Trassen-Arbeitskreis in Planung

Erstellt: 16. Januar 2008
Trassen-Arbeitskreis in Planung Läuft noch was auf der WEG-Bahntrasse? Foto: Arning

Vaihingen (aa)  – „Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man nen Arbeitskreis“, kalauerte FW-Stadtrat Lars Keller. Ganz unumstritten war die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene „Lösung“ in Sachen Nutzung der ehemaligen WEG-Trasse im Vaihinger Stadtteilausschuss allerdings nicht. Die Empfehlung an den Gemeinderat fand gerade mal eine 9:7-Mehrheit.
Das Thema war von der Grünen-Fraktion angezettelt worden. Armin Zeeb wollte in einem unabhängigen Verkehrsgutachten ermittelt wissen, „ob es sinnvoll sein kann, die Strecke für den öffentlichen Nahverkehr zu reaktivieren“ (die VKZ hat berichtet). Dass dies schon aus dem berühmten „Bauchgefühl“ heraus nicht gehe, versuchte Oberbürgermeister Gerd Maisch zu erklären. Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Strecke für den ÖPNV keine Zukunft habe. So habe sich zum Beispiel der VVS schon mehrfach ausgedrückt. „Bei einer Reaktivierung des Schienenverkehrs ist kein vernünftiges Verhältnis zwischen Aufwand und verkehrlichem Nutzen zu erwarten“, heißt es in einem Schreiben der VVS-Abteilung Planung. Es wird empfohlen, von der Vergabe eines Gutachtens Abstand zu nehmen.
Schon alleine für „Einstiegsgutachten“ wären bis zu 33000 Euro zu bezahlen gewesen. „Eine umfassende Machbarkeitsstudie mit Wirtschaftlichkeitsüberlegungen kosten nach Aussage von Experten des Verbandes Region Stuttgart zwischen 50000 und 100000 Euro“, erklärte OB Maisch am Montag im Ausschuss. Jeder Gutachter werde natürlich nach der Eingangsuntersuchung sagen, dass es sich lohne, die Sache weiter zu untersuchen.
„Es geht mir um Ideen“, relativierte Armin Zeeb seinen Vorstoß, „es müssen Fantasie und intelligente Lösungen entwickelt werden.“ Man müsse in Vaihingen dringend was „reißen“. Interessant werde es, wenn die Stadtbahn bis nach Enzweihingen fahre. Hier gebe es alleine durch die Schülerverkehre ein enormes Potenzial. Aber man habe doch inzwischen ein sehr komfortabel ausgebautes Busnetz, war ein Gegenargument des OB. Und: „Können wir uns Parallellinien leisten?“
Vaihingen fahre mit Bussen nicht schlecht, war die Meinung von FW-Stadtrat Ulrich Grau. Man müsse endlich von der Trasse wegkommen und Geld eher in den Busverkehr stecken. Und ein vierter Radweg auf der Trasse sei nicht nötig. Für Lars Keller (FW) wäre es eine Utopie, dazu noch eine Bahntrasse in die Stadt zu schleifen. Peter Schimke (SPD) sprach von ernüchternden Aussagen der Experten, warnte aber davor, „uns etwas zu verbauen“, denn der Individualverkehr werde immer teurer. Die Hoffnung, vom Landkreis Unterstützung zu erhalten, wollte OB Maisch nicht schüren. „Dort herrscht große Zurückhaltung.“ Harald Gaßner (Grüne) riet nachdrücklich davon ab, die Trasse zu entwidmen: „Auch wenn wir nichts machen, ist das wie eine schleichende Entwidmung.“ Uwe Schwarz (FW) brachte die Idee eines Wettbewerbs ins Spiel: „Dem Arbeitskreis wird nicht viel Neues einfallen, aber vielleicht kann man aus Ingenieuren was rausholen. Setzen wir doch 20000 Euro als Wettbewerbsprämie aus.“
 Ein „Fass ohne Boden“ wäre für Walter Sämann (FW) die Instandsetzung der Trasse, die die Stadt für einen Euro ins Eigentum übernommen hatte. Dietrich Hauser (CDU) mahnte, „auf dem Teppich zu bleiben“: „Für den Bahnverkehr Vaihingen – Enzweihingen ist der Zug abgefahren.“ So sah es auch Eberhard Zucker (FW): „Die Trasse nach Enzweihingen und den Bahnhof Enzweihingen kann man anders nutzen.“
Die Grünen-Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung fand gerade mal zwei Befürworter. Die Bildung der Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern des Gemeinderates (je Fraktion eine Person), der Ortschaftsräte Enzweihingen und Kleinglattbach, des Stadtteilausschusses und der Verwaltung wurde mit 9:7 Stimmen akzeptiert. In diesem Trassen-Arbeitskreis soll jetzt ein Vorschlag zur weiteren Nutzung erarbeitet werden. Der Gemeinderat wird sich am 30. Januar mit dem Thema befassen.
In Vaihingen hat sich indessen eine Initiative gebildet, die großes Interesse an der Erhaltung der Trasse hat. Ein erstes Zeichen, dass es nicht nur bei Forderungen bleiben soll, ist eine am 16. Februar geplante Aufräumaktion. Im Februar oder März sollen Abstimmungsgespräche zwischen der GES (Betreiber Museumsbahn) und der ESG geführt werden. Hierbei könnte sich ein modifiziertes Angebot der GES an die Stadt Vaihingen ergeben.

ESG will auf der Trasse fahrenVaihingen (aa) – Gibt es eine neue Perspektive für die Nutzung der ehemaligen WEG-Trasse? Der Stadtverwaltung Vaihingen liegt die Anfrage der Eisenbahn-Service-Gesellschaft mbH (ESG) vor, die Interesse an der Befahrung der Strecke für den Gütertransport hat. Selbst eine Verzahnung mit einer Museumsbahn wäre aus Sicht der ESG denkbar. Wer steckt hinter der Abkürzung? Was ist geplant? Die VKZ hat nachgefragt. Bei der ESG handelt es sich um ein zugelassenes Eisenbahnverkehrsunternehmen, das seinen Sitz in Horrheim hat. Geschäftsführender Gesellschafter ist der Diplom-Ingenieur Markus Weber (38). Er erklärt die Aufstellung es Unternehmens: „Wir verfügen heute über zehn eigene Diesellokomotiven von 250 bis 2000 PS, vier Schwerkleinwagen – SKL – sowie diverse Wagen und eigenes Personal. Unser Einsatz erfolgt zum einen im Bereich Gleisbau und Instandhaltung im Südwesten. Auftraggeber sind neben der DB Netz AG unter anderem große Baufirmen wie Leonhard Weiss, Klenk, Monti oder Bilfinger und Berger. Einsatzgebiete sind die Landeshäfen in Kehl, Plochingen und Karlsruhe, wo wir Holz- und Mineralölverkehr abwickeln.“ Die Lokomotiven wurden bis Dezember 2002 am Bahnhof Enzweihingen gewartet, doch nach der Sperrung der Strecke musste der Standort aufgegeben werden. Die Instandhaltung wird auf den Gleisanlagen im Bahnhof Bietigheim betrieben. Hier wurde zur bestehenden Werkstatt eine Halle errichtet, der die Unterhaltung und Abstellung von vier Lokomotiven gleichzeitig erlaubt.Die ESG hat im letzten Jahr die Bestrebungen zur Einrichtung einer Museumsbahn ideell unterstützt. Nun will sie das Projekt durch einen ergänzenden Vorstoß zur Erhaltung bzw. Reaktivierung der Infrastruktur gemeinsam mit der Stadt vorantreiben. Bereits im letzten Jahr (August) wurde der Kontakt zu OB Maisch gesucht. „Der erste Anlauf war nicht so toll“, erinnert sich Markus Weber. Jetzt (9. Januar) ist das Anliegen aus „aktuellem Anlass“ und mit der Bitte um eine „aussagekräftige Antwort“ nochmals vorgetragen worden.Weber will vor allem dem Güterverkehr eine Chance geben und die alte WEG-Trasse zumindest bis Vaihingen nutzbar machen – und zwar so, dass auch ein Museumsbetrieb möglich ist. Der ESG-Mann ist sich bewusst, dass derzeit das Aufkommen zu gering ist, sieht aber in Kooperation mit Railion, dem größten europäischen Eisenbahnverkehrsunternehmen im Schienengüterverkehr, ein Potenzial durch den Umschlag von Holz (Forst), Schrott (Firma Neuss, Kienle und Spiess) und Papier (Wennberg). Der Bahnhof Vaihingen/Nord könnte zur logistischen Drehscheibe für den ESG-Güterverkehr werden. Es wird durchaus eine wirtschaftliche Basis für die Anbindung von Vaihingen an den Güterverkehr mit einer Bedienung von drei bis fünf Mal pro Woche gesehen. Erster Schritt müsste aus Sicht der ESG die Reaktivierung der Strecke Aischbach – Vaihingen/Nord in Verbindung mit einer Anpassung der Anlagen in Vaihingen/Nord sein. Am Nordbahnhof würde das Unternehmen durch den Einbau von drei zusätzlichen Weichen eine Basis für eine rationelle Verkehrsabwicklung schaffen. In Schritt zwei würde durch die Reaktivierung der WEG-Strecke bis nach Vaihingen der Güterverkehr bis in die Kernstadt ausgedehnt. „Für den von uns genutzten Gleisteil ist natürliche eine finanzielle Beteiligung an der Instandsetzung möglich“, sagt Markus Weber, der für den öffentlichen Nahverkehr auf der Trasse allerdings keine Chancen sieht.Warum sein Vorschlag am Montag in der Sitzung des Stadtteilausschusses nicht zur Sprache kam, kann er sich nicht erklären. „Vielleicht soll sich ja auch erst der Arbeitskreis damit befassen…“

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