Kälberer mit Verdienstkreuz

Erstellt: 30. Juli 2014
Kälberer mit Verdienstkreuz Kälberer (links) und Friedrich. Foto: Rücker

Vaihingen (sr). Heinz Kälberer hat gestern im Vaihinger Rathaus das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Der Alt-Oberbürgermeister von Vaihingen wurde für seine vielfältiges Wirken, unter anderem für Versöhnung und Völkerverständigung, geehrt.
 Der Große Sitzungssaal im Vaihinger Rathaus platzte gestern Nachmittag fast aus allen Nähten. Kein Wunder, denn zahlreiche Weggefährten, Freunde und Familienangehörige wollten dabei sein, als der ehemalige Vaihinger Oberbürgermeister Heinz Kälberer das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht bekam.
Und so konnte auch Oberbürgermeister Gerd Maisch etliche Amts- und Würdenträger im gut aufgewärmten Sitzungssaal namentlich begrüßen. Unter anderem gaben sich die Landtagsabgeordneten Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP) und Konrad Epple (CDU) die Ehre. Dr. Markus Rösler (Grüne) habe sich kurz zuvor entschuldigt, er sei verletzt und könne nicht mehr gehen, ließ OB Maisch die Zuhörer wissen und schickte Genesungswünsche hinterher. Landrat Dr. Rainer Haas saß in der ersten Reihe, Regierungspräsident Johannes Schmalzl, sein Vorgänger Udo Andriof, Bürgermeister, Gemeinderäte, Ortsvorsteher und viele weiter Gäste waren versammelt. Die Bundesrepublik bringe mit der Auszeichnung zum Ausdruck, dass Heinz Kälberer bundesweit und sogar in Europa wirke, sagte OB Maisch. Heinz Kälberer werde mehr als ein würdiger Träger des Verdienstkreuzes sein, zeigte sich Maisch überzeugt.
Peter Friedrich, Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten, konnte nach eigenem Bekunden „die schönste Aufgabe, die man als Amtsträger hat“ ausführen und Kälberer die Ordensinsignien überreichen. Mit den Worten „Ihnen, Herr Dr. Kälberer …“ wurde dem Alt-OB gleich noch verbal die Doktorwürde verpasst, was zu einiger Erheiterung beim Auditorium führte.
Das Verdienstkreuz am Bande erhielt der 72-Jährige aber real. Kälberer habe die Bürger mit Gelassenheit, Humor und Listigkeit für Kommunalpolitik begeistert, sagte Friedrich. Er habe die Stärkung der kommunalen Basis erreicht und seine zahllosen Ämter mit vollem Einsatz, Engagement und Leidenschaft erfüllt. Große Verdienste habe er als Vizepräsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge erlangt. „Ich danke Ihnen persönlich für Ihre Friedens- und Versöhnungsarbeit“, sagte Landesminister Friedrich in seiner Laudatio. Auch als Osteuropabeauftragter des Landes Baden-Württemberg habe Kälberer im Geiste der Völkerverständigung gewirkt und einen Beitrag zur Aussöhnung geleistet. In seinen 25 Jahren als Oberbürgermeister von Vaihingen sei die Stadt attraktiver geworden und die Einwohnerzahl gestiegen. Friedrich: „Die Vaihinger haben Ihnen Ihre gute Arbeit bei der zweiten Wiederwahl 1998 mit 91 Prozent der Stimmen gedankt.“ Gerade in der Kommunalpolitik sei Verantwortung schwer zu tragen – sie sei deshalb „das Fundament des Rechtsstaates und kein Kellergeschoss“. Seit 27 Jahren stehe Kälberer an der Spitze der baden-württembergischen Freien Wähler und habe sich unter anderem als Pulsgeber, Mediator und Moderator erwiesen. Nicht zuletzt würdigte Friedrich Kälberers Qualitäten als Redner und erinnerte an „legendäre verbale Scharmützel“ mit dem bayerischen Kollegen Hubert Aiwanger. Insgesamt habe Kälberer in jedem seiner Ämter nachweislich gute Arbeit geleistet.
Kälberer übernimmt das Wort, blickt nach seinem Dank unter anderem zu Willi Burger, Inspekteur der Polizei a. D., und schwärmt von unglaublichen Summen, die dieser für die Landesverkehrswacht zusammengebettelt habe. Kälberer bemerkt knitz: „Ich sag’s nur so …, und zwar nicht von der Rüstungsindustrie.“ Besonders beeindruckt zeigt sich Kälberer von seiner Arbeit beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. In 40 Ländern pflege dieser 800 Friedhöfe und „wenn man vor einem Friedhof steht, schlägt einem das schon auf den Magen“. Verständigung funktioniere nur, wenn „sich normale Menschen begegnen“, ist sich Kälberer sicher. Wenn junge Menschen beispielsweise an Kriegsgräbern arbeiten „bringt das deutlich mehr als Geschichtsunterricht“. Von seinem Ehrgeiz erzählt Kälberer, einer Hartnäckigkeit, die er als Bub beim Kartoffelkäfersammeln auf dem väterlichen Acker in Holzmaden ausgelebt habe. „Ich bin froh, dass ich nicht 20, 25 Jahre früher geboren bin“, sagt er mit Blick auf eben diese Strebsamkeit. In dieses pietistische Dorf Holzmaden im Vorland der Schwäbischen Alb seien nach dem Krieg Katholiken gezogen, „das war fast schlimmer als Badener“, erinnert sich Kälberer in Kälberermanier und erntet Lacher. Er sei froh, dass sich vieles verbessert habe und es nun Leute gebe, die nicht mehr „so eng denken“. Und schließlich wirbt der Alt-OB für eine Abkehr vom schwäbischen Stammtischgebruddel und einer Umkehr zum positiven Denken, für die Dankbarkeit über den Frieden in Deutschland. Kälberer: „Freuen wir uns, in diesem Land zu leben.“
Für Freude und Begeisterung sorgte direkt im Rathaussaal die 13-jährige Johanna Ebert aus Riet. Die Bundespreisträgerin „Jugend musiziert“ verzückte ihre Zuhörer mit den Klängen ihrer Harfe.

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