Schaffige Flieger

Erstellt: 29. September 2012
Schaffige Flieger Die neue Flugzeughalle auf dem Weitfeld. Foto: Bögel

Vaihingen (ub). Jörg Prochaska, Ausbildungsleiter beim Flugsportverein Vaihingen, läuft immer wieder in den Aufenthaltsraum nebenan. Ist die Farbe schon trocken? Wie an vielen Abenden zuvor werkelt Prochaska auch am Donnerstag in der neuen Flugzeughalle auf dem Weitfeld. 6800 Stunden Arbeit haben die Vereinsmitglieder in den letzten zwölf Monaten ehrenamtlich geleistet.
 Ohne diese Eigenleistung hätte der 80 Mitglieder zählende Verein, davon 30 aktive, sein Großprojekt neben dem Flugplatz auf dem Vaihinger Weitfeld nicht stemmen können: eine neue Flugzeughalle mit Werkstatt, Aufenthalts- und Sozialräumen. Seit Jahren ist dies der große Traum – im Oktober wird die Halle offiziell eingeweiht. Allerdings nur für geladene Gäste. Für die Öffentlichkeit findet im Frühjahr 2013 ein Tag der offenen Tür statt. „Dann ist unsere Flugzeughalle auch endgültig fertig“, sagt Eiko Ratzsch, Schriftführer und zuständig für die Presse beim Flugsportverein.
Vereinsvorsitzender Artur Mayer lehnt sich zurück: „Ich kann eine gewisse Zufriedenheit nicht verbergen.“ Damit meint Mayer nicht nur die Realisierung des großen Traums, sondern auch das Engagement der Vereinsmitglieder. „Das Projekt hat uns zusammengeschweißt.“
Und es hat natürlich auch Schweiß gekostet. In der 80-jährigen Geschichte des Flugsportvereins rangierte die eigene Flugzeughalle neben dem Start- und Landegelände an oberster Stelle. Nur so könne es eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Segelflugsports in Vaihingen geben, heißt es vom Verein. Als alle Hindernisse mit den Grundstückseigentümern und dem Naturschutz aus dem Weg geräumt waren, begann im Jahr 2009 die intensive Planungsphase. Im April 2010 wurde die alte Halle der Zimmerei Erwerle in Sersheim abgebaut und zwischengelagert. Im September 2011 war Spatenstich auf dem Weitfeld, dann wurde hier auch die Halle wieder errichtet. Richtfest war am 21. November.
Bis zum Jahresende war dann Stress pur für die Segelflieger angesagt. Das Bauwerk musste für den Winter „dicht“ gemacht werden, auf dem Dach ging am 31. Dezember die Solaranlage in Betrieb. Auch war der Zuschuss über 50 000 Euro vom baden-württembergischen Luftfahrverband davon abhängig, ob der Neubau noch im Jahr 2011 realisiert wird. „Und wir haben keinen Euro verschenkt“, zieht Vereinschef Mayer eine Bilanz.
Und fast ohne Handwerker ging es am neuen Vereinszentrum weiter. 650 Quadratmeter Außenverkleidung wurde angebracht, 1700 Meter Unterkonstruktion geschaffen. Die Isolierung und der komplette Innenausbau mit eigenen Leuten gestemmt, Türen und Fenster eingebaut, die Hallentore montiert.
Nun präsentiert sich das 350 000 Euro teure Vereinsdomizil in unmittelbarer Nähe zum Wasserhochbehälter Wolfshalde nahezu fertig. Die Halle ist 20 auf 30 Meter groß, der Werkstattbau misst 25 auf 6,5 Meter, der Zwischenbau 8 auf 3 Meter und das Vereinsheim und Büro 13 auf 6,5 Meter. Insgesamt also eine Nutzfläche von knapp 900 Quadratmetern.
Das Kernstück ist die Flugzeughalle. Fünf Maschinen stehen am Donnerstagabend drin. „Wir kriegen aber locker zehn Flugzeuge rein“, sagt Ratzsch. Fünf Flugzeuge besitzt der Verein, sieben Flugzeuge sind privat und gehören Mitgliedern. Sie alle finden Platz in der Holzhalle – und ermöglich einen flexiblen Flugbetrieb. Seither waren die Segelflugzeuge in der Marienburger Straße in Vaihingen untergebracht. Bevor der erste Start losging, dauerte es drei Stunden, bis alle Gerätschaften auf dem Weitfeld waren. „Jetzt können wir in einer Viertelstunde losfliegen“, sagt Prochaska.
Das Areal in der Marienburger Straße ist verkauft, der Verein hat aber noch bis Ende des Jahres ein Bleiberecht. Diese „Baustelle“ ist noch offen: „Hier müssen wir noch räumen“, sagt Vereinsvorsitzender Mayer. Aber das wird für die Segelflieger nur noch eine Kür sein. „Wir haben bewiesen, dass wir die Ärmel hochkrempeln können und hinlangen“, sagen Prochaska, Mayer Ratzsch unisono.
Und das neue Vereinszentrum auf dem Weitfeld am Ende des Nebensteigle heimst auch bei den Bürgern, die hier öfter vorbeikommen, Lob ein. „Das ist von der Optik sehr gut gelungen“, berichten die Segelflieger, die neben der Einheit von Flugplatz und Flughalle auch das 80-jährige Bestehen des Vereins feiern können.

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