Jubiläum auf dem Füllmi

Erstellt: 23. Mai 2008
Jubiläum auf dem Füllmi Schon immer auf dem Füllmi dabei: Christel Schaller. Foto: Bögel

Diefenbach/Vaihingen (ub) – Es waren etwa 120 Freizeiten, die geplant und organisiert wurden. Über 8000 Kindern wurde auf dem Gelände zwischen Zaisersweiher und Diefenbach Urlaub pur geboten. Gestern feierte der Sportkreis Ludwigsburg 40 Jahre Freizeiten auf dem Füllmenbacher Hof.
Und ein Name ist mit den Freizeiten auf dem „Füllmi“ fest verbunden: Christel Schaller aus Roßwag. Sie ist seit 48 Jahren mit dabei, erst in Untersteinbach und seit 40 Jahren auf dem Füllmenbacher Hof. Als „Mutter der Freizeiten“ will Schaller nicht bezeichnet werden – das klinge so alt. Lieber ist ihr der Begriff „Organisatorin“.
Und nach 40 Jahren zieht die Roßwagerin, die auf einen festen Stamm von Betreuern zurückgreifen kann, keine überraschende Bilanz: Es gebe in den letzten Jahren sehr viele Problemkinder. „Und diese Kinder brauchen Liebe und Zuwendung“ – frei nach dem Motto der Freizeiten: „Hier wird keiner im Regen stehen gelassen.“ Den Acht- bis 14-Jährigen wird einerseits der Standard eines „halben Hotels mit Suppe, Hauptessen und Nachtisch bei den Mahlzeiten geboten“, andererseits lernen sie, wie man ein Bett macht oder dass man sich wäscht. Jedes Jahr wird den beiden Landratsämtern in Pforzheim und Ludwigsburg ein Kontingent an Freiplätzen für Kinder aus armen Verhältnissen bereit gestellt.
Der Zulauf auf die Angebote des Sportkreises ist nach wie vor ungebrochen. Die gestern zu Ende gehende Pfingstfreizeit hätte dreimal soviel Teilnehmer aufnehmen können. Doch bei 30 Kindern war Schluss. „Wir schätzen die auf dem Füllmenbacher Hof geleistete Arbeit sehr“, sagte bei dem kleinen Jubiläum auch Sportkreis-Präsident Matthias Müller. „Viele Eltern, die heute ihre Kinder auf den Füllmi schicken, waren früher selbst als Teilnehmer dabei.“
Die Füllmenbacher-Hof-Jugendhäuser haben ihren Namen von den in der Nähe gelegenen Bauernhöfen. Hier handelt es sich um eine alte Siedlung aus dem 12. Jahrhundert. Als damaliger Besitzer ist ein „Vilemo“ überliefert, was der „Vielmutige“ heißt. Es wurde jedoch berichtet, dass bereits 1152 der Hof verlassen und verfallen gewesen sei, bis er dann später in den Besitz des Klosters Maulbronn übergegangen ist. Später ging er in verschiedene Privatbesitze über.
1949 als es auch in der Forstverwaltung galt, den Wiederaufbau, in diesem Fall die Wiederaufforstung intensiver zu betreiben, ließ man hier durch das damals bestehende Forstamt Lienzingen im Streitenbachtal auf Gemarkung Diefenbach vier kleine Wohnhäuser mit je einem Nebengebäude errichten. Die unmittelbare Nähe der Hofanlage Füllmenbacher Hof gab den Häusern den Namen. Über 20 Jahre lebten dann dort Waldarbeiterfamilien.
In den 60er Jahren wurden die Arbeiter versetzt und die Forstverwaltung wollte die Häuser abreißen lassen. „Landrat Fuchslocher, damals ein guter Bekannter meines Vaters, ist es zu verdanken, dass die Häuser heute noch stehen und erhalten wurden“, schreibt Christel Schaller aus Roßwag in der gestern vorgestellten Chronik. Fuchslocher verhandelte 1968 mit der Forstverwaltung und dem früheren Landkreis Vaihingen einen Pachtvertrag aus. Er stellte die Anlage mit den vier Häusern, dem dazu gehörenden Gartenland von 50 Ar, einer Waldwiese von 1,5 Hektar, einem Backhaus und einem Brunnen verschiedenen Jugendorganisationen zur Verfügung. Auf diese Weise erhielten die Wanderjugend des Schwäbischen Albvereins, die katholische Jugend, die evangelische Jugend und die Sportkreisjugend jeweils ein „Jugendhaus“. Bereits 1968 fand das erste Zeltlager der Sportkreisjugend Vaihingen auf dem Füllmenbacher Hof, kurz „Füllmi“, statt.
1973 nach der Kreisreform übernahm das Landratsamt Enzkreis die Rolle des Mieters und konnte 1978 eine Verlängerung der Verträge mit dem Land erreichen. 1982/83 wurden von der Gemeinde und den beiden Landkreisen Enzkreis und Ludwigsburg 700000 Mark für die Lösung des Wasserproblems ausgegeben. 1994 wurde das ganze Füllmi-Gebiet zum „Natur- und Landschaftsschutzgebiet“ erklärt und obliegt somit besonderen Bestimmungen.
Das Gebäude des Sportkreises Ludwigsburg umfasst ein Haupt- und ein Nebenhaus, eine Schwimmbadanlage (ist nur während der Zeltlager im Betrieb), zwei Terrassen, ein befestigter Lagerfeuerplatz, eine Spielwiese, zwei wetterfeste Tischtennisplatten, ein großer Sandkasten, Platz und befestigte Wege für rund 20 große Zelte. Ein Sportplatz für alle vier Häuser grenzt an. Die Anlage wird in erster Linie für Sportkreis-Freizeiten genutzt, außerdem kann das Haus von Vereinen und Schulen gemietet werden.

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