Sanierung auf Kosten des Fachwerks?

Erstellt: 18. Juni 2008
Sanierung auf Kosten des Fachwerks? Das alte Schulhaus in Großglattbach. Foto: VKZ-Archiv

Mühlacker (elf) – Der Ritterweg 21 in Großglattbach scheint sich zu einer unendlichen Geschichte zu entwickeln. Die Sanierung des alten Schulgebäudes gestaltet sich umfangreicher als gedacht – gleichzeitig gehen der Stadt die Fördermittel aus. Nun stehen Bundesmittel in Höhe von 500000 Euro in Aussicht. Dafür soll das Gebäude stärker gedämmt werden – auf Kosten der Fachwerk-Fassade. Gestern Abend hatte der Ausschuss für Umwelt und Technik darüber abzustimmen.
Zwei Schritte vor und einen zurück – so lässt sich das Tempo beschreiben, mit der die Sanierung des alten Schulhauses im Ritterweg 21 in Großglattbach vorankommt. Erst im September 2007 kippte der Mühlacker Gemeinderat den Vorschlag der Verwaltung, das komplette Gebäude mit einem Wärmedämmputz zu überziehen. Dadurch sollte die Fachwerk-Fassade an der Ost- und Südseite erhalten werden. Das Haus zu verputzen wäre ein „instinktloser Eingriff in das dominierende und ortsbildprägende Ensemble der ehemaligen Wehrkirche mit den zwei Schulhäusern“, hieß es damals von Seiten der Bürgerinitiative Ritterweg 21.
Inzwischen scheint sich das Blatt allerdings wieder zu wenden. Für die Sanierung des Ritterwegs 21 sind aus dem so genannten IVP-Programm Bundesmittel in Höhe von 500000 Euro bereitgestellt. Geschätzte Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahme Ritterweg 21: rund eine Million Euro. Die halbe Million gibt es allerdings nur, wenn die Sanierungsmaßnahme unter Einhaltung der Vorschriften der Energieeinsparverordnung (EnEV) geschehen wird. Dies würde das Ende der Fachwerk-Fassade bedeuten. Denn: Die EnEV erfordert eine starke Dämmung der Fassade. Nach Ansicht des von der Stadt Mühlacker beauftragten Architekten ist hierfür ein außenliegender Vollwärmeschutz vonnöten.
Eine zwischenzeitlich angedachte Innendämmung erzeuge erhebliche bauphysikalische Probleme und würde langfristig zur Zerstörung der Fassade führen. „Auch die unvermeidbaren Wärmebrücken im Anschluss zum UG/Sockelmauerwerk würden sich besonders nachteilig auswirken“, heißt es in der Sitzungsvorlage für die Gemeinderäte. Konkreter: Wenn die Fassade nicht von außen gedämmt wird, kann sie auf Dauer nicht Stand halten.
„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt Winfried Abicht, Erster Beigeordneter der Stadt Mühlacker. Kein Wunder: Die vier Millionen Euro Sanierungsmittel für Großglattbach sind größtenteils von Privat aufgebraucht. Um an die halbe Million Euro aus dem IVP-Programm zu kommen, muss die Fachwerk-Fassade geopfert werden. Dies entspricht allerdings nicht den Vorstellungen der Bürgerinitiative.
Doch die Mühlacker Stadtverwaltung kann nicht nach allen Fliegen schlagen. „Für uns stellt sich die Frage, wie wir die Wärme im Haus halten können“, sagt Abicht. „Wir kennen die Schäden, wir wissen was zu tun ist und wir wissen auch was es kostet. Deswegen gehen wir auch davon aus, dass das Fachwerk wieder eingepackt werden muss.“
Selbst das Landesdenkmalamt hat in diesem Zusammenhang bereits deutlich gemacht, dass es sich beim alten Großglattbacher Schulhaus noch nie um ein Schmuckfachwerk gehandelt habe, sondern die Fassade ursprünglich verputzt war. Historische Belange würden somit nicht verletzt. Entsprechende Unterlagen wurden den Gemeinderäten gestern Abend präsentiert. In der Sitzungsvorlage machte die Verwaltung den Räten klar, dass die Sanierung des alten Schulhauses in Großglattbach voraussichtlich stirbt, wenn es keinen außenliegenden Vollwärmeschutz bekommt, „weil bei Verlust der Förderung die Maßnahme für die Stadt Mühlacker wirtschaftlich nicht vertretbar wäre“. Erster Beigeordneter Winfried Abicht: „Da muss man der Wahrheit ins Gesicht sehen.“ Da das Abstimmungsergebnis des Ausschusses gestern Abend bei Redaktionsschluss noch nicht vorlag, werden wir in unserer morgigen Ausgabe darüber berichten.

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