Konzert, Filmabend und Weingenuss in einem

Erstellt: 29. Oktober 2012
Konzert, Filmabend und Weingenuss in einem Bei der Sinfonischen Weinprobe begleiten Filme über die Kulturlandschaft um Roßwag die Orchestermusik und den Weingenuss. Foto: Rieger

Vaihingen (clar). Was entsteht, wenn sich die Genossenschaftskellerei Rosswag-Mühlhausen, das Akademische Orchester der Universität Stuttgart und der Verein Uni-Film zusammentun? Die Antwort: eine ungewöhnliche Mischung aus Konzert, Kurzfilmen und Weingenuss – und die bekam am Samstagabend in Vaihingen viel Beifall vom Publikum.
Der Einstieg lässt aufhorchen: Die von John Williams komponierte Titelmelodie des Kinoklassikers „Star Wars“ klingt kraftvoll durch die Vaihinger Stadthalle – sozusagen das Stück, mit dem sich das Akademische Orchester der Uni Stuttgart an diesem Samstagabend kurz vorstellt. Dann wird es elegisch mit dem ersten Satz „Allegro non troppo“ aus Johannes Brahms 4. Sinfonie, e-moll, op. 98. Nach einigen Minuten beginnt auf der großen Leinwand hinter dem Ensemble ein Film: Passend zu den klassischen Klängen steigt Morgennebel über den Steillagen von Roßwag auf, schwenkt die Kamera über den Ort, die Dämmerung weicht langsam dem Sonnenschein. Währenddessen können die fast 500 Zuschauer aus ihren Gläsern einen 2011er Riesling von der Roßwager Halde schlürfen.
Für das nächste Stück tritt die erst 17-jährige Violinistin Lilian Heere aus Stuttgart auf die Bühne, lässt Mozarts Violinkonzert in D-Dur KV 211 zart erklingen, dann beginnt Film Nummer zwei, „Eine Bootsfahrt auf der Enz“, und in die Gläser fließt ein Roséwein.
Als eine Mischung aus Weinverkostung und anspruchsvollem Konzert, begleitet von passenden Filmbildern aus Roßwag und Umgebung kann man die Sinfonische Weinprobe der Genossenschaftskellerei Roßwag bezeichnen. Fast zwei Jahre Vorbereitungszeit hat das ungewöhnliche Projekt in Zusammenarbeit mit dem Akademischen Orchester und dem Verein Uni-Film Stuttgart benötigt. Ausschlaggebend war ein Auftritt des Uniorchesters in Vaihingen Anfang 2011. Da spielte das Ensemble Filmmusik und zeigte, ohne Ton, passende Filmsequenzen dazu. „Das mit einer Weinprobe zu kombinieren, war schon immer mein Traum“, sagt Bertram Haak, Geschäftsführer der Roßwager Genossenschaftskellerei. Er spricht die Orchesterleiterin, Universitätsmusikdirektorin Veronika Stoertzenbach darauf an. Ihr gefällt die Idee „Ich war nur skeptisch, ob wir einen passenden Zeitpunkt finden“, sagt sie. Immerhin sind die rund 80 Musiker, die am Samstagabend in Vaihingen auf der Bühne stehen, Studenten und Akademiker. „Sie arbeiten alle ehrenamtlich und ob die einzelnen Musiker Zeit haben, hängt auch von ihrem Studienplan oder dem Job ab.“ Doch es klappte. Und die Veranstaltung erneut aufmerksam machen soll auf den Erhalt der zu erhaltenden Kulturlandschaft um Roßwag mit den Steillagen-Weinbergen und Trockenmauern, kamen keine Hollywood-Filmszenen dazu: Stoertzenbach stellte den Kontakt zum Verein Uni-Film her, dessen Mitglieder sowohl Filmvorführungen organisieren als auch selbst Streifen drehen. Christoph Mennel vom Verein sagte zu, kleine Filme in der Kulturlandschaft zu drehen, die dann passend zur Musik des Orchesters gezeigt werden sollten. Über ein halbes Jahr hinweg drehte Mennel immer wieder im Enztal – „Die Filme sollten den Wein mit den Elementen verbinden, die er ja alle braucht“. So symbolisiert zum Beispiel die besagte Bootsfahrt auf der Enz das Element Wasser, die Aufnahmen einer Ballonfahrt über den Weinbergen das Element Luft. Ein weiteres Video in Spielfilmmanier – gedreht auf Schloss Mühlhausen – zeigt Kunstschmied und Genossenschaftsvorsitzenden Rolf Allmendinger bei der Arbeit und symbolisiert damit das Element Feuer. Und nicht nur Allmendinger, wie auch Haak, sind in den die Musik begleitenden Kurzfilmen dabei. Auch Wengerter, Kinder, ganze Familien sind zu sehen. „Die Roßwager sind toll und haben viel mitgearbeitet“, lobt Regisseur Mennel.
Während das Filmteam drehte, suchte Veronika Stoertzenbach die Musikstücke aus und schaute später die Videos an, um beides aufeinander abzustimmen. „Beim Auftritt kann ich als Dirigentin mit meinem Tempo dann die Musiker passend zum Film steuern.“ Beim Auftritt allerdings spielt das engagierte junge Orchester jedes Stück einige Minuten lang ohne filmische Begleitung: „Ich will nicht, dass wir nur pure Filmmusik sind; das Orchester muss erst einmal wahrgenommen werden.“ Das scheint von Anfang an der Fall zu sein, und ein pfiffiger Clou, eine Einlage auf selbst gebauten Waldhörnern (aus Schläuchen und Trichtern aus dem Baumarkt), trägt noch dazu bei.
Was die Kreativen des Ensembles und des Uni-Film-Vereins geleistet haben, zeigt sich auch daran: Erst bei den Proben in Vaihingen am Donnerstag, Freitag und Samstag vor dem Auftritt liefen erstmals Musik und Film zusammen ab, vorher wurde getrennt gearbeitet. Dass das außergewöhnliche Projekt beim Publikum ankommt, wird nicht nur bei dem vielen Applaus, den jede Kombination Musikstück-Film-Wein erhält, deutlich. Von Zeit zu Zeit tuschelt es auch im Publikum: „Guck mal, das ist doch…“, heißt es. Oder: „Ohhh, die Enzschleife.“

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