Tauchgang in der Kläranlage

Erstellt: 23. September 2009
Tauchgang in der Kläranlage Taucher Dirk Kesberg musste eine Absperrblase in der Öffnung des defekten Schiebers in der Kläranlage Strudelbach anbringen. Foto: Elsässer

Enzweihingen (elf) – Wenn sich Taucher ihren Neoprenanzug anziehen und die Sauerstoffflasche auf den Rücken schnallen, freuen sie sich in aller Regel auf schöne Korallen, bunte Fische und spannende Begegnungen mit der Unterwasserwelt. Nicht so Dirk Kesberg aus Mannheim. Der scheut sogar vor einem Tauchgang in Kloake nicht zurück und startete gestern Morgen zu einem Tauchgang in einem Becken der Kläranlage Strudelbach in Enzweihingen.
Dienstag, 9.40 Uhr, Kläranlage Strudelbach in Enzweihingen. Dirk Kesberg vom gleichnamigen Tauchunternehmen aus Mannheim lässt sich von seinem Kollegen Rudi Kettner dabei helfen, seinen Tauchanzug anzuziehen. Funktioniert die Sauerstoffzufuhr? Geht der Sprechfunk? Alles klar. Eine Minute später steigt Kesberg in den Entgasungsschacht der Belebungsanlage. Der Geruch, der von der braunen, ekligen Flüssigkeit ausgeht, lädt nicht zu einem gemütlichen Tauchgang ein. Dennoch versucht sich Kesberg in dem Moment, als er komplett in der Brühe verschwunden ist, mit einem flapsigen Kommentar die Angelegenheit schön zu reden: „Das ist wie in der Karibik hier.“ Der Fachausdruck der trüben Suppe lautet übrigens Belebtschlamm. Ein paar Minuten später hört er sich nicht mehr so begeistert an: „Mir steht die Scheiße bis zum Hals.“ Das stimmt natürlich nicht, denn sein Anzug ist so dicht, dass nicht ein einziger Quadratmeter seiner Haut mit der ekligen Flüssigkeit in Berührung kommt. Gut zehn Minuten später ist seine Arbeit beendet. Sein Kollege Horst Raillon spritzt ihn mit einem Wasserschlauch ab – Einsatz beendet.
Was war es, das den Tauchermeister zum Planschen in der Kläranlage Strudelbach veranlasste? Abwassermeister Jörg Esenwein klärt auf. Demnach ist in der biologischen Reinigungsstufe der Kläranlage, wo Mikroorganismen und Bakterien das Abwasser sauber machen, der Schieber im Ablauf defekt. Er schließt nicht mehr und muss gegen einen neuen ausgetauscht werden. Normalerweise sind alle Becken der Kläranlage gleich hoch gefüllt. Schieber sorgen dafür, dass ein anderes Niveau erreicht werden kann.
Dass der Schieber defekt ist, wurde bereits im Frühjahr festgestellt. Für Reparaturmaßnahmen an der Kreislaufpumpe sollte das Wasser abgepumpt werden, was aber nicht gelang, weil der Schieber nicht mehr geschlossen hat. „Da ist ständig Wasser nachgelaufen“, erinnert sich Jörg Esenwein. Das Problem: Der Schieber befindet sich in einer Tiefe von drei Metern. Er kann also nur repariert werden, wenn der Schacht leer ist. Gleichzeitig darf an den beiden Öffnungen nichts mehr raus- und nichts mehr reinlaufen. Die erste Öffnung kann mit einem funktionierenden Schieber geschlossen werden. In die Öffnung mit dem defekten Schieber soll eine Absperrblase gesteckt und anschließend aufgeblasen werden. Dann kann auch hier kein Wasser mehr nachlaufen. Sind beide Öffnungen dicht, kann der Belebtschlamm eine Stunde lang abgepumpt und der Schieber ausgetauscht werden.
Die Kläranlage ist für die Arbeit, die gestern Nachmittag bereits abgeschlossen war, komplett außer Betrieb. Das Abwasser, das in dieser Zeit anfiel – knapp 1000 Kubikmeter – wurde so lange in einem Regenüberlaufbecken gespeichert. Eine Maßnahme, von der das Landratsamt Ludwigsburg informiert werden musste. Bis zum Feierabend lief die Kläranlage wieder.
Tauchermeister Dirk Kesberg nahm den „anrüchigen“ Einsatz unterdessen gelassen. Schließlich ist er es gewohnt, in Kläranlagen abzutauchen. „Oft ist es zu teuer, die Becken zu entleeren“, weiß er. Nicht immer ist die Arbeit so leicht zu erledigen wie in Enzweihingen. Dort kam er sogar ohne Zeichnung aus. Doch gesehen hat er beim Tauchgang trotzdem nichts. „Das geht nach Gefühl“, sagt er, „da nützen auch Scheinwerfer nichts.“ Besonders eklig ist der Einsatz für ihn auch nicht. Kesberg: „Schließlich sorgt der Tauchanzug dafür, dass nichts von der Brühe an meinen Körper gelangt.“

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