Webkunst im Kreishaus

Erstellt: 20. März 2008
Webkunst im Kreishaus Kunst im Ludwigsburger Kreishaus. Foto: Wesner

Ludwigsburg (wes) – Im Kreishaus in Ludwigsburg ist seit Montag eine außergewöhnliche Ausstellung zu sehen. Textilkunst der überraschendsten Art wird auf den Ebenen vier bis neun des Gebäudes bis zum 18. April gezeigt. Die Bildweberin Tille Beurer aus Markgröningen und sieben ihrer Schülerinnen zeigen ihre eindrucksvollen Werke.
Der Hausherr, Ludwigsburgs Landrat Dr. Rainer Haas, stellte in seiner Begrüßungsrede fest: „Webekunst ist eine ganze spannende Angelegenheit“ und dies empfanden auch die sehr zahlreich erschienenen Besucher der Vernissage so. Kaum jemand hat sich bisher vorstellen können, welche vielfältigen Möglichkeiten in der uralten kunsthandwerklichen Tätigkeit des Webens leben. Beim Rundgang durch diese reichhaltige Ausstellung mit insgesamt 104 Exponaten begegnen dem Betrachter nicht nur überaus ansprechende, sowohl sehr konkrete als auch immer wieder abstrakte Gestaltungen der Arbeiten in opulenter und zugleich höchst differenzierter Farbenfülle, sondern verblüfft erkennen sie, dass selbst ungewöhnliche Materialien wie Holz, Folien, Zelluloidstreifen, Pferdehaar, Bast, Rinde und sogar Knochen in solche Webkunstwerke integriert wurden. Dergleichen hat eigentlich kaum ein Teilnehmer an der Eröffnungsveranstaltung erwartet.
In die Ausstellung führte der frühere Baubürgermeister von Heilbronn, Ulrich Frey, ein. Er nimmt selbst einmal in jedem Jahr bei Tille Beurer an einem Webkunst-Workshop teil und trug während seiner informativen Rede deshalb auch voller Stolz einen mit eigener Hand gewebten Schal. Der Redner erinnerte die Zuhörer an die frühe Entwicklung des Webens, die bereits Jahrhunderte vor der Geburt Christi einsetzte. Im Mittelalter war es ehrenvoll, die Webkunst zu beherrschen und selbst von Königinnen wurde sie gepflegt, denn das war schon immer in erster Linie eine von Frauen ausgeführte Tätigkeit. Die Bauhaus-Bewegung unternahm im 20. Jahrhundert erfolgreiche Versuch, das Handwerk und die Kunst des Webens miteinander zu verbinden. Und es geht dabei, wie auch die Ludwigsburger Ausstellung belegt, um fortwährendes experimentieren, betonte Ulrich Frey.
In der Ausstellung sind außer den Werken von Tille Beurer, die seit mehr als 30 Jahren die Webkunst pflegt, Arbeiten mit zum Teil absolut malerischem Ausdruck von Gertrud Baumeister aus Markgröningen, Martina Hoffmann-Seidel aus Remseck, Ursel Ihring aus Eberdingen, Susanne Niesel aus Murnau in Oberbayern, Brigitte Perret-Kaiser aus Freudental, Christel Pflaum aus Bietigheim-Bissingen sowie Ulrike Veigel aus Ingersheim zu sehen. Sie alle ließen sich irgendwann von dem Web-Virus infizieren und sie schätzen daran nicht nur die meditative Komponente des Webens, sondern vor allem die kreative Freiheit, die ihnen diese Freizeittätigkeit schenkt.
Eigentlich wird im Kreishaus eine Doppelausstellung gezeigt, denn im Konferenzbereich zeigen vier Lehrerinnen Patchwork-Arbeiten, die sie zum Teil selbst, aber in großer Zahl mit ihren Schülerinnen und Schülern an Grund- und Hauptschulen, Förderschulen oder Werkrealschulen aus Freiberg, Ditzingen, Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg gestalteten. Hier ist der Umgang mit schönen Stoffen, die unendlich viele Wege zu schöpferischem Gestalten eröffnen, die Triebfeder für die Schaffung außerordentlich beeindruckender Kunstwerke.
Öffnungszeiten: montags bis mittwochs von 8 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr, freitags nur bis 13 Uhr.

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