Laichinseln landen im Feuer

Erstellt: 2. Juli 2011
Laichinseln landen im Feuer Franz Josef Hönekopp von den Vaihinger Bezirksfischern zeigt auf die Rohre, die im Unteren Seewaldsee in Horrheim treiben. Foto: Elsässer

Horrheim (elf). Verwüstungen und Zerstörungswut am Unteren Seewaldsee in Horrheim haben zur Folge, dass 220 Arbeitsstunden von Mitgliedern des Bezirksfischereivereins Vaihingen für die Katz waren. Unbekannte haben aus dem Badesee Laichinseln und Wasserrohre entfernt.
Vorsitzender Franz Josef Hönekop und Gewässerwart Dennis Helsch sind sauer. Von Mai bis September ist es für die Fischer ihres Clubs kaum möglich, an dem See zu angeln, weil sich dort zu viele Badende tummeln. Jetzt haben Unbekannte auch noch ihre überschüssigen Kräfte an den in langwieriger Arbeit entstandenen Maßnahmen ausgelassen. Doch der Reihe nach.
Im Oktober vergangenes Jahr haben die Bezirksfischer damit begonnen, den See abzulassen, um den Schlamm darin zu reduzieren. Nachdem sie 16 Säcke voll Müll aus dem See geholt haben, haben sie zur Entwässerung des Schlamms Gräben gezogen. Wenn dann im Winter der Schlamm gefriert, bilden sich Risse darin, Luft und Bakterien gehen rein und der Schlamm zersetzt sich. Im Winter machten sich die Vereinsmitglieder daran, in insgesamt 100 Arbeitsstunden aus alten Tannenbäumen fünf Laichinseln im See zu bauen. Sechs Fahrten mit dem Traktor und zwölf Arbeitskräfte waren notwendig, um das Material aus umliegenden Häckselplätzen anzukarren, im See aufzuhäufen und mit Baumstümpfen zu beschweren. Eine weitere Maßnahme erforderte den Einsatz von weiteren 120 Arbeitsstunden. Weil Unbekannte das Rohr, mit dem das Wasser aus der Quelle in den See geleitet wird, immer wieder zerstörten oder mit Holz und Steinen verstopft hatten, musste die Quelle mit Hilfe von 15 insgesamt 80 Meter langen Abwasserrohren in die Mitte des Gewässers verlagert werden. Außerdem sollte damit erreicht werden, dass in der Mitte des Sees eine Kaltwasserblase entsteht. 600 Euro betrug alleine der Materialwert. Im März fingen die Bezirksfischer damit an, das Wasser wieder in den See fließen zu lassen. Die nächste Maßnahme dieser Art sollte erst wieder in sechs bis acht Jahren erfolgen.
Im Juni dann der Schock: Chaoten haben sieben der zum Teil 20 Zentimeter tief eingegrabenen und mit Steinen beschwerten Rohre ausgegraben, im See treiben lassen und zum Teil sogar demoliert. Außerdem haben sie in den vergangenen vier Wochen nach und nach die Laichinseln zerstört und das Holz an der Grillstelle verfeuert. Dabei hatten die Randalierer leichtes Spiel, denn aufgrund der geringen Regenfälle ist der Untere Seewaldsee derzeit noch nicht einmal zur Hälfte voll. „Im Bereich der herausgerissenen Rohre war das Wasser höchstens knietief“, sagt Gewässerwart Helsch. Anzeige bei der Polizei hat der Verein nicht erstattet. Vorsitzender Hönekop: „Das bringt ohnehin nichts.“
Jetzt bleibt den Vaihinger Bezirksfischern nichts anderes übrig, als erneut mit der Arbeit zu beginnen. Der Aufwand dafür wird größer, weil der See jetzt nicht mehr abgelassen wird. Die Arbeiter werden in den Schlamm einsinken und diesen aufwühlen, was die Sicht erschwert. Folglich können die Rohre auch nicht mehr eingegraben, sondern müssen mit Steinen beschwert werden. Auch die Laichinseln werden sie neu einbauen müssen. Dass der See dieses Jahr zum Einlaufen mehr als doppelt so lange benötigt wie gewohnt, ist für die Fischer Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist es ihnen somit noch möglich, die Arbeiten durchzuführen, andrerseits müssen sie erneuten Vandalismus fürchten. Das Risiko weiterer Verwüstung gehen sie ein. „Wir haben keine andere Wahl“, sagt Franz Josef Hönekop. Die Bewässerung des Gewässers erfolgt übrigens von drei Stellen. Ein Zulauf kommt von der Quelle. Auch vom Regenrückhaltebecken der Weinberge wird Wasser in den See geleitet. Außerdem fließt auch vom benachbarten Oberen Seewaldsee Wasser hinein.
Am liebsten wäre es den Fischern, wenn die Horrheimer Seen erst gar keine Badeseen wären. „Sie sind zu klein und haben keinerlei sanitäre Einrichtungen“, sagt Dennis Helsch. Franz Josef Hönekop ergänzt: „Wir sind Pächter und führen auf eigene Kosten und mit eigenem Aufwand die Erhaltungsmaßnahmen durch. Dann wird uns alles verschmutzt und demoliert und gleichzeitig ist es hier von Mai bis September kaum möglich zu angeln, weil so viele Badende hier sind.“ Auch ohne die Möglichkeit zu baden, würden die Seen noch gut als Naherholungsgebiet taugen.

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