„Vaihinger Löwe“ im Anmarsch

Erstellt: 13. März 2012
„Vaihinger Löwe“ im Anmarsch Verkostung der Lemberger. Fotos: Rücker

Rosswag (sr). Gestern war in Roßwag der Auftakt der Verkostung für den Deutschen Lembergerpreis. Die Jurymitglieder guckten, rochen und spülten sich durch 61 Weine. Es war die erste offizielle Weinprobe der Württemberger Weinkönigin.
Stundenlang Lemberger Weine probieren, das klingt für manchen nach grenzenlosem Vergnügen.
„Es ist eine gewisse Belastung“, erklärt dagegen Alfred Gaiser. Der Kellermeister saß gestern in der siebenköpfigen Jury für den Lembergerpreis „Vaihinger Löwe“ 2012. Zum 20. Mal findet in diesem Jahr der bundesweit einzige Lemberger-Wettbewerb statt. In drei Geschmacksrichtungen wird verkostet und am Sonntag der „Vaihinger Löwe“ auf Schloss Kaltenstein in Vaihingen verliehen.
Gestern fand die erste Runde der Verkostung mit der Geschmacksrichtung gesetzlich trocken in der alten Kelter in Roßwag statt. In rund dreieinhalb Stunden müssen zwei Frauen und fünf Männer die 61 Lemberger-Weine durchtesten.
„Der 2008er ist jetzt dran“, ruft der Probenleiter um 11 Uhr durch den Probiersaal. Die kurze Unterbrechung ist vorbei. „Die Pausen sind schon notwendig“, sagt Kellermeister Gaiser und rüstet sich für die nächste Runde. Man müsse geübt sein im Weinprobieren und versuchen, „so gut wie möglich auszuspucken“. 36 Jahre lang war er Kellermeister bei der Lauffener Weingärtnergenossenschaft, tagtäglich habe er da Wein probiert. An einem Tag wie gestern können schon 0,2 bis 0,3 Promille hängenbleiben, selbst bei einem geübten Ausspucker, sagt Gaiser.
Petra Hammer ist zum ersten Mal bei einem offiziellen Wettbewerb als Jurymitglied dabei. Die 25-Jährige ist amtierende Württemberger Weinkönigin. Studiert hat die junge Kronenträgerin Weinwirtschaft. Ganz ohne Erwartungen sei sie nach Roßwag gekommen. „Mir macht’s Spaß, es hat sehr interessante Sachen“, lautet ihre Zwischenbilanz. Dass eine Rebsorte so viele Spielarten habe, „das ist schon faszinierend“, schwärmt sie. „Weinmachen ist Kunst!“, breitet sie ein dickes Lob über die Zunft aus.
„15“, „16“, „13“ rufen die Jurymitglieder ihre Punktevergabe zu Jürgen Beyer am Nebentisch. Der EDV-Fachmann vom CJD-Jugenddorf gibt die Bewertungen in den Computer ein. Farbe, Klarheit, Geruch und Geschmack sind die Bewertungskriterien. Maximal 20 Punkte kann ein Wein so erreichen.
Insgesamt werden sich am Montag und Dienstag 171 Weine den Prüfern stellen. In der Geschmacksrichtung mit höherer Restsüße als gesetzlich trocken sind es 32, bei Barrique-Lemberger beziehungsweise Lemberger mit deutlicher Holznote, gesetzlich trocken, 78. Sechs Weine kommen aus Baden, ein Wein aus der Pfalz, die restlichen 164 aus Württemberg. „Lemberger hat in Württemberg bei den Anbauflächen den Schwarzriesling inzwischen überholt“, sagt Albrecht Fischer. Er ist Sprecher der acht Vaihinger Weinerzeuger, die die Vaihinger Weinmesse ausrichten, in deren Rahmen wiederum der „Vaihinger Löwe“ verliehen wird. Vor rund 30 Jahren habe es 600 Hektar Anbaufläche gegeben, „jetzt sind es 1700 Hektar“, sagt Fischer. Für ihn sei der Lemberger die wertvollste Rotweinsorte. Und er zitiert Richard Hachenberger mit den Worten: „Der Lemberger ist der Kaiser der Rotweine.“ Der frühere Vaihinger Stadtbaumeister, Weinexperte und -geschichtler hatte die Vaihinger Weinmesse initiiert und verstarb am 13. Januar. Fischer, selbst Seniorchef vom Weingut Sonnenhof in Gündelbach, schätzt beim Lemberger vor allem „die herausragend lange Nachhaltigkeit auf der Zunge und am Gaumen“. Der lange erdige Nachgeschmack werde im Schwäbischen auch als „Bodagfährtle“ bezeichnet.
Fast von Anfang an, nämlich zum 19. Mal, macht Weingutbesitzer Bastian Walz aus Ensingen seinen Job. Er bereitet die Proben vor und schenkt ein. „Für mich muss das neutral sein“, sagt Walz und hüllt die Flasche sorgfältig in eine Versandhülse aus Wellpappe. Vorher wird der Verschluss entfernt und der Flaschenhals mit Hilfe eines Kellnermessers entblößt. Bei manchen Verschlüssen ein nicht ungefährliches Unterfangen, dieser Einsatz für die Neutralität.
Die drei Erstplatzierten in jeder Kategorie werden am Sonntag, 18. März, um 11 Uhr in der Aula des CJD Schloss Kaltenstein einen Siegerpokal erhalten. Dieser ist dem Wappentier Vaihingens, einem historischen Trinkgefäß aus dem Jahr 1610, nachempfunden. Bis 18 Uhr können Besucher gegen ein Eintrittsgeld von zehn Euro neben den Siegerweinen noch 100 Weine und Sekte der teilnehmenden Betriebe probieren.

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