Nur im Grundgesetz gilt Schwarz-Rot-Gold

Erstellt: 24. Januar 2013
Nur im Grundgesetz gilt Schwarz-Rot-Gold Melonengelb statt Gold – die Bundesflaggen, die Hausmeister Jörg Decker (links, mit Hauptamtsleiter Hans Rentschler) im Vaihinger Rathaus aufbewahrt, entsprechen dem Standard, aber nicht ganz der Vorgabe aus dem Grundgesetz. Der helle Streifen ist gelb und nicht golden. Foto: Küppers

Vaihingen (rkü). „Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold.“ Die Bestimmung im Grundgesetz ist eindeutig. Doch in der Praxis ist das untere Drittel der Bundesflagge fast nie in Gold gehalten, sondern in Gelb. Vorzugsweise in Melonengelb, RAL 1028. Oder in Rapsgelb, RAL 1021. Das bringt einen Verleger aus Karlsruhe auf die Palme. Er fragt: „Warum nicht in Gold, wie vorgeschrieben?“

Der Karlsruher beruft sich auf Artikel 22 des Grundgesetzes, in dem ganz klar Gold als Farbe festgeschrieben wurde. Bei den Ämtern und Behörden, an die sich Christof Müller-Wirth in den vergangenen Jahren wandte, biss er allerdings auf Granit. Jetzt hat der 82-Jährige einen Brief an den Bundespräsidenten Joachim Gauck geschrieben. Von einer Antwort ist noch nichts bekannt.

Im Vaihinger Rathaus erklärte Hauptamtsleiter Hans Rentschler gestern, als er mit dieser Fragestellung konfrontiert wurde: „Bis jetzt haben wir die Nationalflaggen immer in Gold bestellt. Die Flaggenverlage bieten das so an. Aber sie liefern in Gelb“. Alle fünf bis acht Jahre müsse nachbestellt werden, sagt Rentschler. „Der Hausmeister des Rathauses ist für die Beflaggung zuständig und verwahrt auch die Flaggen.“ Wenn Hausmeister Jörg Decker feststellt, dass sie zu verschlissen oder die Farben ausgeblichen sind, werden neue bestellt. Eine Bundesflagge im Großformat kostet beim Fachbetrieb 100 Euro. Für die Vaihinger Stadtflagge, die extra angefertigt wurde, waren vor zwei Jahren 260 Euro fällig.

Sollte Gold statt Gelb verwendet werden, könnten die Preise auf wenigstens das Doppelte steigen. Doch das lässt der Karlsruher nicht als Argument gelten. Als Nachfahre von Protagonisten des Hambacher Fests im Jahr 1832 liegt ihm besonders viel daran, die Überlieferung zu wahren. Müller-Wirth wird in Medienberichten mit den Worten zitiert: „Für die Farben Schwarz-Rot-Gold ist in unserer schwierigen Geschichte lange gekämpft worden. Es ist ein trauriges, grundgesetzwidriges Verhalten, diese Vorgaben unserer Geschichte zu missachten, so wie es zuvor die Nationalsozialisten taten.“

Im Jahr 1848 eingeführt, wurden die Farben Schwarz-Rot-Gold im Kaiserreich auf Betreiben Bismarcks von Schwarz-Weiß-Rot abgelöst. In der Weimarer Nationalversammlung wurde im Jahr 1919 wieder Schwarz-Rot-Gold festgelegt. Nach der Zeit der Nationalsozialisten und des zweiten Weltkriegs entschied sich der Parlamentarische Rat im Jahr 1949 wieder für diese Farben, die seitdem auch im Grundgesetz verankert sind. Nationalsozialisten, aber auch Neonazis, zeigten ihre Gesinnung gerne durch Missachtung dieser Nationalflagge. So wurde beispielsweise die Farbgebung als „Schwarz-Rot-Gelb“ oder „Schwarz-Rot-Senf“ bezeichnet.

Dass tatsächlich Gold im unteren Drittel der Deutschlandflagge erscheint, ist die große Ausnahme. In Museen und im Bundestag gibt es alte Flaggen oder ihre Nachbildungen, in denen das hellste Segment mit Goldfäden durchwirkt ist und entsprechend erscheint. Auch am Amtssitz des Brandenburger Generalstaatsanwalts weht eine Flagge mit der korrekten Farbgebung. Denn Erardo Rautenberg ist ein Verfechter der Farbgebung, die im Grundgesetz verankert ist: „Leider sieht man in der Öffentlichkeit meistens nur Schwarz-Rot-Gelb, seltener den metallischen Farbton goldfarben im Sinne der Anordnung über die deutschen Flaggen vom 13. November 1996 und noch seltener das von der Verfassung vorgeschriebene Schwarz-Rot-Gold“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Darum hat er selbst vor drei Jahren die Fahne für seinen Amtssitz mit Gold im unteren Drittel anfertigen lassen. Seine Eingaben an verschiedene Bundespräsidenten, zumindest bei wichtigen Bundesbehörden grundsätzlich diese Farbe verwenden zu lassen, hatten keinen Erfolg. Zu aufwendig, zu teuer, zu wenig wetterbeständig – es gab viele Argumente. Eine „Zweiklassen-Bundesflaggengesellschaft“ sei zu vermeiden, zitiert Rautenberg aus der Antwort von Ex-Präsident Horst Köhler. Außerdem habe die Bundesregierung Fakten geschaffen, als sie im Jahr 1999 die zu diesem Zeitpunkt längst übliche Verwendung von Gelb statt Gold in einer Richtlinie festzurrte. Für Drucksachen sei Rapsgelb, für Flaggen Melonengelb zu verwenden, heißt es da. Das passt zur Ansicht der Wappenkundler, dass Gold und Gelb vom Grunde her gleichzusetzen seien.

Somit gibt es auch im Vaihinger Rathaus künftig keinen Grund zu Reklamationen, wenn Gold bestellt und Gelb geliefert wird.

Farbenlehre des Bundestags

Die Farbe Gold auf der Bundesflagge wird aus mehreren Gründen imitiert. Einige der Argumente: In der Praxis ist es üblich, Gold durch Gelb zu ersetzen, ebenso wie Silber durch Weiß. Gold und Gelb sowie Silber und Weiß sind in der Heraldik gleichbedeutend und gleichwertig. Die Farbe Gold gibt es nicht. Sie variiert einerseits je nach Zusammensetzung (Kupfergehalt und so weiter) und ist andererseits nicht druckbar. In der Praxis wird versucht, die Goldoptik durch Farbe umzusetzen. So entspricht zum Beispiel die für die Flaggen der Ecktürme des Reichstagsgebäudes verwendete Goldfarbe der Farbnummer 1028 des RAL-Farbfächers und kommt nach langjähriger Erfahrung einem goldfarbenen Eindruck am nächsten. Zu beachten ist weiterhin, dass immer auch die Lichtverhältnisse zu einer ungleichen Farbwahrnehmung je nach Wetterlage führen können. Die Verwendung echter Goldfäden dürfte nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch aus Gründen der Haltbarkeit nicht in Betracht kommen.
    (Quelle: www.bundestag.de)

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