TVV-Zeitzeugen berichten

Erstellt: 9. Februar 2011
TVV-Zeitzeugen berichten Karl Hecht

Fragt man Karl Hecht nach seinem Vorgänger als Übungsleiter der Männerriege, nimmt er kein Blatt vor den Mund: „Werner Dutt war ein Verrückter, der ist mit dem Maßband und der Stoppuhr in die Turnhalle gekommen und hat immer gestoppt.“ Als Hecht 1956 die Männerriege übernahm, hat er erst mal den ganzen Laden umgeorgelt, in die sogenannten „Jedermänner“. Künftig sollte sich „jeder Mann“ angesprochen fühlen, nicht bloß die Super-Leichtathleten und Leistungsturner. Entsprechend gestaltete Hecht das Übungsprogramm: „Da wird gelaufen, gehüpft und gesprungen,/zum Training für verstaubte Lungen/… dann kommt die Gymnastik dran,/die wichtig ist für jedermann…/anschließend geht’s an die Geräte,/am Barren, Kasten und am Pferde/… und zum Schluss gibt’s noch ein Spiel…“, schilderte er 1969 in humorvollen Reimen den Ablauf einer typischen Stunde. Das Konzept kam an – schon bald trafen sich bis zu zwei Dutzend Männer am Freitagabend zum turnerischen Wochenausklang. „Rang und Titel blieben daheim in der Schublade, der Arbeitgeber macht Partnerübungen mit dem Arbeitnehmer, der Doktor spielt Ball mit dem Angestellten und der Handwerker gibt dem Beamten Hilfestellung“, heißt es im Jahresbericht 1974. Und weiter: „Geschimpft wird überhaupt nicht, höchstens gelacht“. Das glaubt man gerne, denn viele Fotos aus dieser Zeit zeigen einen gut gelaunten Hecht, der es verstand, seine Leute mit Charme und Können bei der Stange zu halten. Doch dass dahinter eine Menge ernsthafter Vorbereitung stand, wissen die wenigsten. Um immer auf der Höhe der Zeit zu bleiben, besuchte Hecht regelmäßig Lehrgänge des Schwäbischen Turnerbundes. 1974 war er einer der ersten Übungsleiter, der Gymnastik nach Musik einführte. Zu den unvergessenen Schlagern und Evergreens von Max Greger und James Last wurden fortan bei den Jedermännern die Hüften gekreist und Bänke gehoben. „Vor der Weihnachtsfeier“, erinnert sich Hecht, sei er tage- und wochenlang daheim gehockt und habe die passende Musik ausgesucht und die Übungen immer und immer wieder durchexerziert, bis es passte. Mit Erfolg, denn die Aufführungen der Jedermänner waren der Höhepunkt mancher Jahresschlussfeier. Auf die Frage, ob in all den Jahren auch einmal etwas Schlimmes passiert sei, schüttelt er den Kopf. Nur einmal flog ein Turner beim Überschlag mit dem Rücken auf den Kasten und musste ein paar Wochen pausieren. Aber das blieb das einzige Malheur. Nicht nur in sportlicher, sondern auch in geselliger Hinsicht hinterließ Hecht seine Spuren. So rief er den Süßwarenstand beim Straßenfest ins Leben, führte ein Grillfest mit Vätern und Kindern auf dem Badplatz ein und organisierte unzählige Herbst- und Frühjahrswanderungen. Auch die traditionellen Zwiebelkuchen- und Rettichfeste gehen auf seine Initiative zurück. Zweimal im Jahr wurde bei Hechts in der Friedrich-Kraut-Straße der Hobbykeller geräumt. Ehefrau Lore verköstigte die ganze Mannschaft mit Zwiebelkuchen oder Rettichsalat mit Backsteinkäs’. Dem Namen nach würde man die Hechts eher in der Schwimmabteilung vermuten, doch dem ist nicht so. Die Liebe der Familie Hecht gilt der Aschenbahn, dem Werfen und Stoßen, angefangen beim heute langjährigsten TVV-Mitglied Karl Hecht, der 1933 als 14-Jähriger zum Turnverein kam. Übrigens gegen den Willen seiner Mutter, die als gläubige Neuapostolin gegen jede Art von Leibesübungen war und sich strikt weigerte, seine Sportsachen zu waschen. Davon ließ sich der jugendliche Karl nicht abbringen. Er war mit Begeisterung dabei und besonders gut im Weitsprung, Kugelstoßen und Diskuswerfen. Dann war Karl Hecht im Krieg und bis 1949 in Gefangenschaft. Kaum zurück, sei er sofort wieder ins Turnen gegangen, erinnert sich der 91-Jährige. Die Liebe zur Leichtathletik und zum Verein teilt er mit seinem Sohn Ludwig, der seit 2007 das Amt des Zweiten Vorsitzenden bekleidet sowie den Enkeln Verena, Daniel und Alexander. (hw)

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