu sichern, sondern auch den vielen jungen Spielern in den Reihen des Liganeulings in ihrer ersten Saison unter die Arme greifen und seine Erfahrungen weitergeben. „Ich kenne die gegnerischen Mannschaften und die Spieler. Ich weiß, wo ihre Stärken und Schwächen liegen“, sagt Naroska, der von der Qualität des SVC-Teams schon vor Beginn der Vorbereitungsphase überzeugt ist. „Für uns könnte einiges drin sein.“

Viel gelernt hat Naroska in seiner Spandauer Zeit unter dem serbischen Trainer Nebojsa Novoselac. „Die serbische Schule ist unglaublich gut“, weiß Naroska. Serbien gehört zu den Topnationen im Wasserball und ist für eine gute und gezielte Ausbildung der jungen Spieler bekannt. Eine richtige positionsspezifische Ausbildung hat er selbst dagegen nicht genossen. „Ich bin erst spät zum Wasserball gekommen“, erzählt Naroska, der als Centerverteidiger – „eine Mischung aus Schwimmen und Ringen“ (Naroska) – die kraftraubendste Position ausfüllt.

Rückschläge hatte der 1,98-Meter-Hüne im vergangenen Jahr genügend wegzustecken. Ausgerechnet im vorletzten Training vor der Weltmeisterschaft 2011 in Shanghai rissen drei Sehnen in der Schulter. „Und das bei einer Bewegung, die man schon tausendmal gemacht hat“, sagt Naroska, für den statt der WM erst einmal Stillhalten angesagt war. „Das hat mich schon gewurmt. Man konnte nicht richtig abschätzen, wann ich wieder spielen kann.“ Nach der Reha und Physiotherapie stieg er wieder langsam ins Training ein, verpasste jedoch die Hinrunde der vergangenen Saison. Erst in der Rückserie war er wieder für die Spandauer im Einsatz. „Am Anfang war das ungewohnt“, berichtet Naroska. „Ich musste mich erst wieder reinkämpfen und die Sicherheit bekommen, dass nichts reißt.“ In den Play-offs knüpfte er schnell an seine früheren Leistungen an und empfahl sich damit für die Nationalmannschaft, die die Olympia-Qualifikation für die Spiele in London meistern sollte. Im entscheidenden Spiel gegen Mazedonien brach aber das deutsche Team nach einer 3:0-Führung plötzlich ein und unterlag noch mit 4:6. „Im Vorfeld haben wir Mazedonien schon oft genug geschlagen. Aber in dem Spiel haben wir zu viele gute Chancen weggegeben und waren zu verkrampft“, blickt Naroska zurück. Der Traum von der zweiten Olympia-Teilnahme platzte.

Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking war der heute 30-Jährige dabei. „Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich an die Eröffnungsfeier denke“, erzählt er. Die Enttäuschung über die verpasste Qualifikation in diesem Jahr saß bei der diesjährigen Eröffnungszeremonie noch zu tief. So schaute er sich die Fernsehübertragung der Feier nicht an. „Die habe ich boykottiert“, erklärt Naroska. „Das wollte ich mir nicht antun. Aber ich kann wenigstens auf Peking zurückblicken und sagen: Das habe ich schon mal erlebt.“ Beim Treffen der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Hamburg feierte der Sportsoldat dennoch mit, als der Ruder-Achter Gold für Deutschland holte. Naroska: „Vier oder fünf aus dem Boot sind bei uns in der Sportfördergruppe.“

Wie es mit der Nationalmannschaft weitergeht, steht noch in den Sternen. Der Nachfolger des zurückgetretenen Bundestrainers Hagen Stamm ist noch nicht bekannt. Bei der WM im nächsten Jahr in Barcelona will Naroska mit dem Nationalteam beweisen, dass Deutschland noch zur erweiterten Weltspitze gehört. „Die Motivation ist wieder da. Die nächsten zwei Jahre Nationalmannschaft habe ich mir vorgenommen. Vielleicht auch die nächsten vier“, sagt Naroska mit Blick auf die Olympischen Spiele 2016 in der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro. „Wenn alles gut läuft und die Motivation hält, klappt es vielleicht mit Rio“, schaut er positiv in die Zukunft.

Weiterlesen

Ochsenbach à la Tote Hosen: Kein Ende in Sicht

Drucken 30/01 2014 Ochsenbach à la Tote Hosen: Kein Ende in Sicht Ochsenbach (sir). Ochsenbach. Noch haben die Faustballer des TV Ochsenbach ihre letzten Spiele in der Verbandsliga nicht gespielt – den Aufstieg in die Schwabenliga haben sie... »