Kreislandfrauentag

Erstellt: 5. März 2010
Kreislandfrauentag Kreisvorsitzende Marie-Luise Linckh. Foto: Rücker

Ludwigsburg (sr). Rund 700 Frauen füllten gestern beim Kreislandfrauentag den Bürgersaal im Forum in Ludwigsburg. In den Grußworten regnete es lobende Worte und Kreisvorsitzende Marie-Luise Linckh erklärte, was eine Landfrau ist.
 Landrat Dr. Rainer Haas war gestern eines der wenigen männlichen Wesen im Ludwigsburger Forum. Haas zeigte sich bei seinem Grußwort als Landfrauenversteher, wie Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch später feststellte. Und so lobte Haas denn auch das Schaffen der Landfrauen in höchsten Tönen. 85000 Teilnehmerinnen im Landkreis hätten im letzten Jahr Veranstaltungen der Landfrauen besucht. „Eine unglaubliche Zahl!“, drückte der Kreis-Chef seine Bewunderung aus. Haas: „Das zeigt, dass sie gerade bei uns eine echte Naturgewalt sind.“
Besonders angetan zeigte sich der Landrat von dem Engagement der Familienberaterinnen, der Kräuterpädagogik, den Leistungen bei der Ernährungsberatung und nicht zuletzt von der Unterstützung beim Spätlingsmarkt.
Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, löste Haas am Mikrofon ab. Im voll besetzten Bürgersaal stellte sie fest, dass die Landfrauen „eigentlich eine zutiefst politische Arbeit mit ganzheitlichem Ansatz“ leisten. Denn Politik beginne an der Basis, wenn man sich einmische. „Ihre Meinung ist gefragt und wird geschätzt“, ließ Gurr-Hirsch die Menge im Saal wissen.
Etwas um Worte ringen musste anschließend kurz der Vorsitzende des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg, Eberhard Zucker. Die geballte Frauenpower von 700 Landfrauen, die sich hin und wieder in fröhlichem Gemurmel Bahn brach, ließ den Vaihinger Landwirt Zucker mit „gemischten Gefühlen“ vor dem Mikro stehen. Dann formulierte Zucker seinen Eindruck: Er wünsche sich eine solch fröhliche Atmosphäre auch einmal für seine Bauerntage, bei denen doch oft eher eine angespannte Stimmung herrsche. Nach lobenden Worten hielt Zucker noch eine Bitte für die Landfrauen bereit: „Wir benötigen Sie als Vermittler zur Bevölkerung.“ Die Bauern seien darauf angewiesen, dass für regionale Produkte aus dem Kreis geworben werde. Immerhin kann der Kreisverband der Landfrauen Ludwigsburg auf 6230 Mitglieder bauen. 59 Ortsvereine sind über das Kreisgebiet verteilt.
Aber was ist denn nun eigentlich eine Landfrau? Diese Frage hatte Kreisvorsitzende Linckh aus Pulverdingen schon zu Beginn der Veranstaltung beantwortet. „Alle Frauen im ländlichen Raum sind Landfrauen“, so Linckh. Die Zeiten, in denen jede Familie einen Stall und Ackerflächen versorgte, seien schon lange vorbei. Beim Landfrauenverband ist die Bildung ein zentrales Thema, wobei die Frauen „unzählig viele Fortbildungsthemen“ in Anspruch nehmen können. Linckh: „Bei uns dreht sich alles um Kopf, Herz und Seele.“ Eingreifen und zugreifen wo Bedarf ist, das zeichne eine Landfrau aus. Die Landfrauen bilden ein soziales Netzwerk, das die Mitglieder ungeachtet von Alter und Beruf miteinander verbindet. Das Gemeindeleben wird aktiv mitgestaltet, und durch die über 55000 Mitglieder in Baden-Württemberg besitze man nicht nur in der Politik ein großes Gewicht, führt eine Broschüre aus.
Dass dem Landfrauenverband ein etwas verstaubtes Image zu Unrecht anhaftet, zeigten unter anderem Unterschriftenlisten, die auslagen. Damit setzen sich die Landfrauen für schnelles Internet gerade auch im ländlichen Raum ein. Viele Aufgaben halte die Zukunft bereit, sagte Staatssekretärin Gurr-Hirsch und nannte als Beispiel die Integration von Migranten. Auch hier könnten vor allem die Frauen im ländlichen Raum mit unterschiedlichen Wurzeln einen gemeinsamen Weg finden.
 Weitere Anliegen der Landfrauen sind die Verbesserung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine gesellschaftliche Anerkennung der Arbeit in Haushalt und Familie. Außerdem eine Verbesserung der sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Situation von Frauen und Familien im ländlichen Raum.

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