Vaihinger Wirtschaftsgespräch bei Bausch

Erstellt: 25. Oktober 2008
Vaihinger Wirtschaftsgespräch bei Bausch Vaihinger Unternehmer bei Bausch. Fotos: Arning

Kleinglattbach (aa)  – Treffpunkt Bausch-Kantine. Das sechste Vaihinger Wirtschaftsgespräch der Stadtverwaltung Vaihingen führt in einen Traditionsbetrieb, in dem die Vesper-Sirene noch ihre Bedeutung hat. Sie macht auch am Donnerstagabend deutlich: hier wird geschafft! Bausch und die benachbarte Firma Fakir waren fürs Programm verantwortlich.
Von Oberbürgermeister Gerd Maisch ist Dank angesagt. „Wir erwarten in diesem Jahr Gewerbesteuereinnahmen von über zehn Millionen Euro. Davon kommen zwar drei Millionen aus Nachzahlungen, aber es ist die höchste Summe, die wir jemals an Gewerbesteuer eingenommen haben.“ Und Kämmerer Jürgen Liegmann ergänzt: „Mit Abstand!“ Das zeige, dass man gut aufgestellte Betriebe in der Stadt habe. Maisch bekräftigt, dass die Stadt den Unternehmen ein kompetenter Partner sein wolle: „Und ich maße es mir an zu sagen: Wir sind es auch.“ Natürlich könne man nicht immer alle Wünsche erfüllen.
Als Partner stellt sich den Unternehmern der neue Leiter der Arbeitsagentur Ludwigsburg, Johannes Klapper, vor. Er freue sich auf seine neue Aufgabe in einem spannenden Bezirk und werde überall toll empfangen. Klapper will die Arbeitsmarktdaten für den Kreis nicht paradiesisch nennen, „sonst kommt vielleicht manch einer auf die Frage, was denn die Agentur noch zu tun hat“.
„Wir hatten 2008 ein sehr gutes Jahr – bis zum September.“ Bei dieser Aussage von Kurt Bausch, Geschäftsführer der Dr. Karl Bausch GmbH & Co. KG, können viele Gäste nur aus eigener Erfahrung nicken. „Wir hoffen, dass wir noch gut über die Runden kommen. Doch ich habe vor dem Hintergrund der momentanen Lage große Bedenken, dass wir zum Jahresende noch volle Arbeit anbieten können.“ Bausch gilt als Top-Adresse in Sachen Werkzeugbau, Stanzen und Weiterverarbeitung. Zahlen aus der Geschichte: 1949 gegründet, 1955 Bezug eines eigenen Betriebsgebäudes, 1957 eigener Werkzeugbau, 1960 Kauf des ersten Stanzautomaten, 1965 Aufbau einer Aluminium-Druckgießerei, 1994 Aufnahme der Pulverbeschichtung, 1995 Gründung eines Werkes in Budapest (Werkzeug- und Formenbau), 2002 Übernahme der Firma Hauser in Riet, 2003 Erweiterung des Werkzeugbaus in Vaihingen, 2006 Kauf eines Teils des Fakir-Geländes.
Das Unternehmen, geleitet von Kurt und Günther Bausch, hat seinen Umsatz von 2002 bis 2007 nahezu verdoppelt (auf 43 Millionen Euro). Am Standort Vaihingen/Kleinglattbach gibt es derzeit 365 Beschäftigte (2002 waren es 240), davon 16 Auszubildende. In Ungarn sind 60 Mitarbeiter in Lohn und Brot.
 Jährlich werden rund 24000 Tonnen Blech zu 25 Millionen Motorenteilen verarbeitet. Die Produkte von Bausch findet man in Elektrowerkzeugen aller Art. Insgesamt hat das Unternehmen die Vision, mit Kompetenz, Qualität und Zuverlässigkeit die Technologieführerschaft im Bereich Stanzen und Stanzpaketieren von Elektroblechen und Motorenblechen zu erhalten und sich durch die Herstellung anspruchsvoller Teile für Spezialanwendungen weiter zu etablieren. Dafür sieht man im „Zentrum der Stanzer“, wie der Großraum Vaihingen in der Fachwelt bezeichnet wird (neben Bausch sind Kienle + Spiess sowie die Sersheimer Firma Grau erste Adressen), gute Chancen.
Und das Fazit bei der Stadtverwaltung nach dem Wirtschaftsgespräch? „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Wirtschaftsförderer Thorsten Leupold, „wir hatten bei knapp 100 Einladungen rund 80 Anmeldungen. Das ist überdurchschnittlich gut und beweist uns, dass es einen Bedarf für solche Veranstaltungen gibt.“

 

Krimi-Stunde in der Kantine:
Fakir-Krisenmanagement

Kleinglattbach (aa) – Die Lichter in der Bausch-Kantine sind zwar aus, damit die Beamer-Daten besser zu sehen sind, doch beim Vortrag von Dr. Michael A. Kösel über das Fakir-Krisenmanagement nach dem Kaprun-Unglück von 2000 ist mit Sicherheit niemand eingeschlafen.
 „Spannend wie ein Krimi“, brachte es Oberbürgermeister Gerd Maisch, der zum sechsten Wirtschaftsgespräches eingeladen hatte, auf den Punkt. In der Tat: Kösel könnte mit der Geschichte, die das Unternnehmen mit Sitz in der Industriestraße von Kleinglattbach in die Schlagzeilen gebracht hatte, auf Tournee gehen. 155 Menschen sind im November 2000 in der Gletscherbahn verbrannt oder erstickt. In der Unglücksbahn soll ein Fakir-Heizlüfter eingebaut gewesen sein. Ein Gerät, das nicht für Fahrzeuge konstruiert ist, sondern eigentlich im Badezimmer verwendet werden soll.
Das Unternehmen, das Bodenreinigungs- und -pflegegeräte sowie Heizgeräte, Ventilatoren und Klimageräte herstellt, wurde 1933 in Mühlacker von Wilhelm Kicherer gegründet und ist seit 1978 in Kleinglattbach angesiedelt.
Es wurden im Rahmen der Kaprun-Ereignisse 93 Zivilprozesse angestrengt, das Unternehmern hatte riesige Anwaltskosten zu stemmen und sah sich mit Schadenersatzforderungen in Hölhe von 16 Millionen Euro konfrontiert. Kösel: „Das ist ein bissle weniger als unser Jahresumsatz. Das hätte unser Unternehmen schlicht an die Wand gefahren.“ 2005 wurde innerhalb von vier Wochen eine neue Gesellschaft gegründet: Die Fakir Hausgeräte GmbH und das operative Geschäft mit Haftungsausschluss von der KG dorthin übertragen.
Wie in der Vaihinger Kreiszeitung wiederholt berichtet, lautete die Anklage gegen Fakir auf fahrlässige Brandstiftung mit Todesfolge in über 100 Fällen. Über Monate hin hatte das Unternehmen die Staatsanwaltschaft (und Medienleute) zu Gast. Kösel, der seit 2005 als Geschäftsführer fungiert: „Nach dem Sichten der 13 Ordner über das Unglück hatte ich Albträume. Solche Bilder hatte ich noch nie gesehen.“ Bis 2007 zogen sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heilbronn hin. Ergebnis: Fakir kann kein Vorwurf am Unglück der Standseilbahn zum Kitzsteinhorn gemacht werden.
Auch die Verantwortlichen der Gletscherbahn waren im September 2006 freigesprochen worden. Die Hinterbliebenen einigten sich mit der Nationalbank auf eine Entschädigung von 13,9 Millionen Euro.
An den österreichischen Sachverständigen ließ Kösel indessen kein gutes Haar: „Man glaubt, in einer Bananenrepublik zu sein. Es gab Absprachen mit den Richtern nach der Devise: Wie hätten Sie es denn gerne?“ Inzwischen habe ein Stuttgarter Gutachter Strafanzeige gegen seine Kollegen in Österreich gestellt (Begründung: Falschaussagen und Beweismittelmanipulation). Es sei zielgerichtet versucht worden, Tatsachen zu vertuschen und zu unterdrücken, sagt der deutsche Experte. Die VKZ hat darüber am 15. Oktober ausführlich berichtet.
Der Fall kann für Fakir also noch nicht zu den Akten gelegt werden.

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