Stimmung und Sprüche

Erstellt: 18. August 2014
Stimmung und Sprüche Bärbel und Erich Hangstörfer sorgen für das Wohl der Gäste. Foto: Bögel

Gündelbach (ub). Erich Hangstörfer legt die Postkarten auf den Tisch. Passend zum Jubiläum sind die Abkürzungsformeln des Besenwirts gedruckt worden. „Ihv“ – I hab verschdanda, „WdizDb?“ – Was derf i zom Drenga brenga?, „Kgh“ – Kommed guad hoim oder „BznM“ – Bis zom nägschda Mol.
 Wer Gast im Kachelofa in Gündelbach ist, der kennt die Sprüche von Erich Hangstörfer. „Die Leute sollen sich hier wohl fühlen, dazu gehört eben auch mal ein cooler Spruch“, sagt der Weinstuben-Chef. Am Wochenende wurde das 25-jährige Bestehen der Weinstube Kachelofa groß gefeiert: Es gab einen Kunsthandwerkermarkt im Hof, Smart und die Ensinger Dorfmusikanten sorgten musikalisch für Stimmung, gestern Morgen wurde ein Gottesdienst gefeiert. Die Landfrauen waren für das Süße zuständig, Bärbel Hangstörfer und ihr Team servierten den Gästen die schwäbische Küche.
Der Kachelofa im Ortskern von Gündelbach ist für viele Besucher zu einer Institution geworden. Beispielsweise der 94-jährige Mann aus Mühlacker. Jeden runden Geburtstag und jedes Familienfest wird im Kachelofa gefeiert. Oder das Paar, das sich in der Besenwirtschaft kennengelernt hat. In der Zwischenzeit wurden in der Weinstube bereits die Hochzeit, die Taufe des Kindes und die Konfirmation gefeiert. „Es ist toll, wenn man die Leute 25 Jahre lang begleiten kann“, sagt Erich Hangstörfer.
Vor einem viertel Jahrhundert fasste die Familie den Beschluss, die Viehhaltung im Ortskern aufzugeben und dafür auf die Direktvermarktung mittels einer Besenwirtschaft zu setzen. Der Viehstall wurde abgerissen, künftig war im Erdgeschoss die Weinstube, oben die Wohnräume. „Es war von vorneherein klar, dass der Besen nicht in unserem Wohnzimmer stattfindet.“
Hangstörfer erinnert sich noch genau an die ersten Gäste – die Landjugend aus Crailsheim. „Das war die Feuertaufe.“ Und was für eine: Bei der Weinprobe fragte Hangstörfer, wo denn der Busfahrer sei und merkte dann, dass dieser genüsslich alle Weinstumpen süffelte. Aber irgendwie muss die Gruppe vor 25 Jahren wieder heil ins Hohenlohische zurückgefunden haben.
Heute sei es mit dem Alkoholkonsum längst nicht mehr so. „Die Leute sind viel bewusster“, weiß Hangstörfer. Und so bringt er immer öfter seinen Chauffeurchampagner an den Tisch – den Ensinger Sprudel. Und sein Spruch, 1989 kreiert gilt noch immer: „Ob Sommer oder Winter, kannschd komme mitsamt deiner Kender.“
Heute ist die Weinstube – seit zwölf Jahren ist noch eine Pension angegliedert – schon längst mit einer Vollkonzession versehen. Zwar öffnet die Familie nur viermal im Jahr die Besenwirtschaft, aber Privat- und Firmenfeiern belegen den Terminplan dicht an dicht.
Als Günther Oettinger noch Ministerpräsident im Land war, sah man den Politiker samt Sicherheitsleuten öfters im Kachelofa. So gibt es beispielsweise die Geschichte, als kurz vor Mitternacht das Telefon in Aurich schrillte. Dran war Oettinger, der wissen wollte, ob der „Erich“ noch auf hat. Dummerweise landete der MP beim Namensvetter im südlichen Stadtteil. Erich Hangstörfer: „Der Günther Oettinger ist ein alter Bekannter von mir, wir kennen uns schon über 30 Jahre.“ Doch Anekdoten will der sonst so redselige Wirt hier nicht erzählen. „Da habe ich noch Schweigepflicht. Diese Geschichten kommen erst später.“
Kurz darauf wird aber bereits der nächste Gast mit einem schrägen Spruch willkommen geheißen. Hangstörfer, der viel von der Familie hält und sich freut, dass alle an einem Strick ziehen, will aber kein Schauspieler sein. „Ich will authentisch der Erich sein. So bin ich, so lebe ich, das ist nicht aufgesetzt.“

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