Was kostet der Fahrradweg?

Erstellt: 23. April 2009
Was kostet der Fahrradweg? Was kostet der Fahrradweg? Zwischen Stadt und Bürgerinitiative gibt es große Differenzen in der Schätzung. Foto: Bögel

Vaihingen (ub) – Am 13. Mai wird der Vaihinger Gemeinderat vermutlich den Termin für den ersten Bürgerentscheid in der Geschichte Vaihingens bestimmen. Wenn rund 5200 Wahlberechtigte einem Fahrradweg auf der alten WEG-Trasse zustimmen, muss dieses Projekt verwirklicht werden. Die VKZ stellt heute die Kostenschätzungen der Stadtverwaltung Vaihingen und der Initiative „Fahrradbahn Vaihingen“ gegenüber.
Gegenüber den ursprünglichen Ansätzen haben sich die Positionen leicht modifiziert. Die Stadt kommt bei einem Umbau der sieben Kilometer alten Bahntrasse von Enzweihingen nach Kleinglattbach zum Radweg auf geschätzte Kosten von 1,64 Millionen Euro. Die Initiative, die mittlerweile über 3600 Unterschriften für ein erfolgreiches Bürgerbegehren sammelte, rechnet mit Kosten von 780000 Euro. In keinem dieser Beträge sind die Kosten für eine eventuelle Beleuchtung, die mit rund 200000 Euro veranschlagt wird, enthalten.
Wegebau: Hier rechnet die Stadtverwaltung für die sieben Kilometer lange Piste mit rund 572000 Euro. Das ist der Betrag für eine Asphaltdeckschicht. „Wir halten dies für angemessen, weil dies auf Dauer günstiger ist“, sagt Oberbürgermeister Gerd Maisch. Bei einem Schotterbelag müsse man regelmäßig nachbessern und es entstünden höhere Folgebetriebskosten. Wenn der Radweg auch als Schulweg genutzt werden soll, müsse er auch im Winter funktionieren.
Die Initiative geht von Kosten von 349000 Euro bei einem Weg mit wassergebundener Deckschicht aus. Man könne auch mit einem Schotterbelag gut leben: „Es ist wichtig, dass wir unsere Kinder lieber heute als morgen von den gefährlichen Straßen runterbekommen“, sagt Rudolf Reuter, Sprecher des Aktionsbündnisses. Bei einer Asphaltdeckschicht schätzt die Initiative die Kosten auf 517000 Euro – keine große Differenz zu den Angaben der Stadt.
Gleisausbau: Hier gibt es deutliche Unterschiede. Die Verwaltung beruft sich hier auf eine telefonische Preisanfrage im Jahr 2007 bei der Firma Leonhard Weiss (Satteldorf/Hohenlohe). 234000 Euro werden hier aufgelistet.
 Die Initiative liegt ein schriftliches Angebot der Firma Weiss vom 7. April 2009 vor. Für die Dauer von zehn Tagen wird für den Ausbau der Gleisanlagen mit 59000 Euro gerechnet. Exakt aufgerechnet sind die Menge der Schienen (600 Tonnen beziehungsweise 14000 Meter Schienenstrang) und die der Holzschwellen (11000 Stück beziehungsweise 1000 Tonnen).
Entsorgung: Bei der Entsorgung von Schienen und Schwellen verweist die Stadtverwaltung auf eine telefonische Preisanfrage: 8000 Euro müssten so noch bezahlt werden. Entscheidend sind hier aber die Tagespreise von Schrott. Die Initiative rechnet mit einem Schrotterlös von 90000 Euro und mit 60000 Euro, die für die Entsorgung der Schwellen bezahlt werden müssten. Unterm Strich werden in der Aufstellungsbilanz minus 30000 Euro verbucht.
Bauwerke: Hier liegen die Kostenschätzungen von Stadtverwaltung und Initiative um über 160000 Euro auseinander. Die Stadt geht für die Instandsetzung beziehungsweise den Neubau der vier Brücken (Enzbrücke bei Enzweihingen, Franckstraße, Heilbronner Straße und Fuchsloch) von Kosten in Höhe von 413000 Euro aus. „Diese Schätzung basiert auf einer Brückenprüfung durch ein Ingenieurbüro“, sagt OB Maisch.
Initiativen-Sprecher Rudolf Reuter, selbst Brückenbauingenieur beim Regierungspräsidium, hat mittlerweile die Prüfberichte von der Verwaltung bekommen. Einig sei man sich mit der Stadt, dass der Abriss der Brücke im Fuchsloch nötig sei. Reuter geht von Abrisskosten von 10000 Euro und von 107000 Euro für einen Ersatzbau (Drei-Feld-Brücke) aus. Bei der Brücke über die Heilbronner Straße will Reuter den über 100 Jahre alten Stahlüberbauträger durch eine Aluminium-Konstruktion ersetzen. Seine kalkulierten Kosten: 47500 Euro (Stadt: 58000 Euro). Die Brücke über die Franckstraße sei, so die Initiative, in einem guten Zustand. 25000 Euro seien hier für Instandsetzungsarbeiten nötig; die Stadt geht von 42000 Euro aus.
Die aufwendigste Sanierung ist bei der 91 Meter langen und 58 Jahre alten Enzbrücke nötig. Hier kommen die Brückenprüfer auf die Zustandsnote 3, was einem kritischen Bauwerkszustand entspricht. Um die Zustandsnote 2 (befriedigender Bauwerkszustand) zu bekommen, reichen nach Berechnungen der Initiative Investitionen von 95000 Euro. Reuter: „Dieses Geld müsste man allerdings auch ausgeben, wenn die Brücke nicht als Radweg genutzt werden würde.“ Einsparungen lassen sich nach Angaben von Reuter erreichen, wenn man nicht, wie vom Ingenieurbüro gefordert, den kompletten Brückentrog leer räumt, sondern punktuell aufgräbt. Auch können Kosten wie eine Schutzplanke mit der Straßenbauverwaltung abgerechnet werden. Bei der Enzbrücke kommt Reuter zusammen mit 22000 Euro, die speziell für den Radweg ausgegeben werden müssten, auf einen Betrag von 117000 Euro. Die Stadt kalkuliert mit 200000 Euro.
Insgesamt schlägt der Posten Bauwerke bei der Initiative mit 260000 Euro zu Buche.
Baunebenkosten: Bei den Baunebenkosten geht die Stadtverwaltung von 150000 Euro aus. Maisch: „Da haben wir die üblichen zwölf Prozent eingestellt.“ Der Oberbürgermeister weiter: „Es plant sich nicht von alleine und die Ausschreibung macht auch nicht der Heilige Geist.“
Von der Initiative werden diese Kosten als zu hoch eingestuft. Zuerst wurde dieser Posten nicht berücksichtigt, in einer aktuellen Schätzung, die auch heute im Internet (www.fahrradbahn-vaihingen.de) veröffentlicht wird, sind nun Kosten von 30000 Euro eingestellt.
Einschließlich der Mehrwertsteuer von 19 Prozent legt die Stadt eine Kostenschätzung von 1,64 Millionen Euro vor, die Initiative „Fahrradbahn Vaihingen“ eine Schätzung von 780000 Euro. Am Montag geht das Thema Fahrradbahn in die kommunalen Gremien – den Auftakt macht der Stadtteilausschuss.

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