Schloss Kaltenstein bald ohne CJD

Erstellt: 6. August 2013
Schloss Kaltenstein bald ohne CJD Vaihingens Wahrzeichen Schloss Kaltenstein. Foto: Rücker

Vaihingen (sr). Nach bald 65 Jahren zieht das Christliche Jugenddorfwerk aus dem Schloss Kaltenstein aus. Die dunklen Wolken hingen schon seit Monaten über dem Vaihinger Wahrzeichen. Massive Teilnehmerrückgänge im Bereich Berufliche Bildung werden vom CJD als Grund angeführt. Die Nachnutzung ist unklar.
 „Wir haben alles versucht, um das Schloss in unserer Hand zu halten“, sagt Julia Edele, Pressesprecherin des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands (CJD). Doch es habe seit 2011 im CJD Schloss Kaltenstein massive Teilnehmerrückgänge im Bereich der Beruflichen Bildung gegeben, insbesondere in der Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE).
„2009 hatten wir im BaE-Bereich noch 179 Auszubildende und 2012 waren es nur noch 77“, macht CJD-Direktor Ulrich Bubeck deutlich. Aus diesem Grund habe das Direktorium des CJD, bestehend aus dem CJD-Vorstand und den Direktoren, entschieden, den Mietvertrag der historischen Immobilie Schloss Kaltenstein zum 31. August auf den 31. Dezember beim Amt für Vermögen und Bau in Ludwigsburg zu kündigen.
Das sei eine ganz neue Entscheidung, die Ende vergangener Woche bei den Kollegen in Ludwigsburg aufgeschlagen sei, sagt Annette Ipach-Öhmann. Sie ist Direktorin des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg, zu dem das Ludwigsburger Amt für Vermögen und Bau gehört. Schloss Kaltenstein ist im Besitz des Landes Baden-Württemberg, das CJD ist Mieter der Immobilie. Da die Entscheidung des CJD erst seit wenigen Tagen bekannt sei, könne auf die Frage der Nachnutzung wenig gesagt werden, so die Direktorin: „Wir müssen darüber nachdenken.“
Vonseiten des Vermieters seien im Vorfeld bezüglich der Mietkonditionen Gesprächsangebote unterbreitet worden, die gar nicht mehr genutzt worden seien, so Ipach-Öhmann. „Die Miete war gar nicht mehr Bestandteil von Verhandlungen – wir wären von unserer Seite aus durchaus noch an Verhandlungen interessiert gewesen“, fasst die Direktorin zusammen. Der schlechteste Fall wäre nun eine „ungenutzte historische Immobilie“, so die Direktorin des Landesbetriebs. Das tue dem Gebäude nämlich gar nicht gut.
Zur Höhe der Miete für das Schloss Kaltenstein gefragt sagt Ipach-Öhmann: „Davon wird das Land nicht reich.“ Bei der Betrachtung der Nachnutzung stelle sich vor allem die Frage, was Sinn mache – möglicherweise ein kirchlicher oder karitativer Mieter. Es gebe auch die Möglichkeit von Mietnachlass oder -verzicht, wobei der Landtag zustimmen müsse.
„Wir geben unser Wahrzeichen nur schweren Herzens auf“
CJD-Vorstand Hartmut Hühnerbein
Nachmieter stünden erfahrungsgemäß aufgrund der immensen Unterhaltungskosten bei solchen Gebäuden nicht Schlange, auch wenn die Immobilien noch so charmant wären. „Die Situation hat sich aus den Zwängen ergeben“, so Direktorin Ipach-Öhmann. Nun müsse man halt schauen, wie es weitergehe. Die Ludwigsburger Kollegen würden nun unter Umständen gezielt auf potenzielle Nachmieter zugehen.
„Wir geben unser Wahrzeichen nur schweren Herzens auf“, sagt CJD-Vorstand Pfarrer Hartmut Hühnerbein. Und weiter: „Seit 1949 sind wir Mieter des Schlosses, damals noch unter unserem Gründer Arnold Dannenmann. Das Schloss Kaltenstein ist mehr als nur eine Immobilie für uns. Es ist unser Stamm-Jugenddorf und unser Wahrzeichen.“
„Eine Anpassung der Fläche auf die Teilnehmerzahl ist nötig“, hatte Anfang Februar Jugenddorfleiter Klaus-Dieter Drensek der VKZ gesagt. Gestern seien laut Drensek die CJD-Mitarbeiter informiert worden. Zudem wurden die Stadtverwaltung Vaihingen sowie die Verwaltungen der Kommunen, die durch die CJD-Jugendmusikschule involviert sind, in Kenntnis der neuesten Entwicklungen gesetzt. Zudem, so Drensek gestern gegenüber der VKZ, seien Landrat Dr. Rainer Haas, Vaihingens früherer Oberbürgermeister Heinz Kälberer, das Weingut Nonnenmacher sowie die Robert-Breuning-Stiftung informiert worden.
Die Angebote, die im Schloss untergebracht sind, würden jedoch von der Aufgabe des Schlosses unberührt bleiben, so Pressesprecherin Julia Edele. Die Angebote, die sich derzeit noch innerhalb der äußeren Ringmauern befinden, sollen in andere Gebäude in Vaihingen verlagert werden. Betroffen sind zum Beispiel die Wohngruppe Bienenstock und die Verwaltung. Pressesprecherin Edele: „Es gibt für jeden der Bereiche einen Umzugsplan.“ Entlassungen seien nicht angedacht. Heute Nachmittag wird das CJD im Rittersaal des Schlosses bei einer Pressekonferenz informieren.

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