Nibelungen zum Finale

Erstellt: 4. August 2014
Nibelungen zum Finale Kampfszene beim Eberdinger Sommertheater. Foto: Friedrich

Eberdingen (sf). Sommertheater in Eberdingen Teil drei: Zum Abschluss der diesjährigen Saison gab das Ensemble am Wochenende die Nibelungen in der Fassung von Friedrich Hebbel, erntete dafür erneut viel Beifall seitens des Publikums.
 Kein Platz war am Premierenabend vor der Eberdinger Kirche frei geblieben: ausverkauft, warb ein Hinweis im Zugangsbereich um Verständnis, dass zu spät gekommene Besucher auf eine der beiden anderen Vorstellungen am Samstag und Sonntag ausweichen mussten. Die positive Resonanz zeigt nicht zuletzt, dass die Wahl des Stücks richtig, gleichwohl durchaus anspruchsvoll zu spielen war. Kaum ein Heldenepos ist schließlich so populär, wie das Nibelungenlied.
Umso interessanter war zu sehen, wie das Team des Eberdinger Sommertheaters die Bühnenfassung umgesetzt hat: mit geschickter Musikuntermalung, passender Kostümierung und Kampfszenen. Eine schlaue, zu diesem Drama wunderbar passende Form, die zugleich auch viel von dem Fingerspitzengefühl verriet, das diese Inszenierung ausmachte. Als Regisseurin verantwortlich gezeichnet hat sich dafür Ina Wernstedt, die sich auf ein gut aufgelegtes Ensemble verlassen konnte, das das Publikum mit seinem munteren Spiel an den Hof des Burgunderkönigs Gunther nach Worms entführte.
Jener Gunther, verkörpert von Martin Kriese, lädt zu Beginn der Geschichte einen Spielmann (Andreas Beck) ein, um mit dem Lied von der schönen und doch unbesiegbaren Brunhild die Langeweile am Hof zu vertreiben. In genau dieser Situation taucht Siegfried (Jens Wernstedt) auf, der junge starke Held, der selbst König Gunther und seinen Brüdern Gerenot (Jonas Jabs) und Giselher (Lara Röder) im Wettkampf klar überlegen ist. Nur eine kann ihn auf ihre Art besiegen: Gunthers Schwester Kriemhild (Jessica Schmidt), die sein Herz erobert hat. Ihr erzählt Siegfried, wie er eine Tarnkappe erlangte und den Drachen tötete – in diesem Falle mit dramatischer Musik unterlegt und szenisch mystisch dargestellt – ehe ihn sein Weg nach Isenland führte, wo er die zuvor besungene Brunhild (Stefanie Bandilla) leibhaftig sah. Gunther erfährt davon, schlägt Siegfried kurzerhand ein Geschäft vor: wird Brunhild mit seiner Hilfe die Frau des Königs, darf Siegfried als Dank die geliebte Kriemhild heiraten.
Die Idee geht auf, bis es vor dem Dom zum Eklat kommt: Kriemhild brüskiert Brunhild, indem sie ihr offenbart, dass nicht Gunther, sondern ihr Siegfried sie bezwungen hat, Brunhild damit nichts anderes als eine Mätresse sei. Mit Hagens (Brego Kunert) Hilfe will Brunhild Rache – und bekommt sie auch. Das Unheil nimmt seinen Lauf: vermittelt von Markgraf Rüdega (Veronika Wernstedt) heiratet Kriemhild Jahre nach Siegfrieds Ermordung König Etzel (Wolfgang Stich), verlangt von beiden, die Burgunder zu töten. Ein Blutbad bahnt sich an. In weiteren Rollen dabei: Claudia Meub als Kriemhilds Mutter, Eileen Schmidt als kleine Kriemhild, Benedict Schmidt als Otnit, Josefine Nachfolger und Lara Röder als Walküren/Meerjungfrauen, sowie Dieter Hermann und Thorsten Schmidt mit einer choreographierten Kampfszene.
Schnell hat sich bei dieser Inszenierung herausgestellt, dass das Team nicht nur ganze Arbeit geleistet hat, sondern sich auch vor und hinter der Bühne bestens versteht; es war eine Gemeinschaftsleistung, dieses große Werk auf die Bühne zu bringen, insbesondere die tragische Komponente des Nibelungenlieds dabei mit klugen Regieeinfällen sensibel darzustellen. Für ein Laienensemble eine zweifellos beachtliche Leistung, die konsequenterweise mit viel Beifall gewürdigt wurde.
Es war ein würdiger Schlussakt der diesjährigen Freilufttheatersaison vor der Eberdinger Kirche, die auch in diesem Jahr wieder eine perfekte Kulisse für das Eberdinger Sommertheater gewesen ist.

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