Vaihingen erlebt „Ansturm“ der Briefwähler

Erstellt: 17. September 2013
Vaihingen erlebt „Ansturm“ der Briefwähler Vom A-Mann bis zur M-Frau: Vaihingens Wahlleiter Wolfgang Schüle mit den Stimmzetteln, die für die repräsentative Wahlstatistik zur Bundestagswahl markiert sind. Foto: Rieger

Vaihingen (clar). Damit die Wähler am kommenden Sonntag (22. September) ihre Kreuzchen für den neuen Bundestag machen können, bedarf es auch in den Kommunen einiges an Vorbereitung. Doch obwohl vieles Routine sei, bleibe es jedes Mal spannend, sagt Vaihingens Wahlleiter Wolfgang Schüle. Denn Unvorhersehbares gebe es immer. Dieses Mal überraschten die Briefwähler.
Natürlich ist die Wahl zum 18. Deutschen Bundestag am Sonntag die Entscheidung darüber, wer in den kommenden voraussichtlich vier Jahren die Republik regiert. Aber aus Sicht eines lokalen Wahlamtes ist sie vor allem eine Frage der Organisation. Und die liegt in Vaihingen bei Wahlleiter Wolfgang Schüle und Kollegin Elke Keilhofer in den Händen zweier versierter Rathausmitarbeiter. „Wir beide haben zusammen 65 Jahre Wahlerfahrung“, berichtet Schüle gestern – und lächelt. Ja, vieles sei Routine. „Aber trotzdem darf man nicht leichtsinnig werden, damit man nichts vergisst.“ Und auch die mit den Jahren perfektionierte Systematik bei der Wahlvorbereitung werde immer mal wieder durchbrochen – von Unvorhersehbarem.
In diesem Jahr waren es die Briefwähler. Deren Anzahl hat den erfahrenen Wahlleiter dann doch überrascht. Bei der vorherigen Bundestagswahl im Jahr 2009 hatten von 19 183 Wahlberechtigten in Vaihingen exakt 2522 Männer und Frauen ihre Stimmen per Brief abgegeben. „Das nehmen wir in der aktuellen Organisation als Maßstab – und sind deshalb wieder von rund 2500 Briefwählern ausgegangen, hatten vorsorglich 3000 Formulare parat“, so Schüle. Immerhin habe sich die Zahl der Wahlberechtigten kaum verändert: 19 919 sind es dieses Mal. Aber weit gefehlt. Ende vergangener Woche wurde die 3000er-Marke bei den Briefwählern geknackt. Damit gingen sogar die entsprechenden Unterlagen aus und mussten nachbestellt werden. Inzwischen sind 3070 Briefwähler erfasst.
Das bedeutet auch für den Wahltag selbst einen Mehraufwand. Zu den 26 örtlichen wurden drei Briefwahlbezirke eingerichtet. Für jeden Bezirk sind für den Wahltag sechs Wahlhelfer eingeteilt. Nun überlegt Schüle, in den Briefwahlbezirken auf je sieben bis acht aufstocken, schließlich muss mehr ausgezählt werden. Das bedeute, dass die Ergebnisse wohl auch etwas später vorliegen werden. Denn am Sonntag werden außerdem die Enzweihinger zur künftigen B10-Verkehrsführung befragt (wir berichten morgen ausführlicher).
Um einen weiteren Briefwahlbezirk mit weiteren Helfern einzurichten, kam der „Ansturm“ schlicht zu spät. „So etwas muss Wochen vorher beantragt werden“, sagt der Wahlleiter. Bleibe die Anzahl der Briefwähler allerdings auch künftig so hoch, werde langfristig wohl mit einem vierten Bezirk geplant.
Apropos Wahlhelfer: Die zu finden, ist in Vaihingen nicht problematisch, meint Wolfgang Schüle. „Da haben wir einen vernünftigen Stamm von 400 bis 500 Leuten. Extra aufrufen, dass sich Einwohner engagieren, so wie andere Städte es tun, mussten wir noch nicht.“ Von jenen, die die Wahllokale bei der Bundestagswahl am Sonntag betreuen, sind 60 Prozent städtische Mitarbeiter, alle anderen ehrenamtliche Helfer. Im Wahllokal helfen kann im Übrigen jeder, der in der betreffenden Kommune wahlberechtigt ist. Für Vaihingen lobt Schüle: „Ich habe ein ganz tolles Wahlkampfteam.“
Dieses aufzustellen ist eine der ersten Aufgaben in der Gesamtorganisation. Die Wahl „schleicht sich so ran“, sagt Wolfgang Schüle, der im Rathaus ansonsten für die Informationstechnik verantwortlich ist. Stehe der Wahltermin fest, würden die Helfer kontaktiert und zum Beispiel geschaut, ob sich aufgrund veränderter Einwohnerzahlen ein Wahlbezirk so vergrößert habe, dass Änderungen notwendig sind. Schon allein um die Stimmenauszählung handhabbar zu machen, sollte ein Bezirk rund 1000 Wahlberechtigte umfassen. Später müssen die Wahlbenachrichtigungen verschickt und abgeklärt werden, wo welche Wahllokale eingerichtet werden können. „Wir haben nicht immer städtische Gebäude zur Verfügung, müssen also zum Beispiel auch bei Banken oder dem DRK anfragen, ob wir deren Räume wieder nutzen können.“
Für eine Wahl gebe es wichtige Kriterien, die erfüllt sein müssen: „Alle Wahlberechtigten müssen ihre Unterlagen erhalten, jedes Wahllokal muss von 8 bis 18 Uhr geöffnet und auch besetzt sein“, sagt Schüle. Andernfalls wäre die Wahl juristisch anfechtbar. Deshalb hat er in einer Tabelle alle Wahllokale samt wichtiger organisatorischer Hinweise verzeichnet: Wer hat den Schlüssel für welches Lokal? Wo muss der Bauhof noch Tische und Stühle aufstellen? Wie heißt der jeweilige Wahlvorsteher?
An einigen Lokalen müssen zudem besondere Hinweise für die Wähler angebracht werden. Denn in Vaihingen sind auch bei dieser Bundestagswahl offizielle Wahlforscher zu Gast. In der Auricher Grundschule sind es Vertreter des Vereins Forschungsgruppe Wahlen, der am Wahlabend die Hochrechnungen für das ZDF erstellt. Zum Vaihinger Wahllokal Wolfsberg kommen Mitarbeiter des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest, das wiederum für die ARD die aktuellen Prognosen liefert. „Sie befragen die Wähler außerhalb des Lokals nach der Abstimmung. Die Durchführung ist legitimiert, die Mitarbeiter müssen sich ausweisen. Die Teilnahme ist aber freiwillig“, erklärt Schüle.
Darüber hinaus wird einer der drei Briefwahlbezirke der Stadt – er umfasst Horrheim, Gündelbach, Aurich – in die sogenannte repräsentative Wahlstatistik des Bundes einbezogen. Um die Wahlbeteiligung zu ermitteln, werden die dortigen Wahlberechtigten nach Altersgruppen und Geschlecht ausgewertet. Entsprechende Markierungen sind auf den Stimmzetteln aufgedruckt: „Mann“ oder „Frau“ plus ein Buchstabe für die Altersgruppe. Personenbezogenen Daten werden nicht erfasst, heißt es in einem Begleitschreiben. Für alle drei Erhebungen wird zudem versichert, dass die Wahrung des Wahlgeheimnisses oberster Grundsatz ist.
Inzwischen sind auch die Wahlkoffer, die jeder Wahlvorsteher – einer pro Lokal – bekommt, gepackt. Schüle hat dafür eine Art Laufzettel: Was muss wo rein. „Auch Erfahrung“, sagt er gelassen. Und trotzdem: Die Vorbereitung einer Wahl sei immer spannend und „in den letzten vier Wochen vor dem Termin ist es heftig“. Aber der Stress sei positiv. „Das ist alles machbar.“
Der Wahlleiter selbst tritt am Sonntag übrigens nicht an die Urne, um seinen Stimmzettel abzugeben. „Ich habe Arbeitszeiten, die den Besuch im Wahllokal nicht zulassen. Deshalb stimme ich immer per Briefwahl ab“, sagt er. Von 7.30 bis etwa 23 Uhr wird Wolfgang Schüle im Einsatz sein, bei Fragen aus den Wahllokalen weiterhelfen, die Stimmauszählung koordinieren, die Ergebnisse an die Kreisverwaltung weitergeben. Doch auch wenn Vorbereitung und Abstimmung selbst viel Verantwortung bedeuten, hatte der Vaihinger Wahlleiter angesichts der Aufgaben „noch nie eine schlaflose Nacht“. Damit alles läuft, brauche man zwar Anspannung, dürfe aber auch nicht durchdrehen. Schüle: „Ich mache das seit den 80er Jahren – und bisher hat immer alles geklappt.“

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